Schüler nerven Alexander Krauß (CDU)

Klartext, Herr Krauß

Region. Der Bundestagswahlkampf tobt. Auf allen Kanälen vertreten die Kandidaten ihre Positionen. Auch der WochenENDspiegel will wissen, wie die Politiker aus Südwestsachsen ticken. Allerdings haben wir uns kompetente Hilfe geholt! Redakteur*Innen von Schülerzeitungen aus Südwestsachsen sind DIE NERVENSÄGEN – und gehen den Kandidaten auf den Geist!
Zehn Fragen wurden mit der Redaktion des WochenENDspiegel ausgearbeitet, an die Parteien geschickt. Fragen die teilweise unbequem, provozierend, frech – ja, vielleicht sogar dreist sind. Wir sind der Meinung: Jugendliche dürfen das, müssen sich nicht an „Political Correctness“ halten. Die Reaktion? Einige Politiker fanden die Fragen wenig sachlich, unterstellend, inkorrekt. Unsere Antwort: Gut so! Ziel erreicht!
Allerdings haben wir uns entschlossen, die Namen der Redakteur*Innen vorerst nicht zu veröffentlichen, um die Jugendlichen nicht einem Shitstorm auszusetzen, der möglicherweise von einigen Anhängern losgetreten wird. Für alle, die sich beklagen möchten meine E-Mail:

Heute antwortet Alexander Krauß, Bundestagsabgeordneter und -kandidat im Wahlkreis 164 (Erzgebirge).

Welche Projekte möchten Sie in Ihrem Wahlkreis unbedingt umsetzen, was tun Sie konkret für unsere Zukunft oder halten Sie nur wohlklingende Reden?

Ich möchte zum Beispiel, dass wir schneller schnelles Internet bekommen. In den vergangenen vier Jahren haben wir allein bei uns im Landkreis 147 Mio. Euro investiert, um weiße Flecken zu beseitigen. Das müssen wir fortsetzen. In den vergangenen vier Jahren war ich für die Bürger da – zu Bürgersprechstunden und jedes Jahr auf den Marktplätzen, also nicht nur vor Wahlen. Das soll so bleiben! Ich möchte die Anliegen der Erzgebirger mit nach Berlin nehmen.

Weshalb ist die Politik für viele Schüler völlig uninteressant?

Ich habe mich als Schüler politisch engagiert, weil ich die Zukunft meiner Generation mitgestalten wollte. Nachhaltig leben heißt für mich nicht nur die Bewahrung der Schöpfung, sondern auch keine riesigen Schuldenberge für die kommenden Generationen aufzubauen. Gibt es das Desinteresse bei einigen vielleicht auch deswegen, weil es uns mittlerweile zu gut geht? Ein Schulabgänger muss sich heutzutage nicht mehr bei einem Unternehmen bewerben. Weil es deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber gibt, bewerben sich mittlerweile die Betriebe bei den Schulabgängern. Das war einmal anders. Diese gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre ist aber nicht selbstverständlich!

Unsere Rüstungsindustrie spielt in der Champions League, die Bildung in der Kreisklasse. Warum haben Sie das zugelassen?

Als Sachsen spielen wir bildungspolitisch in der Spitzengruppe. Das hat der Pisa-Test gezeigt. Ich setze mich für ein Bildungssystem ein, bei welchem jeder die Chance bekommt, etwas aus seinem Leben zu machen. Und was auch Leistung einfordert. Wer etwas aus seinem Leben machen möchte, der muss sich anstrengen, der muss lernen. Allein mit einer großen Klappe kann man weder als Eisenbahner noch als Krankenschwester oder Bundestagsabgeordneter arbeiten.

Bekommen Politiker zu wenig Geld? In der Wirtschaft kann das ein Vielfaches verdient werden, was auch den Schluss zulässt, das die wirklich schlauen Köpfe des Landes dort zu finden sind…

Nein, Politiker werden anständig bezahlt. Natürlich wird in Teilen der Wirtschaft besser bezahlt. Ich bin aber nicht aus Gründen der Bezahlung in die Politik gegangen, sondern weil ich etwas für das Erzgebirge bewegen will. Schlaue Köpfe treffe ich nicht nur in der Managementetage der Wirtschaft. Ich kenne eine Menge cleverer Handwerker, umsichtiger Arzthelferinnen und kluger Lehrer.

Als Abgeordneter sind Sie nur Ihrem Gewissen verpflichtet. Folgen Sie Ihrer Partei auch dann, wenn Sie anderer Meinung sind?

