Schmutzige Arbeitsverträge?

Die IG Bau kämpft derzeit für bessere Konditionen in der Reinigungsbranche.
Foto: IG Bau

Erzgebirge. Seit April letzten Jahres kämpft die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG Bau um bessere Konditionen für Arbeitnehmer in der Reinigungsbranche, unter anderem für 1.480 Beschäftigte im Erzgebirgskreis. Die nächsten Tarifverhandlungen mit Arbeitgebern am 15. August stehen unmittelbar bevor. Eine heiße Angelegenheit, speziell vor dem Hintergrund, dass der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks bereits per 31. Juli den Rahmentarifvertrag für die Branche gekündigt hat, was laut der Gewerkschaft für die Saubermänner und -frauen schwere Folgen mit sich bringt, da die Standards jetzt aktuell runter geschraubt würden.

Andreas Herrmann von der IG BAU Südwestsachsen empört: „Aktuell legen viele Chefs ihren Mitarbeitern neue Arbeitsverträge zu deutlich schlechteren Konditionen vor. Die sollte keiner unterschreiben.“ Der Gewerkschafter kritisiert, dass Beschäftigte anstelle der bisher 28 oder 30 Urlaubstage jetzt plötzlich das gesetzliche Minimum von 20 Tagen hinnehmen sollen und Zuschläge für Überstunden oder besondere Aufgaben in den neuen Arbeitsverträgen eingekürzt oder gar komplett gestrichen würden. In einigen Firmen sollen Beschäftigte mit bislang festen Arbeitszeiten künftig sogar nur noch auf Abruf arbeiten. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen“, so der Hermann.

Gerade Frauen seien von den Kürzungen betroffen. Eine Reinigungskraft, die Vollzeit rund 1.300 Euro netto verdiene, habe schon jetzt große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Hinzu kommt: Ein Großteil der Beschäftigten hat nur einen Teilzeit- oder Minijob. Da wird es am Monatsende richtig eng.“

Den Reinigungsfirmen rät die Gewerkschaft, “sich in ihrem Arbeitgeberverband für die Rückkehr zu den tariflichen Standards einzusetzen. Davon profitiere am Ende die Branche selbst.” Denn bleibe es bei der aktuellen Praxis, dann dürften sich nach Einschätzung der IG BAU viele Beschäftigte nun für einen Arbeitgeber entscheiden, der sich an die bisherigen, attraktiveren Bedingungen halte. Das wiederum werde “auch den Wettbewerb zwischen ‘sauber arbeitenden’ Firmen und ‘Schmutzkonkurrenten’ verschärfen”.

„Aber auch die öffentliche Hand ist gefordert“, erklärt Andreas Herrmann. „Städte und Kommunen können die Regeln festlegen, nach denen Schulen, Rathäuser und Ämter gereinigt werden. Klar ist: Zu sauberen Gebäuden gehören auch saubere Arbeitsbedingungen.“

Die IG Bau abschließend: Sollte die Tarifrunde am 15. August erneut keinen Durchbruch bringen, müssen Firmen und Kunden mit Arbeitsniederlegungen auch im Erzgebirgskreis rechnen.

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