Schüler nerven Matthias Moosdorf (AfD)

Matthias Moosdorf, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 165 (Zwickau). Foto: AfD

Klartext, Herr Moosdorf

Region. Der Bundestagswahlkampf tobt. Auf allen Kanälen vertreten die Kandidaten ihre Positionen. Auch der WochenENDspiegel will wissen, wie die Politiker aus Südwestsachsen ticken. Allerdings haben wir uns kompetente Hilfe geholt! Redakteur*Innen von Schülerzeitungen aus Südwestsachsen sind DIE NERVENSÄGEN – und gehen den Kandidaten auf den Geist!
Zehn Fragen wurden mit der Redaktion des WochenENDspiegel ausgearbeitet, an die Parteien geschickt. Fragen die teilweise unbequem, provozierend, frech – ja, vielleicht sogar dreist sind. Wir sind der Meinung: Jugendliche dürfen das, müssen sich nicht an „Political Correctness“ halten. Die Reaktion? Einige Politiker fanden die Fragen wenig sachlich, unterstellend, inkorrekt. Unsere Antwort: Gut so! Ziel erreicht!
Allerdings haben wir uns entschlossen, die Namen der Redakteur*Innen vorerst nicht zu veröffentlichen, um die Jugendlichen nicht einem Shitstorm auszusetzen, der möglicherweise von einigen Anhängern losgetreten wird. Für alle, die sich beklagen möchten meine E-Mail:

Hier antwortet Matthias Moosdorf, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 165 (Zwickau)

Welche Projekte möchten Sie in Ihrem Wahlkreis unbedingt umsetzen, was tun Sie konkret für unsere Zukunft oder halten Sie nur wohlklingende Reden?

Die Region Zwickau setzt seit einigen Jahren industriell fast ausschließlich auf Elektromobilität. Weltweit kann man aber gerade eine größere Differenzierung in dieser Frage beobachten. Wasserstoffautos, synthetische Kraftstoffe, sparsame Verbrenner und hybride Antriebe fechten gerade ihre Stärken noch aus. Sinnvoll wäre es darum, die Voraussetzungen aller dieser Technologien hier in Deutschland weiter zu erforschen und auch zu entwickeln. Nach tragischen Erfahrungen des Niedergangs im deutschen Bankensektor, der chemischen Industrie und Energiewirtschaft darf nun nicht noch die Automobilindustrie einem ideologischen Projekt geopfert werden. Neben den oben beschriebenen grundsätzlichen Politikfeldern steht die Erhaltung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf meiner Prioritätenliste ganz oben.
Wohlklingende Reden sind immerhin besser als langweilige.

Weshalb ist die Politik für viele Schüler völlig uninteressant?

Weil sie feststellen, dass sich trotz lauer Ankündigungen vor den Wahlen in ihrem Alltag fast nichts ändert. Der Anspruch ist verlorengegangen. Und die Politik lässt gerade Kinder und Familien im Stich.

Unsere Rüstungsindustrie spielt in der Champions League, die Bildung in der Kreisklasse. Warum haben Sie das zugelassen?

Ich habe das nicht zugelassen. Das ist einer der Gründe, warum ich in die Politik gegangen bin. Ich bin seit 30 Jahren beruflich in der ganzen Welt unterwegs und habe schmerzlich miterlebt, wie Deutschland immer mehr an Boden verliert, wie unsere Stärken, unsere Werte und unsere Kultur immer mehr auf dem Altar einer angeblich multikulturellen Globalisierung geopfert werden. Projekte wie die Eurorettung, der Globale Migrationspakt, die Energiewende und auch die hysterische Klimapolitik kosten Abermilliarden unserer Steuergelder, verschleudern deutsches Vermögen und hinterlassen unseren Kindern keine besseren, sondern sehr zweifelhafte Voraussetzungen. Linke Politik, und selbst die CDU betreibt diese, hat im 20. Jahrhundert große Verheerung angerichtet. Wir müssen uns endlich neu besinnen, wirkliche Alternativen dazu entwickeln.

Bekommen Politiker zu wenig Geld? In der Wirtschaft kann das ein Vielfaches verdient werden, was auch den Schluss zulässt, das die wirklich schlauen Köpfe des Landes dort zu finden sind…

Ein beiderseitig atmendes System des Wechsels zwischen Politik und Wirtschaft ist in der Tat hilfreich. Kreissaal-Hörsaal-Plenarsaal ist gängige Praxis, wobei der Hörsaal oft noch ohne Diplom oder Master verlassen wurde. Wie die Gesellschaft auch, wird die Politik immer ungebildeter und schlechter wenn Bildung durch Haltung ersetzt wird.

Als Abgeordneter sind Sie nur Ihrem Gewissen verpflichtet. Folgen Sie Ihrer Partei auch dann, wenn Sie anderer Meinung sind?

