Sind E-Autos gefährliche Verbrenner?

Der Tesla muss nach einem schweren Unfall in einen Spezial-Container verladen werden. Foto: André März

Bremst dieser Unfall die E-Mobilität?

Von Sven Günther
Erzgebirge. Es ist ein Foto, das bei Elektro-Mobilisten Sorgenfalten verursachen wird. Wir sehen einen Tesla am Haken eines Abschleppers. In wenigen Sekunden wird der Elektro-Flitzer komplett in einem Spezialcontainer verschwunden sein.

Der Grund: Hohe Brandgefahr.

Paul Schaarschmidt, Fachbereichsleiter Medien & Soziales vom Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge: „Da es kaum Erfahrungswerte und schon gar keine rechtssicheren Gutachten für Auffahrunfälle mit E-Autos gibt, werden sie einen Container geladen und stehen 72 Stunden unter Beobachtung.“
Sollte die Temperatur steigen, kann der Behälter geflutet werden. Und das unabhängig von der Schwere des Unfalls!

Risiko unkalkulierbar!

Spezialist Dirk Weinelt vom Abschleppdienst Kelpin in Niederwürschnitz gibt sein Wissen an Feuerwehrleute weiter, sagt: „Das Risiko, dass ein Elektroauto nach einem Unfall oder auch beim Abtransport in Flammen aufgeht, man einen elektrischen Schlag bekommt und unabsehbarer Schaden entsteht, ist nicht zu kalkulieren. Deshalb rate ich auf Nummer sicher zu gehen und einen Container zu verwenden. Nach meine Ansicht sind auch die 72 Stunden Beobachtungszeit zu knapp bemessen, weil es auch später noch zu einem Brand kommen kann. Deshalb werden Mitarbeiter von Abschleppfirmen speziell eingewiesen!“

Paul Schaarschmidt sieht die Situation nicht ganz so extrem kritisch. „Die Neuzulassungen von Elektrowagen im Erzgebirgskreis sind mit 167 noch überschaubar. Momentan ist dieser Container ausreichend. Dazu kommen 1200 Hybridfahrzeuge. Tendenz auch im Erzgebirge steigend.“ Damit wächst auch die Gefahren.

Wirtschaftlicher Totalschaden?

E-Autos und die Brandgefahr. Ein ungelöstes Problem in ganz Deutschland. Ein Problem, das Alfred Meyer, der Vorstandes des Verbandes der Bergungs- und Abschleppunternehmen kennt.
Er schreibt dem WochenENDspiegel auf Anfrage: „Stand heute gibt es keine einheitliche Aussage bezüglich des Abtransportes eines E-Fahrzeuges… Auch sind viele rechtliche Fragen noch offen. Beispielhaft ist hier zu nennen, wer entscheiden darf, einen Container mit besagtem Fahrzeug zu fluten? Solch ein geflutetes Fahrzeug ist danach wirtschaftlich immer ein Totalschaden. Wie eindeutig muss die Gefahrenlage belegbar sein, um solch eine Maßnahme anzuordnen?“
Sein Fazit: „Das Portfolio der Unwägbarkeiten ist im Moment größer als die verbindlich getroffenen Aussagen. Wir hoffen und fordern natürlich auch, dass insbesondere der Gesetzgeber zeitnah einen entsprechenden Rahmen verbindlich vorgibt.“

Darum ist es gefährlich

Er erklärt auch die Tücke: Wird das Akku eine E-Autos verformt oder gerät in Brand, ist die Situation offensichtlich kritisch. Ist der Akku nicht verformt „so gestaltet sich die Einschätzung der Gefahrenlage erheblich schwieriger“. Grund: Die Batterien bestehen aus vielen kleinen Zellen, die sich erst nach längerer Zeit entzünden können.
Meyer: „Bis heute gibt es keine einheitliche und von daher verbindliche Aussage bezüglich der Lagerung von Elektrofahrzeugen nach Störfällen. Grundsätzlich wird empfohlen, bei unklaren Schadenslagen das Fahrzeug nicht in einer Halle einzulagern. Auch wird vorgegeben bzw. angeraten, dass in ausreichendem Abstand keine Brandlast gelagert werden soll/darf. Wieviel ausreichender Abstand ist, wird unterschiedlich definiert. Opel gibt z. B. 15 Meter rund um den Havaristen vor. Andere Fahrzeughersteller wie auch die Berufsgenossenschaften, sind in Ihren Aussagen schwammiger.

Er sagt aber auch: Stand heute gibt es keine einheitliche Aussage bezüglich des Abtransportes eines E-Fahrzeuges.Es ist zunächst auch nicht ganz so kritisch zu sehen wie viele mit wenig Informationshintergrund versehene Personenkreise es möchten. Die in Hochvoltfahrzeugen verbauten Systeme sind grundsätzlich konstruktiv als eigensicher ausgelegt. Es sind entsprechende Schutzmechanismen verbaut die gerade den Hochvoltbereich in Störsituationen gegen das Umfeld absichern.

ADAC für Hochvoltcontainer

Der ADAC vertraut der Einschätzung der Abschlepp-Spezialisten! Florian Heuzeroth, Leiter Marketing / Öffentlichkeitsarbeit: „Auch wenn der ADAC angibt, dass bei einem Unfall, ohne sichtbare Schäden an der äußeren Batterieummantelung, die Batterie als sicher eingestuft werden kann, ist es doch die Entscheidung der Rettungskräfte wie mit dem verunfallten Fahrzeug umgegangen werden soll. Wir befürworten die Entscheidung zum Schutz der Sicherheit der Rettungskräfte, dass im Zweifelsfall der Hochvoltcontainer zum Einsatz kommt.“

Das Ministerium reagiert

Das sächsische Innenministerium teilte dem WochenENDspiegel mit: „Die Nutzung eines speziellen Containers wird nicht als zwingend notwendig erachtet.
Grundsätzlich wird gleichwohl empfohlen, das verunfallte Fahrzeug auf eine nachträglichen Entzündung hin zu kontrollieren. Im Übrigen ist die Frage, ob das Risiko einer Entzündung eines verunfallten Elektrofahrzeugs höher ist als bei Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben, noch nicht hinlänglich bewiesen und wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.“

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