Sachsenmeyer: Logistik auf der Landesgartenschau

Frankenberg ist eine kleine Stadt, die einmal zu DDR-Zeiten durch die Beteiligung am Bau des Kleintransporters “Barkas” berühmt geworden war. Zum anderen kennen viele Männer die dortige Kaserne aus ihrer Jugendzeit. Heute ist in Frankenberg die “Panzergrenadierbrigade 37” stationiert, was zumindest der örtlichen Gastronomie doch sehr zugute kommt.

Als wir, ich und meine Gudste und ein befreundetes Ehepaar, nämlich Wagners, nach einem Besuch der Landesgartenschau, die dieses Jahr in Frankenberg stattfindet, in der griechischen Gaststätte “Athen” zu Mittag aßen, wurde dies an Hand einiger Uniform tragenden Gäste deutlich.

Dass wir unser Mittagessen nicht, wie wir geplant hatten, in einem Lokale auf dem Gelände der Landesgartenschau einnahmen, hatte Ursachen. Wir waren durch bestimmte Umstände etwas verärgert und verließen die Landesgartenschau vorfristig. Planmäßig hätten wir noch gut ein Stündchen länger die Schau angeschaut.

Unsere Verärgerung begann bei der Anfahrt. Schilder mit der Abkürzung “LGS” wiesen den Weg zum Parkplatz. Dann kam ein Schild, dass nach Links zeigte. Aber die nächste linksabbiegende Spur führte nicht zum Parkplatz. Ein vor uns fahrender Opel mit Geraer Kennzeichen tappte in die Falle. Wir nahmen die zweite Falle. Ja, auch die zweite linksabbiegende Spur führte nicht zum Ziel, sondern Sonstwohin. Nachdem wir gewendet hatten, folgten wir dem Geraer Opel, der nun wieder vor uns fuhr, in die dritte Linksabbiegung. Diesmal war es richtig.

Auf dem große Parkplatz begann das Kassieren. Aber immerhin war der Shuttlebus, der zum Eingang der Landesgartenschau fuhr, kostenlos. Der Kartenverkauf und der Einlass in das Gelände erfolgte mit einem modernen vollelektronischem System. Meine Gudste konstatierte: “Wie im Westen!”

Das System war sehr sinnig. Man kauft an einem Kiosk eine Karte, worauf sich ein Strichcode befindet. Dann geht man zum Tor, wo mittels eines Scanners der Strichcode gelesen wird, was dann zum Eintreten in das Gelände berechtigt, sobald man noch einen Stempel mit grüner Stempelfarbe auf den Handrücken gestempelt bekommen hat. Also ein vollelektronisches System mit bürokratischer Absicherung. Einfach Karte kaufen und vorzeigen wäre auch für eine Landesgartenschau zu simpel!

Nun versuchten wir uns mittels des Lageplanes zu orientieren. Es gab zwei Areale – der “Naturerlebnisraum Zschopauaue” und die “Paradiesgärten Mühlbachtal”. Der Weg von einem, zum anderen Areal führt auch über eine neue Stahlträgerhängebrücke, die die “Schlange” heißt, und ein architektonisches Highlight der Landesgartenschau darstellt. Ob nach der Gartenschau jemand die Brücke benutzen wird, scheint fraglich. Jedenfalls ist der Weg über die Brücke zum zweiten Areal nicht eben kurz. Aber es gibt eine “Gartenschau-Bahn”. Eine hübsche bunte Pseudo-Bimmelbahn, wie sie in vielen Städten für Stadtrundfahrten eingesetzt werden. Wir beschlossen, auch angesichts der 32 Grad im Schatten, die das Thermometer mittlerweile zeigte, mit der Bimmelbahn zum anderen Areal hinüber zu fahren. Aber wir hatten die  Rechnung ohne die Bimmelbahn gemacht. Die hält nämlich nicht auf dem zweiten Areal. Es sei eben eine Rundfahrt, wurde uns erklärt. Die Bimmelbahn kommt ohne Halt wieder zu ihrem Startpunkt zurück.

Wenn man ins zweite Areal will, muss man wandern. Aber dann, so hofften wir, könnten wir dort vom Ausgang mit dem Shuttlebus zum Parkplatz fahren. Aber wieder falsch! Der Shuttlebus “B”, der vom zweiten Areal aus abfährt, fährt nicht zum Parkplatz, sondern zum Eingang des ersten Areals. Von dort gibt es dann den Shuttlebus “A” der zum Parkplatz fährt. Oha, eine logistische Meisterleistung, fanden wir übereinstimmend. Meine Gudste sagte: “Wie im Westen!”

Da der Takt der Shuttlebus-Abfahrten bei ca. zwanzig Minuten liegt, kann man viel Zeit mit Warten zubringen.

Die wirklich große Halle im ersten Areal – Blumenhalle und Restaurant “Mittendrin” – war übrigens gut besucht. Überhaupt scheint die Anziehungskraft der Landesgartenschau durchaus kräftig zu sein. Besonders auf Rentner. Aber wir, also Wagners und ich und meine Gudste, wir waren eben irgendwie verärgert. Auch die Blumenbeete waren kaum attraktiver, als in jedem beliebigen Stadtpark. Diesbezüglich sagte meine Gudste: “Eben wie im Osten!”

Aber vielleicht waren wir nur zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort. Wenn es nur sieben Grad weniger warm gewesen wäre, hätte uns die ganze Logistik vielleicht weniger interessiert.

Eduard Sachsenmeyer

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