Sachsenmeyer: Klauen

Oft, wenn ich am späteren Mittag in unser Wohngebiets-Center gehe, wo sich die verschiedensten Läden und Geschäfte – von Penny bis Alippi – reihen,  um dort irgendwas einzukaufen, haben die Schüler und Schülerinnen der benachbarten Schule wahrscheinlich gerade Schulschluss und wimmeln nun nur so im Center herum. Schwänzen und demonstrieren tun die ja nur freitags. Sonst wimmeln die.

Bei Penny müssen zusätzlich zwei Kassen geöffnet werden, um die Horden von Kindern abzufertigen. Überwiegend sehe ich dann auf dem Band vor der Kasse irgendwelche Schokoriegel oder Getränkebehältnisse – also, Flaschen, Büchsen und Tetrapacks – liegen. Was die Kinder alles in ihren Taschen und Rucksäcken und Tornistern sonst noch heimlich verstaut haben, ohne es bezahlen zu wollen, kann man nur ahnen. Die monatlichen Verluste  in Supermärkten durch Klauerei belaufen sich allgemein durchschnittlich auf ganz erhebliche Summen, habe ich gehört.

Aber man will ja niemandem etwas unterstellen.

Manchmal denke ich auch, dass die Rentner mit ihren Rollatoren, an denen in unübersichtlicher Anordnung Taschen, Beutel und Körbe hängen, den berühmten Raben, die da klauen wie die Raben, nicht viel nachstehen…  womöglich.

Aber man will ja wirklich niemandem zu nahe treten!

Die Verkäuferinnen interessieren sich nicht dafür, wohin jemand eine Ware steckt, die er aus einem Regal genommen hat. Und die, die in den Kassenboxen sitzen, die bitten immer nur darum, dass man irgendwelche Taschen oder Körbe, die im Einkaufkorb liegen, anhebt, um zu sehen, ob nicht was darunter liegt.

Na, so blöde möchte ich mal sein, etwas, was ich klauen will, einfach unter die Einkaufstasche zu legen!

Als ich Kind war und die ersten Selbstbedienungsläden im Land eröffnet wurden, war Klauen schnell eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung geworden. Und immer spannend! Und wer erwischt wurde, bekam richtig Ärger mit den Eltern und in der Schule. Nicht selten wurde die Polizei eingeschaltet!

Gut, insofern kann ich die Kids, wie die Kinder heutzutage heißen, ganz gut verstehen. Klauen macht Spaß!

Allerdings würde eben Klauen noch viel mehr Spaß machen, wenn die Verkäuferinnen und Verkäufer heutzutage, so wie dazumals zu meiner Zeit, ab und zu mal jemanden erwischen würden. Oder es wenigstens versuchen würden!

“Zeig mir doch mal deinen Rucksack!” – oder so ähnlich.

Aber wahrscheinlich darf das Verkaufspersonal heutzutage in unserem Rechtsstaat ohne richterliche Anweisung keine Taschenkontrollen bei elternlos herumstreunenden Minderjährigen durchführen. Oder überhaupt – auch bei Rentnern oder sonstigen Leuten mit kleptomanischen Gelüsten nicht!

Ich weiß das nicht genau, aber es könnte sein… – na, so wie die sich absolut nicht darum kümmern, wo ich meine Tagesration Wodka verstaue! Mal nur Beispielsweise! Ich lege sie ja am Ende offen und ehrlich aufs Kassenband. Aber ich müsste es wirklich nicht tun.

Die Supermärkte sind diesbezüglich allesamt sehr großzügig! Ob die die Verluste womöglich einfach von der Steuer absetzen können?

Und dann gibt es noch so ein rätselhaftes Verhalten der Supermärkte, was nämlich die Frischware betrifft – Obst, Gemüse, Brot, Brötchen, Fleisch und Wurst!

Gut, Obst und Gemüse wird oft kurz vor Feierabend noch im Preis herabgesetzt, um es loszuwerden, auch manchmal Brot… – aber die Fleisch-und Wursttheken!?

Seit Jahren stehe ich davor und frage mich, was die mit den Unmengen von frischen Waren machen?

Werden die als “geklaut” deklariert und dann weggeworfen? Können die dann einfach als Verlust ausgebucht werden?

Okay – dass sich alle Supermarktmitarbeiter was mit nach Hause nehmen, von dem, was sonst weggeschmissen würde, das wäre verständlich. Und es wäre im Sinne der Ökologie sinnvoll!

Manche Supermarktmitarbeiter sehen ja auch tatsächlich so aus, als wie wenn sie täglich kiloweise… – also, ich will da aber niemandem zu nahe treten!

Jedenfalls muss doch auch so ein Supermarkt darauf achten, dass am Ende des Tages die Einnahme die Verluste ausgleicht. Wie können denn sonst die Ketten-Bosse zu Milliardären werden? Nein, ich stauen da immer wieder!

Eduard Sachsenmeyer

 

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