Sachsenmeyer: Kindertag

Wenn es nach meinem Terminkalender geht, dann würde es den internationalen Kindertag nicht mehr geben. Wirklich, in meinem Kalender steht am 1.Juni kein Wort von “Kindertag” Auch nicht ersatzweise “Kegeltag”, oder “Sprößlingstag”, oder als Anglizismus “Kidsday” – nein, gar nichts!

Ansonsten stehen in meinem Kalender alle möglichen wichtigen Tage drin, an denen man an irgendetwas denken sollte. Zum Beispiel – der “Weltspartag” steht drin. Da soll man ans Sparen denken!  Obwohl es ja gar keine Zinsen mehr gibt!

Auch “Allerheiligen” steht drin – da soll man aller Heiligen gedenken, oder “Martinstag” – da soll man an die Martinsgans denken, oder “Volkstrauertag” – zum Gedenken an das Volk, und “Maria Empfängnis” – zum Gedenken an die Nacht, wo Maria ihren Mann betrogen hat, oder… oder… – nein, ich kann jetzt nicht alle Tage aufzählen, die drin stehen… – sogar der “Weltfrauentag” steht drin! Aber der “Kindertag” fehlt!

Mein Kalender wurde von einer Firma aus Heilbronn hergestellt. Das liegt in den alten Bundesländern. Sollte es da einen ideologischen Zusammenhang geben? Kinderfeindlichkeit beispielsweise? Nein, halt stopp! Jetzt habe ich einen “Weltkindertag” entdeckt – für den zwanzigsten September!

Was soll den das? So was Doofes! “Kindertag” ist doch schon immer am ersten Juni gewesen! Seit ich denken kann! Und das ist schon lange, dass ich denken kann! Seit tiefsten DDR-Zeiten!

Im Internet finde ich die Erklärung. Schon seit 1954 gedenkt die Bundesrepublik nicht zum ersten Juni, wie es die Vereinten Nationen vorsehen, der Kinder, sondern eben erst am zwanzigsten September.

Nein, Kindertag ist am ersten Juni! Basta!

Und Kindertag war immer schön! Ich erinnere mich noch sehr gerne daran, wie uns am ersten Juni die Lehrer zum Kindertag gratuliert haben, dafür, dass wir Kinder sind!

Und es wurde auch gefeiert! Also, ohne Alkohol natürlich. Aber mit Sport und Spiel und Liedersingen und Himbeerlimonade. Oder Topfschlagen! Oder Blinde Kuh!

Ja, wir Kinder… – am Kindertag wurde uns bewusst gemacht, dass wir die zukünftigen Erbauer des Kommunismus sind! Und die Eroberer des Weltalls, die Gestalter der Zukunft der Menschheit!

Das habe ich allerdings schon damals als etwas übertrieben gefunden. Wenn ich mir meine Klassenkameraden so angeschaut habe… also, bloß mal den Peter Bock als Beispiel… ein derartiger Rüpel… der sich schon in der sechsten Klasse mehr für die Mädchen interessiert hat, als für den Weltfrieden! Oder die Gerlinde Beutel… unsportlich, dumm, aber immer in Westklamotten…

Meine Oma hat immer gesagt – ach, hat sie gesagt, wenn die Kinder so zwei drei Jahre alt sind, sind sie zum fressen. Wenn sie dann dreizehn vierzehn sind, ärgert man sich, es nicht getan zu haben!

Naja, in manchen Ländern gelten Kinder ja als eine Art von Altersversicherung. So nach dem Motto: Kannst du nicht mehr selber laufen, gehen deine Kinder Bier einkaufen!

Deshalb haben gerade in den armen Ländern die Leute so viele Kinder. In manchen Ländern haben die Leute so viel Kinder, dass kein Platz mehr da ist, wo die spielen können. Zum Beispiel in China!

Deshalb durften die dort ein paar Jahre lang nur noch ein Kind pro Familie erzeugen. Eine zwangsdemografische Maßnahmen!

Das ist in Deutschland übrigens anders. Da haben die Leute auch freiwillig höchstens ein Kind.  Um nicht auszusterben braucht aber ein Volk pro Ehepaar mindestens zwei Komma drei Kinder. Im Durchschnitt!

Man denkt, zwei Komma Null würden reichen für die Erhaltung der Art, aber es müssen zwei Komm drei sein, wegen der Streu- und Bruchverluste.

Viele hoffen ja  jetzt auf die Migranten. Dass die die deutsche Sippe retten. Und den Kindertag!

Eduard Sachsenmeyer

 

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