Das ist eine Frage, die man konkret sehen muss. Fraktionsdisziplin ist manchmal unumgänglich. Der Kompromiss gehört zur Kontroverse dazu. Und das Einordnen der eigenen Meinung unter eine gefundene Mehrheitsmeinung ist ein Merkmal unserer Demokratie.

Unter Punkt 1 Ihres Wahlprogramms geht es um Wirtschaft&Arbeit. Wie schon oft wird die ausufernde Bürokratie angeprangert. Jetzt mal ehrlich: Den Beamten-Apparat, die tausenden Verordnungen und Gesetze, wird auch die AfD nicht abschaffen können oder wie wollen Sie das angehen?

Manche Sachen kann man in der Tat nicht abschaffen. Man muss aus dem System aussteigen, beobachten und dann das Gute des alten in ein neues, besseres überführen. Berufene Kenner unserer Verfassung haben mal konstatiert, man könnte getrost 60% der Gesetze und Verordnungen mal aussetzen und schauen was passiert. Im überwiegenden Fall würde gar nichts passieren. Und bürokratischer Ballast wäre komfortabel abgeworfen.

Sie fordern Grund- und Gewerbesteuern abzuschaffen, den Rundfunkbeitrag zu streichen und Internetkonzerne mit einer Digitalsteuer zu belegen. Wie soll das denn funktionieren?

Substanzsteuern sind schlecht für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Gerechte Besteuerung am Ort der Wertschöpfung ist viel besser. Und der Rundfunkbeitrag hat sich überlebt. Weltweit werden die öffentlich-rechtlichen Funk- und Fernsehen reformiert. Gerade in Deutschland sind ARD und ZDF zu ideologischen Herolden der moralisch überambitionierten Regierungspolitik verkommen. Die Bürger wollen Information – und bekommen Erziehung. Das ist nicht tragbar – weil es völlig undemokratisch ist. Demokratie ist dann intakt, wenn ALLE Bürger und ihre gewählten Parteien und Meinungen gleich oft und ausgewogen zu Wort kommen.

Bei Thema Asyl & Einwanderung rufen Sie nach nationalen Regeln. Führt ein deutscher Alleingang nicht zum Ende der EU?

Die EU hat in allen großen Fragen der Zeit versagt. Migration ist ein Beispiel. Die meisten Länder wollen und werden dem deutschen Beispiel nicht folgen. Das ist auch in der Ausstiegspolitik im Rahmen der sog. Energiewende der Fall. Wir schalten Kraftwerke ab und unsere Nachbarn bauen welche auf – um uns danach ihren Strom zu verkaufen. Das ist dumm. Während der Corona-Pandemie hat die EU bei den meisten ihrer Bürger letzten Kredit verspielt. Deshalb möchte die AfD eine neue Zusammenarbeit auf partnerschaftlicher Basis national völlig souveräner Staaten. Eine Rückbesinnung auf das Notwendige und eine Abkehr von einer Brüsseler EU-dSSR.

Sie fordern allen Ernstes das Bargeld zu erhalten? In aller Welt und wir Jugendlichen zahlen längst mit dem Smartphone. Kennen Sie sich mit den Geräten denn nicht aus?

Bargeld ist Freiheit, Selbstbestimmung. In China kann man gut beobachten, was ohne Bargeld kommen wird: Man schaut früh in sein Konto und stellt fest, da hat jemand gerade Geld abgezogen. Vielleicht fällt einem noch ein, dass man gestern bei Rot über die Straße gegangen ist. Oder man möchte in die Hauptstadt fahren und der Ticketautomat ist gesperrt – weil das Finanzamt noch 50€ Hundesteuer haben will. Alles Quatsch? Nicht in China. Wir sagen: Gar nicht erst damit anfangen.

Sie fordern „Mehr Netto vom Brutto“. Fällt Ihnen nichts Eigenes ein? Den Slogan benutzten doch schon viele Politiker (z.B. Seehofer 2009 oder die FDP 2011) vor Ihnen…

Eigenverantwortung und Selbstbestimmung gehören zusammen. Wer Freiheit will, und das wollen fast alle Bürger, muss damit verantwortlich umgehen. Wir glauben, dass ein vormundschaftlicher Staat im dritten Sozialismusexperiment in 100 Jahren enden wird. Die vielen Verheerungen der ersten beiden haben auf der Welt aber genug Leid hinterlassen. Mündige Bürger können mit ihrem „Netto“ selbst entscheiden, wofür sie es ausgeben. Wenn andere Parteien das zu Recht gefordert haben, haben sie später in Verantwortung ihre Forderung verraten. Dann hilft das doch bei der Wahlentscheidung, oder?

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