Sächsische Kampagne „Behindern verhindern“: Die Sinne schärfen und Behinderte besser verstehen

Wie fühlt es sich an, eine Sehbehinderung zu haben? Der Chemnitzer Landtagsabgeordnete Horst Wehner und Petra Liebetrau, Behindertenbeauftragte der Stadt, machen den Test. Fotos: Cindy Haase

Chemnitz. Eine interaktive Wanderausstellung der sächsischen Kampagne „Behindern verhindern“ ist seit heute im Chemnitzer Stadtbad zu sehen. Sie bietet interessante Einblicke in das Erleben von Menschen mit Sinnesbehinderungen. Wie ertastet ein blinder Mensch Brailleschrift? Wie schwierig ist es, sich mit dem Blindenstock über unterschiedliche Bodenbelage hinweg zu bewegen? Wie können taubstumme Menschen kommunizieren?

Diese und viele weitere Fragen werden noch bis zum 24. Mai im Rahmen der Ausstellung beantwortet. Sie ist ein weiteres Produkt der Kamapgne mit dem Motto „Behindern verhindern – Zeit für barrierefreies Handeln“, die 2016 mit dem Sächsischen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und namhaften Botschaftern begonnen wurde.

Einer von ihnen ist Horst Wehner. Er ist Mitglied im Sächsischen Landtag und dessen zweiter Vizepräsident. Aufgrund einer Kinderlähmung sitzt er seit 2000 im Rollstuhl. „Es gibt schon viele Verbesserungen für Behinderte in den letzten Jahren“, erzählt er im Gespräch. Ein Idealzustand sei aber noch lange nicht erreicht. Gerade Kopfsteinpflaster oder unebene Gehwege stellten für Menschen mit Gehbehinderungen große Probleme dar.

Faszination Brailleschrift – auch das kann probiert werden.

In Chemnitz wird aus seiner Sicht aber sehr viel getan. Dafür setzt sich unter anderem die Behindertenbeauftragte der Stadt, Petra Liebetrau, ein. „Barrierefreiheit ist unsere Forderung“, sagt sie. „Uns ist mit der Ausstellung vor allem daran gelegen, die Sinne zu schärfen und den Menschen einen Einblick darin zu geben, was es heißt, behindert zu sein.“

Während die Kampagne auf Probleme aufmerksam macht und Einblicke vermittelt, wünschen sich viele Behinderte vor allem das, was auch Wehner formuliert: „Ich möchte für das, was ich sage und tue wahrgenommen werden und nicht wegen meiner Behinderung.“ Allerdings helfe es, für die Belange von Behinderten einzutreten, wenn man selbst betroffen ist. „Das erzeugt eine gewisse Authentizität.“

Allein in Chemnitz leben 30.790 Menschen (Stand 31.12.17) mit Behinderungen. Darunter zählen so offensichtliche Handicaps wie Einschränkungen im Bewegungsapparat und Sehbehinderungen, aber auch für Außenstehende nicht sofort wahrnehmbare psychische Störungen oder Erkrankungen der inneren Organe.

Mit dem Blindenstock über verschiedene Bodenbeläge geht es an diesem Ausstellungspunkt.

Ein Info-Terminal mit Touch-Display bietet viele Informationen.

Jobs in Deiner Region