Schüler nerven Carsten Körber (CDU)

Carsten Körber, Direktkandidat der CDU im Wahlkreis 165 (Zwickau) und Landeslistenplatz 5. Foto: CDU

Klartext, Herr Körber

Region. Der Bundestagswahlkampf tobt. Auf allen Kanälen vertreten die Kandidaten ihre Positionen. Auch der WochenENDspiegel will wissen, wie die Politiker aus Südwestsachsen ticken. Allerdings haben wir uns kompetente Hilfe geholt! Redakteur*Innen von Schülerzeitungen aus Südwestsachsen sind DIE NERVENSÄGEN – und gehen den Kandidaten auf den Geist!
Zehn Fragen wurden mit der Redaktion des WochenENDspiegel ausgearbeitet, an die Parteien geschickt. Fragen die teilweise unbequem, provozierend, frech – ja, vielleicht sogar dreist sind. Wir sind der Meinung: Jugendliche dürfen das, müssen sich nicht an „Political Correctness“ halten. Die Reaktion? Einige Politiker fanden die Fragen wenig sachlich, unterstellend, inkorrekt. Unsere Antwort: Gut so! Ziel erreicht!
Allerdings haben wir uns entschlossen, die Namen der Redakteur*Innen vorerst nicht zu veröffentlichen, um die Jugendlichen nicht einem Shitstorm auszusetzen, der möglicherweise von einigen Anhängern losgetreten wird. Für alle, die sich beklagen möchten, hier meine E-Mail:

Hier antwortet Carsten Körber, Direktkandidat der CDU im Wahlkreis 165 (Zwickau) und Landeslistenplatz 5.

Welche Projekte möchten Sie in Ihrem Wahlkreis unbedingt umsetzen, was tun Sie konkret für unsere Zukunft oder halten Sie nur wohlklingende Reden?

Die Bilanz eines Unternehmens lässt sich klar in Zahlen ausdrücken. Die Arbeit eines Abgeordneten ist eher abstrakt. Mein Wahlkreis ist Heimat, meine und die von 280.000 Wählerinnen und Wählern. Ich will, dass unsere Heimat für uns alle lebenswert bleibt. Heute und morgen. Dafür brauchen wir gute Kitas und Schulen, Pflegekräfte, Ärzte und Kliniken, einen gut ausgebauten ÖPNV, zukunftssichere Arbeitsplätze und eine gesunde Umwelt. Dabei helfen uns neue Technologien, grüne Energie und nachhaltige Mobilität, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, visionäre Startups, neue Formen der Ökonomie und ein schlanker, weniger bürokratischer Staat. Dafür kämpfe ich in Zwickau, Berlin und Dresden.

Weshalb ist die Politik für viele Schüler völlig uninteressant?

Ich habe nicht den Eindruck, dass Politik für Kinder und Jugendliche uninteressant ist. Wenn keine Pandemie ist, gehe ich sehr regelmäßig in Schulen, ich habe viele Schülergruppen im Bundestag zu Gast und diskutiere jetzt im Wahlkampf viel mit jungen Menschen. Ja, Politik ist manchmal sperrig, wirkt undurchsichtig und kompliziert. Aber das schreckt junge Menschen nicht. Es klingt abgedroschen, aber Politik ist keine Einbahnstraße. Jeder kann mitmachen und sich einbringen, sich engagieren. In Parteien, in NGOs, Vereinen und Bürgerinitiativen. Politik lebt vom Mitmachen! Und die Jugend macht mit. Das beweisen allein schon diese Fragen der NERVENSÄGEN. Gut so!

Unsere Rüstungsindustrie spielt in der Champions League, die Bildung in der Kreisklasse. Warum haben Sie das zugelassen?

Sicherheit und Bildung lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. Bildung ist Ländersache. Wer an Pisa denkt, weiß, in Sachen Bildung gibt es einiges zu tun. Aber Sachsen spielt nicht in der Kreisklasse. Wir stehen hier bundesweit seit 30 Jahren immer auf den ersten Plätzen. Wenn ich kann, z.B. im Bundestags-Haushaltsausschuss, helfe ich gern, dass das so bleibt. Bei Rüstungsexporten sind unsere Regelungen die schärfsten der Welt. Wir gucken sehr genau, wer Waffenlieferungen von uns bekommt. Das unterscheidet uns von Staaten wie Russland oder China. Und wer in Frieden und Freiheit leben will, muss sich verteidigen können. Dazu gehört auch eine heimische Rüstungsindustrie. Das ist leider so.

Bekommen Politiker zu wenig Geld? In der Wirtschaft kann das Vielfaches verdient werden, was auch den Schluss zulässt, das die wirklich schlauen Köpfe des Landes dort zu finden sind…

Keine Frage, Bundestagsabgeordnete und andere Politiker verdienen sehr gutes Geld. Das halte ich bei einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 50-60 Stunden aber auch für legitim. Natürlich kann man in der Wirtschaft mehr verdienen. Aber wer nur wegen des Geldes in die Politik geht, ist dort falsch. Um eine gute Politikerin, ein guter Politiker zu sein, braucht es auch eine gehörige Portion Herzblut und Engagement, Begeisterung für Land und Leute und Freude im Umgang mit Menschen. Kurz und kitschig ausgedrückt: Wenn ich mein Land nicht liebe, wenn es mir nur um die Kohle geht, habe ich in der Politik nichts verloren.

Als Abgeordneter sind Sie nur Ihrem Gewissen verpflichtet. Folgen Sie Ihrer Partei auch dann, wenn Sie anderer Meinung sind?

