Schüler nerven Thomas Dietz (AfD)

Thomas Dietz, Direktkandidat der AfD Wahlkreis 164 (Erzgebirge) und Listenplatz 13. Foto: AfD

Klartext, Herr Dietz

Region. Der Bundestagswahlkampf tobt. Auf allen Kanälen vertreten die Kandidaten ihre Positionen. Auch der WochenENDspiegel will wissen, wie die Politiker aus Südwestsachsen ticken. Allerdings haben wir uns kompetente Hilfe geholt! Redakteur*Innen von Schülerzeitungen aus Südwestsachsen sind DIE NERVENSÄGEN – und gehen den Kandidaten auf den Geist!
Zehn Fragen wurden mit der Redaktion des WochenENDspiegel ausgearbeitet, an die Parteien geschickt. Fragen die teilweise unbequem, provozierend, frech – ja, vielleicht sogar dreist sind. Wir sind der Meinung: Jugendliche dürfen das, müssen sich nicht an „Political Correctness“ halten. Die Reaktion? Einige Politiker fanden die Fragen wenig sachlich, unterstellend, inkorrekt. Unsere Antwort: Gut so! Ziel erreicht!
Allerdings haben wir uns entschlossen, die Namen der Redakteur*Innen vorerst nicht zu veröffentlichen, um die Jugendlichen nicht einem Shitstorm auszusetzen, der möglicherweise von einigen Anhängern losgetreten wird. Für alle, die sich beklagen möchten, hier meine E-Mail:

Hier antwortet Thomas Dietz, Direktkandidat der AfD Wahlkreis 164 (Erzgebirge) und Listenplatz 13

Welche Projekte möchten Sie in Ihrem Wahlkreis unbedingt umsetzen, was tun Sie konkret für unsere Zukunft oder halten Sie nur wohlklingende Reden?

Ich möchte gern jungen Familien einen Ehe-Startkredit ermöglichen. So steht es auch in unserem Programm. Diese Möglichkeit einer Anschubfinanzierung für junge Familien gab es schon in der DDR. Wir haben als junge Familie damals auch davon profitiert. Für jedes Kind soll ein gewisser Betrag erlassen werden. Das geht bis zum völligen Erlass. Weiterhin möchte ich, dass unser Erzgebirge als attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort weiterentwickelt wird. Dazu gehören natürlich gute Löhne, damit die junge Generation nicht abwandert. Wichtig wäre es, wenn sich auch große Firmenzentralen im Erzgebirge ansiedeln würden. Dann würde hier auch mehr erwirtschaftet. Aber das kann man nicht von oben verordnen, dass muß durch attraktive Rahmenbedingungen wachsen.

Weshalb ist die Politik für viele Schüler völlig uninteressant?

Das ist eine Frage in die falsche Richtung. Hätte ich gern gestellt. Ich kann nur mutmaßen: Ist für viele Schüler das Leben so geordnet und der Lebensunterhalt so sicher, dass man sich über Politik und die Zukunft keine Platte machen muss? Oder hat der Politikbetrieb die Jugendlichen schon so abgeschreckt, dass man mit Politik nichts zu tun haben möchte?

Unsere Rüstungsindustrie spielt in der Champions League, die Bildung in der Kreisklasse. Warum haben Sie das zugelassen?

Ihr habt da vollkommen recht. Es ist traurig, wie sich in den letzten Jahren das Bildungsniveau verschlechtert hat. Ich kann mir jedoch keine Vorwürfe machen. Ich bin (noch) kein Abgeordneter im Landtag oder Bundestag. In der Bundesregierung sitzt seit 16 Jahren Angela Merkel (CDU) am Steuerrad. In den letzten 8 Jahren gemeinsam mit der SPD. Diese Kanzlerschaft liegt wie eine Bleidecke über Deutschland. Wir als AfD sind angetreten, in diesem Land vieles zu ändern. Unter anderem auch die Bildung wieder auf Champions League-Niveau zu bringen. Dafür brauchen wir Verbündete und Mehrheiten. Die Pisa-Ergebnisse waren zuletzt ein Grauen. „Warum haben Sie das zugelassen“, bitte CDU/CSU, SPD und Grüne fragen. Gerade die Grünen sind in den Ländern in der Regierung, in denen die Bildung am allerschlechtesten abschneidet, wie zum Beispiel in Bremen.

Bekommen Politiker zu wenig Geld? In der Wirtschaft kann das ein Vielfaches verdient werden, was auch den Schluss zulässt, dass die wirklich schlauen Köpfe des Landes dort zu finden sind…

Politiker verdienen mit Sicherheit nicht zu wenig. In der Wirtschaft können kreative und schlaue Köpfe jedoch vermutlich besser ihre Ideen verwirklichen und vorankommen, als in einem teilweise zähen und verkrusteten Politikbetrieb. Als Politiker ist man auch viel mehr auf dem Präsentierteller und für viele Politiker gibt es kaum noch ein Privatleben. Nicht jeder möchte das für sein Leben akzeptieren. Das Leben als Unternehmer ist ganz einfach ein Stück freier.

