Schöner shoppen ohne Chemie?

Plastikbeute sind gerade auf dem Markt ein treuer Begleiter. Diese sollen in den kommenden Jahren verschwinden. Foto: cocoparisienne/pixabay.de

Plastikbeute sind gerade auf dem Markt ein treuer Begleiter. Diese sollen in den kommenden Jahren verschwinden. Foto: cocoparisienne/pixabay.de

Chemnitz. Sie sorgten Ende Oktober für Aufsehen auf dem Chemnitzer Wochenmarkt: die Papier-Einkaufstüten der Fleischerei Nagy aus Dittersdorf.

Zur Premiere kostenlos anstelle der vorher üblichen Plastikbeutel ausgegeben, sollten die kleinen Tragetaschen fortan gegen Gebühr erhältlich sein – oder aber die Kunden packten ihre Einkäufe in mitgebrachte Behältnisse.

„Wir haben einen ersten Schritt getan, damit die Bevölkerung bewusster mit dem Thema Abfallvermeidung bzw. Umweltschutz insgesamt umgeht. Wir haben viel positives Feedback erhalten. Andere Kunden glauben aber auch, dass der Einzelne nichts tun könne“, sagt Fleischermeister Andras Nagy.

Er hat schon die Umsetzung einer EU-Verordnung im Blick, die in den nächsten Jahren den Verbrauch des Wegwerfprodukts Plastiktüte eindämmen soll.

Für den Einzelhandel geht damit eine Kostensteigerung für das Verpackungsmittel einher, das scheinbar nur einen Hauch von Kunststoff ausmacht, aber eben ein ungeheures Massenprodukt ist.

Die ziemlich stabile Papiertüte aus Recyclingmaterial betrachtet Nagy als Alternative, „die zu uns passt“. Die Fleischerei habe auch von Folie zum Einpacken einzelner Wurst-Posten auf Pergamentpapier umgestellt.

Die Papiertüte sei aber in der Beschaffung erheblich teurer, auch deshalb hält er je nach Größe 25 bzw. 50 Cent Gebühr für gerechtfertigt.

„Am besten“, so der Fleischermeister, „die Leute bringen ihre Einkaufsbeutel von zuhause mit, egal ob aus Plaste, Papier oder Stoff. Warum soll man Altbewährtes nicht wieder aufleben lassen?“

Während des Weihnachtsmarktes, wo die Landfleischerei traditionell vertreten war, hielt sich Nagy dieses Jahr noch mit den Papiertüten zurück, auch um die Restbestände seiner Plastikbeutel aufzubrauchen.

Nächstes Jahr könnte das für nahezu alle Markthändler anderes aussehen. Die Stadtratsfraktion der Grünen hatte bereits im Mai einen Vorstoß zur Änderung der Marktsatzung unternommen. Am vergangenen Mittwoch nun bestätigten die Räte mehrheitlich einen Beschlussantrag.

Demnach sollen Händler auf dem Weihnachts-, Frühlings- und Ostermarkt sowie bei der Herbst- und Erntewoche zunächst freiwillig auf Plastiktüten verzichten. Adäquate Regelungen sollen für städtische Feste getroffen werden.

Wenn nach zwei Jahren kein Erfolg sichtbar ist, soll in die Markt- und die Grünanlagensatzung ein generelles Plastiktütenverbot aufgenommen werden. Bei nichtstädtischen Veranstaltungen ist ein solches laut Verwaltung nicht möglich.

Auch Ausnahmen für die Erstverpackung von Lebensmitteln sowie für Pflanzen, Grabschmuck  u. ä. seien notwendig.
Einige große Handelsketten wie dm, Saturn oder Pfennigpfeifer haben ebenfalls die kostenlosen Beutel aus ihren Geschäften verbannt.

Wie schnell in Chemnitz flächendeckend Papier statt Plastik das Shoppingerlebnis abrundet, bleibt abzuwarten.

Papiertüten könnten bald zu einem gewohnten Bild auf dem Chemnitzer Wochenmarkt werden. Foto: Susanne Schmich/pixelio.de

Papiertüten könnten bald zu einem gewohnten Bild auf dem Chemnitzer Wochenmarkt werden. Foto: Susanne Schmich/pixelio.de

In der Galeria Kaufhof als größtem Cityhändler erhält man meist ungefragt in jeder Abteilung eine Extra-Tüte.

Der Konzern unterstütze grundsätzlich die Initiative des Handelsverbandes zur Umsetzung der EU-Verordnung in Deutschland, aber konkrete Maßnahmen gäbe es noch nicht, sagt der Chemnitzer Galeria-Geschäftsführer Karl Doersch.

Für die Einführung von Mehrwegverpackungen müssten Handel und Verbraucher sensibilisiert werden. Wie er hinzufügt, seien die Plastiktüten –übrigens aus Recyclingmaterial – ein Werbeträger und ein wichtiges Service-Element, damit Kunden ihre Einkäufe sicher und trocken nach Hause tragen können.

Im Lebensmittelbereich sei die ungefragte Ausgabe an den Kassen bereits eingestellt worden. Doersch ist zudem Vorsitzender der Interessengemeinschaft Innenstadt.

Für die Umsetzung etwa der Idee einer gemeinsamen Papier- oder Stofftüte als Werbung für die Chemnitzer City sieht er keine Handlungsmöglichkeit. Dazu seien die Mitglieder der Gemeinschaft zu verschieden und zum Teil an Unternehmensvorgaben gebunden.

Bei jeden Einkauf eine Tüte, da sammelt sich schnell ein Berg an. Damit soll Schluss sein. Foto:bit

Bei jeden Einkauf eine Tüte, da sammelt sich schnell ein Berg an. Damit soll Schluss sein. Foto:bit

Hintergrund
In Deutschland werden jährlich mehr als fünf Milliarden Plastiktüten in Verkehr gebracht. Dafür werden mehr als 100.000 Tonnen Kunststoff benötigt. Um den Verbrauch einzudämmen, könnten Plastiktüten in Supermärkten und Kaufhäusern ab April 2016 mindestens 20 Cent pro Stück kosten.

Das sieht ein Gesetzesentwurf des Handelsverbands vor, der beim Bundesumweltministerium eingereicht wurde. Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass der Verbrauch bis 2019 auf etwa 90 Tüten und bis 2025 auf 40 Tüten pro Person und Jahr reduziert wird. Bis November 2016 soll die Richtlinie in nationales Recht übertragen werden. Von der Regelung ausgenommen wären dünne Plastikbeutel für Obst und Gemüse.

Gisela Bauer

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