Schotten dicht „dank“ Corona: So arbeiten jetzt die Verwaltungen

In der Stadtbibliothek wurde richtig aufgeräumt und repariert. Mitarbeiterin Sarah Pagel: „So aufgreräumt war es in der Kinderbibliothek schon lange nicht mehr.“ Foto: Alice Jagals

Landkreis. Die Rathäuser sind für den gängigen Besucherverkehr geschlossen. Vieles läuft per Telefon und E-Mail ab. Laut einer Umfrage des Magazins Kommunal unter 2300 Bürgermeistern zum Thema Corona und die Folgen gaben vier von fünf Kommunen an, kurzfristig Home-Office Arbeitsplätze ermöglichst zu haben. Mit den Ausgangsbeschränkungen, die zwar mit Beginn dieser Woche gelockert wurden, waren vor allem die Ordnungsämter unter verstärktem Druck. WochenENDspiegel hat sich vereinzelt in den Verwaltungen im Landkreis umgehört und wollte wissen, wie stark Corona „den jeweiligen Laden“ umgekrempelt hat.

Bereits zu Beginn der Einschränkungen, waren im Zwickauer Rathaus einige Mitarbeiter in Quarantäne. Einige wenige von ihnen arbeiteten direkt im Homeoffice. „Wobei wir das an sich eher nicht anbieten, da die Mitnahme von Akten nicht möglich ist. Außerdem gibt es eine Reihe von Tätigkeiten, wo ja Homeoffice nicht in Betracht kommt. Das bezieht sich unter anderem auf die Feuerwehr oder den Bauhof. Ansonsten besteht die Möglichkeit, Urlaub oder Zeitausgleich zu nehmen“, sagt Rathaushaussprecher Mathias Merz. Bei der Landkreisverwaltung gewährt man immerhin 200 Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause.

Besprechungen im Zwickauer Rathaus wurden auf das unbedingt erforderliche Mindestmaß reduziert. Die drei obersten Köpfe Oberbürgermeisterin Pia Findeiß, Finanzbürgermeister Bernd Meyer und Baubürgermeisterin Kathrin Köhler nutzen E-Mail, Telefon und in Einzelfällen Telefonkonferenzen.

Pia Findeiß selbst gibt telefonische Einwohnerfragestunden, die donnerstags stattfinden. Kirchbergs Bürgermeisterin Dorothee Obst ist da ihren Bürgern etwas näher. Amtsangelegenheiten kommuniziert sie überwiegend über Telefon und Email. Bürgeranfragen beantwortet Sie zudem rund um die Uhr über Whatsapp, Facebook und Instagram. Auch Werdaus Oberbürgermeister Sören Kristensen ist auf den sozialen Netzwerken unterwegs. Außerdem hat er wöchentlich ein Ohr für seine Werdauer – in diesen Zeiten am Telefon.

Kultureinrichtungen holen einiges nach
Anders sieht es hingegen in den Kultureinrichtungen aus. Hier wird die Ruhe vor dem hoffentlich wieder kommenden Besucherstrom intensiver als sonst genutzt. In den Museen wird etwa an der Vorbereitung der nächsten Ausstellungen gearbeitet. „Dazu sind Kosten- und Finanzierungspläne zu erstellen, (Telefon-)Gespräche mit Fördermittelgebern zu führen und natürlich die wissenschaftliche und Recherchetätigkeit voranzutreiben“, sagt Rathaussprecher Mathias Merz. In der Ratsschulbibliothek laufen verstärkt Revisions- und Bestandsaufnahmen. Die Einarbeitung neuer Literatur wird auf den aktuellen Stand gebracht. Aus wissenschaftlicher Sicht wird an einem Beitrag zum 150-jährigen Jubiläum des Theaters Altenburg gearbeitet, zu dessen Geschichte die Bestände der Bibliothek hinsichtlich Georg Göhlers herangezogen werden. In der Stadtbibliothek können notwendige kleinere Restaurierungen vorgenommen werden, besonders am Buchbestand, bei dem sich durch fehlende Kapazitäten im Tagesgeschäft ein größerer Bedarf zusammengestaut hatte.

Das Stadtarchiv kann sich jetzt stärker den Erschließungsarbeiten im historischen und im Bauaktenteil widmen. Dies sei eine tatsächliche Chance und gewissermaßen ein „positiver Nebeneffekt“ der Krisensituation. Im Robert-Schumann-Haus stehen ebenfalls Aufräum- und Reinigungsarbeiten an. Wissenschaftlich wird ein Arbeit am Band zu Robert Schumanns Liederspielen forciert, der als Teil der Gesamtausgabe noch in diesem Jahr erscheinen soll. Ebenso wird am Briefwechsel zwischen Johannes Brahms und Clara Schumann weiter und im Moment intensiver geforscht.

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