Schüler nerven Johannes Höfer (DIE LINKE)

Johannes Höfer, Direktkandidat DIE LINKE im Wahlkreis 166 (Vogtland) sowie Landeslistenplatz 10. Foto: DIE LINKE

Klartext, Herr Höfer

Region. Der Bundestagswahlkampf tobt. Auf allen Kanälen vertreten die Kandidaten ihre Positionen. Auch der WochenENDspiegel will wissen, wie die Politiker aus Südwestsachsen ticken. Allerdings haben wir uns kompetente Hilfe geholt! Redakteur*Innen von Schülerzeitungen aus Südwestsachsen sind DIE NERVENSÄGEN – und gehen den Kandidaten auf den Geist!
Zehn Fragen wurden mit der Redaktion des WochenENDspiegel ausgearbeitet, an die Parteien geschickt. Fragen die teilweise unbequem, provozierend, frech – ja, vielleicht sogar dreist sind. Wir sind der Meinung: Jugendliche dürfen das, müssen sich nicht an „Political Correctness“ halten. Die Reaktion? Einige Politiker fanden die Fragen wenig sachlich, unterstellend, inkorrekt. Unsere Antwort: Gut so! Ziel erreicht!
Allerdings haben wir uns entschlossen, die Namen der Redakteur*Innen vorerst nicht zu veröffentlichen, um die Jugendlichen nicht einem Shitstorm auszusetzen, der möglicherweise von einigen Anhängern losgetreten wird. Für alle, die sich beklagen möchten, hier meine E-Mail:

Hier antwortet Johannes Höfer, Direktkandidat DIE LINKE im Wahlkreis 166 (Vogtland) sowie Landeslistenplatz 10.

Welche Projekte möchten Sie in Ihrem Wahlkreis unbedingt umsetzen, was tun Sie konkret für unsere Zukunft oder halten Sie nur wohlklingende Reden?

Wir halten nicht nur wohlklingende Reden, wir wollen unsere Vorstellungen auch in konkrete Politik für die Menschen umsetzen. Für den Billiglohnstandort Vogtland ist es vor allem wichtig, dass wir einen höheren Mindestlohn und bessere Tarife bekommen, die flächendeckend gelten. Wir wollen in den ländlichen Gebieten, zu denen das Vogtland zweifelsfrei gehört endlich Bus- und Bahnverbindungen, die eine tatsächliche Alternative zum Auto sind. Und wir wollen richtig gute Bildung, die die Schülerinnen und Schüler anständig auf das Leben vorbereitet.

Weshalb ist die Politik für viele Schüler völlig uninteressant?

Diesen Eindruck habe ich nicht. Gerade die Fridays for Future-Bewegung hat doch gezeigt, dass gerade viele junge Menschen ein Interesse an ihrer Zukunft haben. Wir wollen aber trotzdem auch mehr politische Bildung an Schulen und eine Herabsetzung des Wahlalters, damit auch Schülerinnen und Schüler über ihre eigene Zukunft mitbestimmen können.

Unsere Rüstungsindustrie spielt in der Champions League, die Bildung in der Kreisklasse. Warum haben Sie das zugelassen?

Weder ich noch jemand anderes, der Politik für DIE LINKE macht hat das zugelassen. Wir wollen keine Rüstungsexporte mehr zulassen und auch keine weitere Aufrüstung. Wir wollen mehr Kompetenzen des Bundes für die Schulpolitik und die Schulen, Schülerinnen und Schüler und die Lehrerinnen und Lehrer für gute Bildung auf Champions League-Niveau bringen.

Bekommen Politiker zu wenig Geld? In der Wirtschaft kann das ein Vielfaches verdient werden, was auch den Schluss zulässt, das die wirklich schlauen Köpfe des Landes dort zu finden sind…

Gerade Bundestagsabgeordnete bekommen ein vielfaches des Durchschnittseinkommens und sie sollen die Breite der Gesellschaft darstellen. Die Breite der Gesellschaft besteht aber mitnichten aus bestverdienenden Wirtschaftsvertretern, sondern aus Menschen wie euch und mir, aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, dem Handwerk, Künstlerinnen und Künstlern und allen anderen Berufen. Dort sind die schlauen Köpfe des Landes, und nicht in den Manageretagen der Wirtschaft.

Als Abgeordneter sind Sie nur Ihrem Gewissen verpflichtet. Folgen Sie Ihrer Partei auch dann, wenn Sie anderer Meinung sind?

Die Mitglieder der LINKEN haben mich nominiert und als Kandidaten aufgestellt, sie bestimmen auch die politischen Forderungen unserer Partei in stets demokratischer Weise und somit wäre es höchst undemokratisch, wenn ich in wichtigen Fragen gegen die demokratisch getroffenen Entscheidungen wäre. Diese sind bisher alle mit meinem Gewissen vereinbar und solange sie es bleiben, gibt es gar keinen Grund, anders zu entscheiden.