Bei Gewissensentscheidung folge ich meinem Gewissen, zum Beispiel wenn es um die Sterbehilfe geht. Die allermeisten Entscheidungen sind aber keine Gewissensentscheidungen. Auch innerhalb einer Partei gibt es verschiedene Ansichten. Ich kämpfe für meine Überzeugungen, akzeptiere aber auch die Meinung meiner Kollegen.

Alexander Krauß, Bundestagsabgeordneter und -kandidat im Wahlkreis 164 (Erzgebirge). Foto: CDU

Die CDU verspricht unter „#1 Wachstum für Jobs und Wohlstand“ Unternehmen von Bürokratie und Fesseln zu befreien. Ist das Ihr Ernst? Unter der jahrzehntelangen Regierungsverantwortung der CDU ist die Bürokratie doch erst richtig ausgeufert.

Bürokratie ist meist gut gemeint – beim Straßenbau wurde zum Beispiel versucht, dass jeder seine Meinung mit einbringen darf – bis hin zu jedem Frosch und Molch. Das kann aber nicht so weitergehen! Deswegen müssen die Regelungen reduziert werden. Wir müssen schneller dazu kommen, dass Straßen, Schienen und Radwege gebaut werden.

Unsere Eltern und Großeltern kennen den Spruch: Tröpfchen machen Wasser. Warum finanzieren Sie – die Regierungsmacht hätten Sie ja – nicht für jedes Haus eine Fotovoltaik-Anlage? Das wäre ökologisch und eine tatsächliche Entlastung für jeden einzelnen Bürger. Sie aber träumen von einer Trasse, die Strom von der Nordsee in die Alpen bringen soll, was bau- und genehmigungstechnisch ein Jahrhundertprojekt wäre.

Eine Stromtrasse ist für mich kein Jahrhundertprojekt. Wenn wir nicht jeden Frosch fragen, dann geht es mit den Genehmigungen auch schneller. Für den Bau von Photovoltaik-Anlagen gibt es eine Förderung. Allein im vergangenen Jahr gingen 634 neue Anlagen im Erzgebirgskreis in Betrieb. Stromtrassen brauchen wir dennoch: denn die Sonne scheint maximal tagsüber und nicht in der Nacht.

Beim Thema Bildung liest man, sie möchten den Aufstieg durch Bildung für alle möglich machen. Das impliziert, dass das heute nicht so ist. Was haben Sie in den letzten Jahren falsch gemacht?

Bildung ist der Schlüssel für ein gelingendes Leben. Bei uns im Land ist das Studium kostenlos – in vielen anderen Ländern auf der Welt nicht. Kinder von Hartz-IV-Empfängern bekommen ein Schulstarter-Paket von 154,50 Euro. Bildung hängt bei uns nicht vom Geldbeutel ab. Und dennoch gibt es Kinder, die keinen Schulabschluss machen. Damit können und dürfen wir uns nicht abfinden!

Warum schaffen Sie es nicht, ein Einwanderungsgesetz nach dem Vorbild von Kanada zu erlassen und konsequent umzusetzen? Das Argument „aufgrund unserer Vergangenheit“ ist für die Jugend von heute nicht stichhaltig.

Wir haben ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Wir können in Deutschland nicht jeden aufnehmen, der gern zu uns kommen möchte. Aber wir nehmen gern ausländische Ärzte, Krankenschwestern oder Ingenieure auf, ohne die unser Land nicht mehr auskommt.

#ALLES: Prinzipiell könnte man bei jedem Versprechen in Ihrem Wahlprogramm fragen: „Warum erst jetzt und nicht schon vor Jahrzehnten“! Geben Sie zu, dass die CDU in sehr vielen Bereichen notwendige Modernisierung einfach verpennt hat?

Die Politik wird immer vor neue Herausforderungen gestellt. Ganz aktuell durch eine Pandemie, die niemand vorhergesehen hatte. Ich teile nicht die Vorstellung, dass die Politik ein Paradies auf Erden schafft und dann nichts mehr zu tun ist. Ich möchte das Leben der Menschen etwas besser machen. All jene, die in Deutschland mit ihren Ideologien das Paradies auf Erden versprachen, haben die Hölle geschaffen oder sind gescheitert. Alles in allem: Uns und unserem Land geht es gut. Damit das so bleibt, sollten wir bestrebt sein, noch besser zu werden.

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