Sachsenmeyer: Risse im Team

Die Bundesliga hat wieder angefangen. Ein großes Aufatmen ist landauf- und landabwärts zu registrieren. Besonders bei den Medien, die nun endlich wieder genug Stoff haben, um berichten zu können; sowie bei den Fans, die am Wochenende – und manchmal sogar unter der Woche – wieder wissen, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen können.

Vorbei sind die langen Wochen der Langeweile!

Vorbei die Wochen, wo man seine Emotionen – negative oder positive – nicht stellvertretend an Fußballspielern oder Schiedsrichtern abreagieren konnte!

Nicht wenige Ehefrauen von fußballliebenden Männern können nun wieder befreit aufatmen, weil ihr Mann sie nicht mehr mit seinen Gefühlsausbrüchen belästigt. Die Zunahme der Beischlafhäufigkeit in Zeiten von längeren Pausen des Fußballspielbetriebes liegt nach Studien des Umweltbundesamtes für Bevölkerungswachstum bei zirka dreißig Prozent. Gäbe es die Pille nicht, käme es jedes Jahr im April – also jeweils neun Monate nach der Bundesligasommerpause – zu einem Babyboom, der den berühmten Babyboom aus DDR-Zeiten übertreffen würde.

Bei mir persönlich würde sich die Sommerpause zwar nicht so direkt auswirken, weil meine Gutste ja eh schon längst aus dem Alter heraus ist, wo sie an einem Babyboom teilnehmen könnte, aber mein Gemüt bewegt sich nun auch wieder in ruhigeren Gefilden. Ich habe meinen Ausgleich! Endlich wieder Fußball!

Der Transferzirkus… neue Trainer… Videobeweise… – jede Menge Stoff zum Diskutieren!

Und ich könnte wetten, dass dieses Jahr die Bayern nicht wieder deutscher Fußballmeister werden. Jawoll! Auch wenn die noch so viele Stars in ihren Reihen und auf der Erdsatzbank aufzuweisen haben! Die sind nämlich keine richtige Mannschaft!

Wobei, die meistens Mannschaften im Profifußball sind ja keine Mannschaften mehr. Mal ganz abgesehen vom Frauenfußball, wo man sowieso mehr von Frauschaften reden sollte.

Aber beim Männerfußball sind die Mannschaften nicht mehr das, was mal eine Mannschaft ausgezeichnet hat – Männer, die Freunde waren! Die um ein gemeinsames Ziel gegen andere Mannschaften kämpften!

Heute sind es Teams!

Also, früher zu DDR-Zeiten hätten wir “Kollektive” gesagt. Ein Unterschied ist aber in Wirklichkeit nicht vorhanden.  Ein Kollektiv oder ein Team war bzw. ist bekanntlich eine Zusammenballung von Kollegen und Kolleginnen, die das gleiche Ziel haben, nämlich mit möglichst wenig persönlichem Einsatz den größtmöglichen Gewinn aus der gemeinsamen Tätigkeit zu ziehen.

Dass sich einer für den anderen einsetzt, oder gar aufopfert, gehört eindeutig in die Kategorie “Mannschaft”! Manche sind nur noch reine Teams!

Und bei den reinen Teams scheint mir, stehen die Bayern ganz vorne. Die Fußballer bei den Teams erledigen ihren “Job”, wie sie auch oft genug selber betonen!

Und bei einem, der seinen Job erledigt, wird keiner darauf warten, dass der das mit Leidenschaft tut.

Wobei man aber vielleicht erwarten kann, dass auch Fußballer entsprechend dem Lohn, den sie erhalten, doch ein gewisses Maß an Leidenschaft entwickeln. Zumindest müssen sie es schaffen, den Anschein zu vermitteln. Die Fans dürfen nicht vor den Kopf gestoßen oder gar desillusioniert werden!

Das ist wie bei den Managern in den großen Konzernen. Die können beim besten Willen nicht das Hundertfache an Leidenschaft entwickeln, was dem Hundertfachen ihres Gehaltes gegenüber den Arbeitern und Angestellten entspricht, aber sie müssen den Eindruck vermitteln. Sie müssen es schaffen, dass die anderen – besonders die Mitglieder im Vorstand – glauben, sie würden sich förmlich zerreißen für den Konzern.

So ist das auch bei Fußballern in einem Team. Und da befürchte ich eben, dass das bei den Bayern am Ende zu einer echten Zerreißprobe ausartet. Nämlich dahingehend, dass jeder sich derart zu zerreißen versucht, dass der Nebenmann nicht mitgerissen, sondern umgerissen wird.

Ja, ich fürchte, der Teamgeist bei den Bayern könnte dazu führen, dass die Risse quer durch die Reihen des Teams verlaufen. Ein bisschen stärker als bei den andren.

Eduard Sachsenmeyer

Gewinnspiele
Facebook
Facebook By Weblizar Powered By Weblizar