Sachsenmeyer: Volk geht flöten

Den sogenannten Volksparteien würde langsam das Volk ausgehen, hört man gegenwärtig oft sagen. Gemeint sind dabei die CDU und die SPD. Denen ginge das wählende Volk flöten!

Das könnte stimmen. Die Teile  des Volkes, die immer zur CDU gehalten haben, waren die christlich orientierten Leute. Weil ja die CDU eine christlich demokratische Partei sein will. Und wenn nun immer weniger Leute christlich sind, dann wählen die eben alles Mögliche – vielleicht sogar die erklärt atheistischen Parteien.

Sind die Grünen eigentlich irgendwie religiös ausgerichtet? Glauben die an was? An einen Gott mit grünem Daumen vielleicht? Zumindest scheinen sie den Glauben an die Vernunft des Volkes und anderer Völker noch nicht völlig verloren zu haben!

Das wählende Volk der SPD war traditionell die Arbeiterschaft. Ungläubige! Höchstens passiv evangelisch!

Die SPD-Anhänger waren die friedliche Arbeiterschaft, die nicht revolutionäre Arbeiterschaft, die das System des Kapitalismus nicht stürzen wollende Arbeiterschaft. Die Umstürzler, das waren die Kommunisten!

Nein, die Sozialdemokraten wollten das System nur ein bisschen reformieren, damit sie weiterhin ihr gutes Auskommen haben. Und das hatten sie ja auch tatsächlich in den letzten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg. Sozialdemokraten standen in Lohn und Brot, und konnten im Urlaub nach Italien oder Mallorca reisen. Es gab die soziale Marktwirtschaft, die übrigens der CDU-Mann Ludwig Erhard erfunden hatte.

Reisen können die Sozialdemokraten auch jetzt noch, aber es gibt einfach nicht mehr soviel Arbeiter, die sich in Lohn und Brot befinden und sich der SPD verbunden fühlen. Die Arbeitsplätze sind nicht mehr lebenslänglich. Befristete Arbeitsplätze, Leiharbeit, Kurzarbeit… und was es noch alles gibt, lassen kein starkes Band mehr zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber entstehen. Wobei der deutsche Arbeitnehmer, auch wenn er nicht mehr der ist, der er mal war – fleißig, treu und handzahm -, nun nicht gleich radikal geworden ist, aber er ist renitent geworden. Er wählt nicht mehr nur die  für ihn vorgesehene SPD.

Übrigens ist auch die Zahl der echten, unmittelbar mit den Produktivkräften verbundenen Proletarier stark gesunken. Das ursprüngliche Proletariat verintellektualisiert langsam. Die Computer und Roboter übernehmen mehr und mehr die Macht.

Bei all dem Volk, was also nicht mehr den traditionellen Zusammenhalt zur Volkspartei besitzt, rutschen eben viele seitlich ab. Die mutigen ins grüne Lager. Die ängstlichen ins rechte Lager.

Und das ist nun ganz besonders stark bei den Ossis der Fall.

Der Grund dafür, dass besonders die Ossis nach rechts abrutschen, dürfte auch darin liegen, dass die Ossis nie diese Verbindung zu einer der Volkspartei hatten – weder zur CDU,  noch zur SPD!

SPD gab es vor der Wende für die Ossis nicht, und CDU war eben nicht wirklich vorhanden.

Es gab die SED, die eigentlich keiner richtig mochte – egal ob man Mitglied oder nur Wähler war. Die wenigsten Ossis waren aus tiefster Überzeugung Mitglieder oder Wähler. Es gab kein traditionelles Band, dass Volk und Partei zusammenhielt.

Die SED mit den Parteitagen voll Jubel und ewigen Erfolgsmeldungen war ein Gebilde, was keiner richtig begriff. Heute würde man den Begriff “Fake” verwenden!

Und nach der Wende ist es auch nicht besonders gut gelungen, das Vertrauen der Ossis in eine der vorhandenen neuen Parteien zu festigen. Aus schierer Verzweiflung oder einfach in Ermanglung des Vertrauens, haben die Ossis seit der Wende irgendwie unberechenbar gewählt. Erst stark links, jetzt stark rechts! Der Ossi hat sich in großen Teilen nach der Wende weniger als Teil des Deutschen Volkes gefühlt, eher als Kolonie.

Ja, der Ossi hat ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Er will keine weiteren Experimente erleben und mitmachen. Der Zusammenbruch des Tausendjährigen Reiches, der anschließende Sozialismus und die Wende sind einfach genug! Energiewende, Digitalisierung, Elektroautos, Migration… – soll man doch Ratten und Mäuse nehmen, wenn man experimentieren will!

Und dass da einer in der SPD solche Sachen wie “demokratischen Sozialismus” oder gar “Enteignungen” in den Mund nimmt… – will der uns am Ende unsere BMWs wegnehmen?!

Eduard Sachsenmeyer

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