Sachsenmeyer: Kulturhauptstadt Chemnitz?

Chemnitz will Kulturhauptstadt von Europa werden. Die Konkurrenz ist groß. Es gibt einige Städte, die Chemnitz den Rang ablaufen könnten.

Alleine in Deutschland! Dresden oder Nürnberg zum Beispiel!  Das sind solche Städte, die haben schon immer irgendwie sowas wie Kultur gehabt.

Wobei Chemnitz in Sachen Kultur in Sachsen wirklich Spitze ist!

Und Sachsen ist in Deutschland bei Kultur Spitze! Sachsen ist das Land mit den höchsten Ausgaben für Kultur. Sie liegen bei knapp 200 € pro Kopf der Bevölkerung.

In Rheinland-Pfalz bei nur knapp 65 €! Kulturbanausen!

Kultur ist ja das, was dem Steuerzahler viel Geld kostet. Theater, Oper, Museum, städtische Kulturbetriebe, Galerien, Frauenzentren, Jugendzentren… – also, alles das, was es ohne Fördermittel nicht mehr gäbe.

Bei Theater und anderen Prestige trächtigen Kultureinrichtungen gehen die Millionen im Duzend über den Tisch. Alleine die Gehälter für Intendanten und Direktoren der einzelnen Sparten fressen Unsummen. Publikum und Besucher zahlen nur einen winzigen Teil von dem, was eine Karte kosten müsste, wenn damit alle Kosten gedeckt werden sollten.

Alles, was nicht von den Fördertöpfen der öffentlichen Hand lebt, gilt nicht als Kultur und wird auch von der örtlichen Presse weitestgehend ignoriert.

Bevor man eine Meldung über mein neues Programm zum Thema ‘875 Jahre Chemnitz’ lesen kann, wird notgedrungen von Dresden oder Leipzig berichtet. Von anderen Kulturschaffenden, Schriftstellern und Künstlern, weiß ich nichts. Höchstens, dass mal einer stirbt und bei den Todesanzeigen auftaucht.

Auf der anderen Seite gibt es die Art von Kultur, bei der die Künstler und ihre Agenturen viel Geld verdienen. Schlagersänger, Rock-Gruppen, Comedy-Stars! Hier gibt es ein zahlendes Publikum! Und es zahlt soviel, dass für Künstler und Agenturen genug Geld übrig ist. In der Stadthalle Chemnitz treten pausenlos Künstler auf, die absahnen.

Die Stadthalle selbst wird von der Stadt mit Millionen über Wasser gehalten.

Von der Seite der Ausgaben gesehen, hat Chemnitz wahrlich gute Chancen, Kulturhauptstadt werden zu können.

Aber zur Kultur gehören auch die Leute, die sich für Kultur interessieren und kulturvoll leben. Die Chemnitzer sind da eher zurückhaltend. Kultur ist was, was eben nicht direkt in der DNA der Chemnitzer verankert scheint. Im vergangenen Jahrhundert galt der Spruch: In Leipzig wird gehandelt, in Dresden wird regiert, in Chemnitz wird gearbeitet. Schweiß und Arbeit haben die Chemnitzer geprägt.

Ob solche Projekte wie “Baden an der Chemnitz” oder “Bemalen von Trafohäuschen” von der kulturellen Zurückhaltung ablenken können, scheint fraglich.

Auf die Wiederholung eines solchen kulturellen Highlights, wie es sich voriges Jahr im Spätsommer ereignete, als sogar Bundespräsident Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel und die “Toten Hosen” in Chemnitz auftauchten, kann man nicht hoffen. Die Kampfkraft von ‘PRO Chemnitz’ scheint im übrigen auch erlahmt zu sein.

Dass der bunte Schornstein, den wir in Chemnitz haben, als Aushängeschild für die Chemnitzer Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas dienen könnte, ist allerdings gut denkbar. Der stößt viel Dampf aus und war auch nicht direkt billig.

Welche Rolle unser “Nischl” letztlich bei der Bewerbung spielen könnte, ist offen. Aber immerhin gilt er als zweitgrößte Porträtbüste der Welt. Die größte haben die Russen in Ulan -Ude. Das ist der Kopf von Lenin. Dass beide allerdings innen hohl sind, sollte nicht fehlinterpretiert werden. Das liegt nur an der Herstellungstechnologie, nicht an den Vorbildern.

Eduard Sachsenmeyer

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