Sachsenmeyer: Prunkarmer Reichtum

Ich bin immer wieder sehr froh, wenn ich höre oder lese, dass es den richtig reichen Leuten bei uns echt gut geht. Und dass es denen Jahr um Jahr besser geht! Ja, denen geht es kontinuierlich besserer, obwohl die auf das viele Geld, was die haben, auch keine Zinsen mehr bekommen. Aber die Reichen sind ja nicht nur reich an Geld, sondern auch an Ideen. Die lassen ihr Geld einfach auf anderen Gebieten hecken. An der Börse oder auf dem Immobilienmarkt.

Gerade Immobilien sollen ja momentan so günstig zu haben sein, wie noch nie!

Man sollte es vielleicht wirklich einfach wie die Reichen machen, mal ein paar Millionen kurzer Hand anfassen und ab die Post! Wohnimmobilien in den großen deutschen Städten sind der Hit!

Aber auch Ackerland!

Man kennt ja noch den alten Werbeslogan: Ackerland in Junkerhand!

Oder wie ging der Spruch gleich?

Wobei – Junker kennen wir heutzutage sowieso kaum noch. Als Junker – erfährt man bei Wikipedia – wurden Rittergutsbesitzer in den ländlich geprägten Gebieten Ostelbiens bezeichnet, die meist (aber nicht unbedingt) zum preußischen Adel gehörten.

Prominente Vertreter des ostelbischen Landadels sind Otto von Bismarck, Elard von Oldenburg-Januschau, Paul von Hindenburg, Marion Gräfin Dönhoff und Veruschka Gräfin von Lehndorff.

Die sind aber lange tot.

Wer im einzelnen zur heutigen Kaste der Superreichen gehört, kann man übrigens im Internet relativ schnell herausgoogeln. Doch im gesellschaftlichen Leben spielen sie nur sehr selten eine gewisse Rolle. Vielleicht dass sie mal bei einer Schiffstaufe dabei sind und eine Flasche Sekt am Bug des Schiffes zertöppern, oder wenn die Queen aus England mal zu Besuch herüberkommt… aber sonst sind sie wie Kellerasseln oder Milben in alten Matratzen – man sieht sie nicht! Sie laufen nicht herum mit großem Gefolge wie die Könige früher, oder die Politiker heute. Ganz unscheinbar gehen sie womöglich in der Fußgängerpassage spazieren und kaufen sich ein Eis in der Waffel.

Im Gegensatz zu den Reichen der vorigen Jahrhunderte leben unsere aktuellen Reichen sehr unauffällig und bescheiden in ihren prunkarmen Villen. Keine protzigen Türme, keine Lustgärten oder Wasserkaskaden. Versailles, Schloss Sanssouci, Schloss Schönbrunn… – sowas gibt es heutzutage nicht mehr. Unsere Reichen sind ein friedliches Völkchen! Ihre goldnen Nasen glänzen nicht!

Die Engländer mit ihrer Queen und dem ganzen Prunk und Protz und dem Buckingham-Palast sind da eine große Ausnahme. Und England ist eben nicht Deutschland. Aber auch in China kommen die Reichen nicht auf die Idee, eine neue große Mauer zu bauen. Die Mauer gegen Mexiko, die die Amis bauen wollen, ist ein anderes Kapitel. Das wird nicht aus Prunksucht, sondern Machtprotzerei gebaut. Oder sollte Trunksucht im Spiel sein!

Aber bleiben wir bei unseren netten deutschen Reichen. Wobei – man darf sich allerdings nicht vorstellen, wenn die am Ende des Jahres feststellen müssten, dass ihr Kapital geschrumpft ist! Die würden bestimmt traurig sein und ihre Trauer an uns anderen auslassen. Wir als Geringvermögende stellen zwar die absolute Mehrheit des deutschen Volkes dar – nämlich ungefähr 90 Prozent! -, aber wir sind eben nicht das Maß der Dinge. Wir sind vor allem Steuerzahler! Wir halten mit unseren Steuern den Staat am Leben, der seinerseits dafür sorgt, dass er bei den 10 Prozent ganz ganz Reichen gut und gerne auf Steuern verzichten kann. So tut der Staat viel für den sozialen Frieden im Land. Er hält die Reichen einfach bei Laune!

Die würden nämlich zur Sau werden!

Ja, wenn die richtig Steuern zahlen müssten an den Staat, dann würden die sich fluchs einen anderen Staat suchen! Oder Kaufen!

Und dann stünden wir ohne unsere Reichen da! Arm und verlassen! Und wüssten nicht mehr, wofür wir eigentlich einen Mehrwert schaffen und das Bruttosozialprodukt steigern sollen.

Die Gewinne, die wir erwirtschaften, würden am Ende uns selber zu gute kommen. Oder denen, die noch ärmer sind als wir! Und das wäre dann doch wirklich nicht das, was man wollen kann! Das grenzt ja dann schon an Kommunismus! Und schon haben wir die Stasi im Genick!

Nein, ich bin immer wieder froh…

Eduard Sachsenmeyer

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