Politik lebt von Kompromissen. Wenn jeder immer bis ins Letzte auf seinem Standpunkt beharren würde, kämen wir nicht voran. Wie jeder MdB muss auch ich Kompromisse eingehen. Das kann dann schon bedeuten, dass ich Entscheidungen mittrage, bei denen ich auch mal eine etwas andere Meinung habe, etwa bei der Frage, ob wir lieber diese oder jene Eisenbahnverbindung modernisieren wollen. Es gibt aber ganz klar Gewissensentscheidungen, die ich mit mir ganz persönlich ausmache und nicht mit meiner Partei oder Fraktion, etwa bei Themen wie Organspende oder Sterbehilfe.

Die CDU verspricht unter „#1 Wachstum für Jobs und Wohlstand“ Unternehmen von Bürokratie und Fesseln zu befreien. Ist das Ihr Ernst? Unter der jahrzehntelangen Regierungsverantwortung der CDU ist die Bürokratie doch erst richtig ausgeufert.

Die ausufernde Bürokratie ist in der Tat ein drängendes Problem. Wir brauchen einen schlanken, effizienten Staat, um all das zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Siehe Frage 1. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir im besten Deutschland leben, dass es jemals gegeben hat. Die Bundesrepublik und die Wiedervereinigung sind großartige Erfolgsgeschichten. Das darf man sich ab und an gerne in Erinnerung rufen. Unser Land ist für Milliarden Menschen auf der Welt Vorbild. Das kann kein Zufall sein. Das heißt aber auch nicht, dass es nicht immer noch viel Dinge gibt, die wir weiter verbessern können. So ist eines der entscheidenden Ziele unserer Politik die Klimaneutralität bis 2045.

Unsere Eltern und Großeltern kennen den Spruch: Tröpfchen machen Wasser. Warum finanzieren Sie – die Regierungsmacht hätten Sie ja – nicht für jedes Haus eine Fotovoltaik-Anlage? Das wäre ökologisch und eine tatsächliche Entlastung für jeden einzelnen Bürger. Sie aber träumen von einer Trasse, die Strom von der Nordsee in die Alpen bringen soll, was bau- und genehmigungstechnisch ein Jahrhundertprojekt wäre.

Es klingt so einfach. Wir setzen jedem eine PV-Anlage aufs Dach. Fertig. Klimakrise gelöst. Ich habe aber gelernt, dass es keine einfachen Antworten auf komplizierte Fragen gibt. Bei uns leben 82 Mio. Menschen, es gibt 3,3 Mio. Unternehmen und 19,5 Mio. Wohngebäude. Das erfordert eine Energieversorgung, bei der man sich nicht auf eine Technologie allein verlassen kann. Zudem ist Photovoltaik nicht grundlastfähig, weil nicht immer die Sonne scheint. Das bedeutet für mich, dass wir hier einen Technologiemix brauchen, mit dem man auf alle Eventualitäten reagieren kann. Dazu gehören, mit allen damit einhergehenden Schwierigkeiten, auch die Windparks in Nord- und Ostsee.

Beim Thema Bildung liest man, sie möchten den Aufstieg durch Bildung für alle möglich machen. Das impliziert, dass das heute nicht so ist. Was haben Sie in den letzten Jahren falsch gemacht?

Der Zugang zur Schulbildung ist in Deutschland kostenlos. Aber für den Bildungserfolg der Kinder braucht es letztlich die Eltern, sie müssen ihre Kinder unterstützen. Was die Eltern nicht leisten, können auch die besten Schulen und die engagiertesten Lehrerinnen und Lehrer nur schwer ausgleichen. Hier wirken sich soziale Unterschiede also besonders aus. Damit jedes Kind seine Chancen nutzen kann, wollen wir als Union die Schulen vor allem in sozial schwierigen Gegenden noch besser fördern.

Warum schaffen Sie es nicht, ein Einwanderungsgesetz nach dem Vorbild von Kanada zu erlassen und konsequent umzusetzen? Das Argument „aufgrund unserer Vergangenheit“ ist für die Jugend von heute nicht stichhaltig.

In Zukunft brauchen wir pro Jahr 400.000 Zuwanderer als Arbeitnehmer für unsere Volkswirtschaft. Das ergibt sich aus der demographischen Entwicklung. Vor zwei Jahren haben wir im Bundestag deshalb ein modernes Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen, das sowohl die Bedürfnisse potentieller Zuwanderer sowie die unserer Unternehmen genau regelt. Wenn sich künftig erweist, dass dieses Gesetz optimiert oder angepasst werden muss, werden wir entsprechend nachjustieren.

#ALLES: Prinzipiell könnte man bei jedem Versprechen in Ihrem Wahlprogramm fragen: „Warum erst jetzt und nicht schon vor Jahrzehnten“! Geben Sie zu, dass die CDU in sehr vielen Bereichen notwendige Modernisierung einfach verpennt hat?

Allen jugendlichen Eifer in Ehren, gefällt mir diese Formulierung nicht. Wir haben nichts „verpennt“. Unser Land steht insgesamt so gut da, wie nie zuvor in unserer Geschichte. Und ja, es ist immer Luft nach oben. Und jedem von uns fällt irgendetwas ein, was man hätte besser machen können. Oder schneller. Oder nachhaltiger. Oder kostengünstiger. Das gehört zum Wesen menschlichen Handelns. Und wer meint, dass er es besser machen kann, ist in unserem politischen System herzlich eingeladen, es zu versuchen. Ich freue mich über jeden jungen Menschen, der sich engagiert und einbringt. Davon können wir nicht genug haben.

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