Sie wollen den Reichtum so verteilen, dass er allen zugutekommt, die Steuern auf hohe Einkommen und Erbschaften erhöhen. Damit jagen Sie den Mittelstand, der die Jobs und Werte schafft, ins Ausland, wohin die ganz großen Unternehmen ohnehin schon abgewandert sind oder bei den Steuern legal tricksen. Werden die Einnahmen am Ende nicht sogar sinken?

Nein, werden sie nicht. Die gut ausgebildeten Fachkräfte, die gute Infrastruktur und auch die Arbeit ist hier bei uns, niemand wird deswegen das Land verlassen.
Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass die ganzen Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten zu mehr wirtschaftlicher Tätigkeit in Deutschland geführt haben. Im Gegenteil: Während in den letzten 30 Jahren die Unternehmenssteuern von 59 auf
29% gesunken sind, ist im gleichen Zeitraum die Investitionsquote von 19 auf 17% gesunken. Das neoliberale Märchen des Wirtschaftswachstums durch Steuersenkung ist eben nur ein Märchen und ihr solltet dieses nicht in eine Fragestellung einbauen, als wäre es ein Fakt, das ist journalistisch unsauber.

Auch beim Thema Klima versprechen Sie, sich mit den Kapitalisten anzulegen. Sie schreiben zwei Drittel der weltweiten CO2-Belastung würden von 100 Großkonzernen verursacht. Welche davon sind aus Deutschland?

Das ist vollkommen egal, denn der Klimawandel ist ein globales Thema und muss auch so behandelt werden. Wir müssen als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt mit gutem Beispiel vorangehen und endlich unseren Anteil für eine klimagerechte Wirtschaft mit sozialem Ausgleich leisten.

Sie versprechen: „Wir schaffen einen Rettungsschirm für die Beschäftigten: Mit Job- und Einkommensgarantien. Mit 4-Tage-Woche, Lohnausgleich und Weiterbildungsgarantie.“ Jetzt mal ehrlich: Mehr Populismus geht aber wirklich nicht, oder?

Der Achtstundentag ist über 100 Jahre, die 5-Tage-Woche über 60 Jahre alt. Jetzt mal ehrlich: Mehr Rückständigkeit geht aber wirklich nicht, oder?
So wie diese Frage konzipiert ist, waren auch die Aussagen der Kapitalisten im 19. Jahrhundert, als die Kinderarbeit erstmals in England geregelt wurde: Die Wirtschaft wird zusammenbrechen, das Land wird in Chaos und Armut enden.
Natürlich ist nichts davon eingetreten und es war ein erster richtiger Schritt. Genauso verhält es sich mit unserer Forderung: Sie ist der erste richtige Schritt in eine Zukunft, in der es nicht mehr vordergründig um Arbeit, sondern um das Leben geht.

Auch Hartz-IV kritisieren Sie, fordern eine Mindestsicherung von 1200 Euro, die nicht gekürzt werden kann. Glauben Sie nicht, dass sich dann sehr viele Deutsche einen bequemen Tag machen werden, unattraktive Jobs unbesetzt bleiben?

Unattraktive Jobs bleiben nur dann unbesetzt, wenn man nicht an ihrer Attraktivität arbeitet. Menschen sollen nicht wie auf dem Viehmarkt gehandelt werden dürfen und in jeden noch so schlechten Job gezwungen werden dürfen. Wenn die Arbeit gut ist und gut bezahlt wird, gehen die Menschen auch arbeiten. Den faulen Menschen gibt es nicht, jeder Mensch soll Anteil am sozialen und kulturellen Leben in diesem Land haben dürfen, auch wenn er nicht für einen Hungerlohn die Drecksarbeit durchführen will. Die Erzählung der faulen Arbeiterinnen und Arbeiter ist ein Mär, die einer tatsächlichen Überprüfung nicht standhält.

Auffällig in ihrem Wahlprogramm sind die *. Selbst bei Jede*r setzen sie es oder hinter Frauen* (Abschnitt Solidarität ist unteilbar).
Glauben Sie, dass die Arbeiterklasse damit etwas anfangen kann?

Ich sage es gerne nochmal: Die Arbeiterinnen und Arbeiter sind nicht dumm, natürlich können viele von ihnen etwas damit anfangen. Aber die Forderung nach geschlechtergerechter Sprache ist keine einer Klasse, sondern eine Frage des Alters. Vor allem junge Menschen möchten sie und so wie gesellschaftlicher Wandel immer von den Jüngeren ausging, ist es eben auch hier. Gesellschaftlicher Wandel lässt sich auch nicht aufhalten und ich bin mir ziemlich sicher, dass in 20 Jahren niemand mehr eine solche Frage stellen wird.

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