Als Abgeordneter sind Sie nur Ihrem Gewissen verpflichtet. Folgen Sie Ihrer Partei auch dann, wenn Sie anderer Meinung sind?

Tatsächlich sind wir als AfD von einem Fraktionszwang befreit. Das praktizieren wir auch im Kreistag Erzgebirge so. Die einzelnen Kreisräte stimmen nach ihrer Meinung und ihrem Gewissen ab. Oft stimmt die Meinung natürlich mit der Meinung der Partei überein. Aber es gibt auch Themen, da kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Wir sind froh, dass das Prinzip einer Demokratie die Meinungsfreiheit ist. Ich stimme grundsätzlich nach meinem Gewissen ab.
Jedoch es stimmt: Oft werden in den Parlamenten Abgeordnete anderer Parteien unter Druck gesetzt, einheitlich abzustimmen.

Unter Punkt 1 Ihres Wahlprogramms geht es um Wirtschaft&Arbeit. Wie schon oft wird die ausufernde Bürokratie angeprangert. Jetzt mal ehrlich: Den Beamten-Apparat, die tausenden Verordnungen und Gesetze, wird auch die AfD nicht abschaffen können oder wie wollen Sie das angehen?

Wir versprechen nicht, die Mißständnisse die wir aufzeigen, auf einmal beheben zu können. Ich sehe unser Grundsatzprogramm als einen Entwurf für eine bessere Gesellschaft und eine bessere Politik. Und daran wollen wir arbeiten.

Sie fordern Grund- und Gewerbesteuern abzuschaffen, den Rundfunkbeitrag zu streichen und Internetkonzerne mit einer Digitalsteuer zu belegen. Wie soll das denn funktionieren?

Durch die Einbringung von entsprechenden Gesetzentwürfen.

Bei Thema Asyl & Einwanderung rufen Sie nach nationalen Regeln. Führt ein deutscher Alleingang nicht zum Ende der EU?

Die meisten Nationalstaaten ziehen ihre eigenen Asylgesetze knallhart und ohne Rücksicht auf andere Staaten durch. Spitzenreiter sind da die USA, unabhängig unter welchem Präsidenten. Die USA nehmen praktisch fast keine Flüchtlinge aus muslimischen Ländern auf. Auch nicht aus Afghanistan. Diese werden derzeit in Ramstein ausgeladen und die anderen europäischen Länder sind ebenfalls kaum bereit, diese Flüchtlinge aufzunehmen. Welchen Grund gibt es, dass Deutschland diese Last wieder fast allein tragen soll? Wer kommt für die Kosten auf? Ich kann es euch sagen: Die arbeitende und Steuern zahlende Generation. Also in der Regel eure Eltern.

Sie fordern allen Ernstes das Bargeld zu erhalten? In aller Welt und wir Jugendlichen zahlen längst mit dem Smartphone. Kennen Sie sich mit den Geräten denn nicht aus?

Bargeld ist ein Stück gelebte Freiheit. Stellt euch einen Stromausfall vor, der mit Sicherheit bald kommen wird. Nicht nur, dass wir dann in der Nacht kein Licht haben, es wird auch kein Funknetz geben, keine Tankstelle wird geöffnet sein, keine Kartenzahlung funktionieren. Das Smartphone wird keinen Empfang haben. Wenn ihr dann noch eine Bargeldreserve in der Geldbörse habt, dann könnt ihr euch glücklich schätzen und seid vielleicht einige der wenigen, die noch Lebensmittel und Getränke vom Händler oder Produzenten kaufen können. Wir haben uns in eine große Abhängigkeit von der Elektrizität begeben. Ohne Strom funktioniert nichts mehr. Es gibt auch noch andere Gründe für den Erhalt des Bargeldes. Bargeld hat genauso eine Berechtigung, wie die Zahlung mit Karte oder Handy. Lasst uns für die Vielfalt der Möglichkeiten sein.

Sie fordern „Mehr Netto vom Brutto“. Fällt Ihnen nichts Eigenes ein? Den Slogan benutzten doch schon viele Politiker (z.B. Seehofer 2009 oder die FDP 2011) vor Ihnen…

Man hat gesehen, dass sich das Verhältnis von Brutto zum Netto in den letzten Jahren immer weiter zum Negativen entwickelt hat. Im Gegensatz zur CSU (Seehofer) oder der FDP, waren wir bisher noch nicht an einer Bundesregierung beteiligt, die dies hätte ändern können. Für uns ist eine der wichtigsten Forderungen, dass sich Arbeit wieder lohnt. Deshalb muss vom Brutto mehr Netto übrigbleiben. Es macht doch wenig Spaß, wenn von verdienten 100 Euro nur etwas mehr als die Hälfte auf dem Konto landen. Deshalb muss es gerade für die geringeren Einkommen höhere Steuerfreibeträge geben und die Sozialabgaben dürfen nicht weiter steigen.

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