SOS für die Landwirtschaft

Landwirt Tony Rabe (r.) und sein ehemaliger Auszubildender David Kleindienst begutachten ein Kalb. Sowohl in der Pflanzenproduktion als auch auf der Tierstrecke sieht es derzeit in den Landwirtschaftsbetrieben gut aus. Foto: Uwe Wolf

Landwirt Tony Rabe (l.) und sein ehemaliger Auszubildender David Kleindienst begutachten ein Kalb. Sowohl in der Pflanzenproduktion als auch auf der Tierstrecke sieht es derzeit in den Landwirtschaftsbetrieben nicht gut aus. Foto: Uwe Wolf

Bernsdorf/Niederfrohna. Lohnt sich noch Landwirtschaft? Die Frage ist nicht so einfach mit ja oder nein zu beantworten, denn das Thema ist komplexer, als die Frage vermuten lässt. Im Landkreis Zwickau gibt es rund 489 Landwirtschaftliche Betriebe. Davon bewirtschaften 349 Firmen Flächen unter 50 Hektar. Allerdings gibt es auch 14 Großbetriebe, die Flächen von mehr als 1000 Hektar bewirtschaften.

Ganz unabhängig von der Größe geht es der Landwirtschaft alles andere als gut. Die Probleme in den kleineren Betrieben sind dieselben wie in den Großbetrieben. In fast allen Bereichen krankt die Landwirtschaft derzeit.

“Die Erzeugerpreise sind derzeit in keiner Weise mehr auskömmlich”, sagte Andreas Grellmann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Lungwitztal eG in Bernsdorf. “Sowohl in der Milchproduktion als auch bei der Fleisch- und Getreideproduktion gelingt es nicht mehr, die Kosten zu decken. Die Agrargenossenschaft betreibt Pflanzenproduktion auf über 2700 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, Milchproduktion, Schweineproduktion und erzeugt Bioenergie. Wie gravierend die Lücke zwischen kostendeckender Produktion und den tatsächsischen Einnahmen ist, verdeutliche Andreas Grellmann an Hand des Milchpreises. “Wir erhalten pro Liter einen Grundpreis von 26,5 Cent. Dazu kommt eventuell ein Qualitätszuschlag von 1,5 Cent. Um einen ganz kleinen Gewinn zu erwirtschaften würden wir pro Liter Milch 35 Cent benötigen”, erläuterte der Vorstandsvorsitzende.

Den Schweinefleischmarkt bezeichnete Grellmann als “abartig” und beim Getreide geht die Preisentwicklung seit 2014 abwärts, wobei es zwar immer geringfügige Erholungen gibt, die aber nur von kurzer Dauer sind. Dazu kommen noch jährlich sinkende Fördergelder, die auch eine Einnahme sind. Gewinne erwirtschaftet der Bernsdorfer Betrieb mit der Biogasanlage, wobei das EEG eine feste Vergütung garantiert.

Die Ursachen für die Negativentwicklung in der Landwirtschaft sind verschieden. Da sind die Verbraucher, die immer preiswertere Erzeugnisse haben wollen. Dazu kommt noch, dass die EU die Lebensmittel politisch preiswert halten will. Außerdem gibt es weltweit von vielem zu viel. Auch das Russland-Embargo der EU wirkt sich negativ aus. Weiterhin stagniert der Markt in China. “Weltweit gibt es zu viel Getreide. Das wird zum Teil von Landwirten zurück gehalten, weil der Preis sehr niedrig ist”, so Andreas Grellmann. “Man redet schon vom Durchlagern, wobei das Getreide nicht von Ernte zu Ernte, sondern darüber hinaus gelagert wird. Die damit verbundenen Risiken werden in Kauf genommen.”

Eine Entlastung für die Landwirte bringt der niedrige Dieselpreis. Allerdings sind die Preise bei anderen Betriebsmitteln wie beispielsweise Saatgut und Pflanzenschutzmitteln gleich geblieben oder gestiegen.

Dem kann Landwirt Tony Rabe in Niederfrohna nur zustimmen. Er bewirtschaftet mit seinem Familienbetrieb 78 Hektar und hält 82 Milchkühe. “Die Situation ist bescheiden. Es gibt keinen Bereich in der Landwirtschaft, der noch gut läuft”, so der Landwirt. Konnte er im vergangenen Jahr mit der Pflanzenproduktion noch etwas Geld verdienen, so sieht es in diesem Jahr damit schlecht aus, denn die Preise sind gefallen. “Auch die Tierstrecke läuft bescheiden. Der Milchpreis liegt bei 26 Cent pro Liter, Tendenz fallend”, informierte Toni Rabe. Man müsse schon viel Enthusiasmus besitzen, um weiter zu wirtschaften. Der Niederfrohnaer Landwirt sieht in der Aufhebung des Russland-Embargos und der Reduzierung der viel zu großen Milchmenge am Markt, wirksame Maßnahmen, um die Situation der Landwirtschaft etwas zu verbessern.

Rabe wies darauf hin, dass die Landwirte nicht nur produzieren, sondern mit ihrer Arbeit auch die Kulturlandschaft pflegen. Nur durch sie wird die Kulturlandschaft so schön, wie sie ist. Grünland nutzt nur den Tieren, deshalb kann die Veredlung auch nur über das Tier erfolgen.

“Die Verbraucher erwarten immer mehr Qualität bei den Lebensmittel und beim Tierwohl”, meinte Tony Rabe. “Das ist auch in Ordnung. Aber leider wird es in keiner Weise honoriert. Die Produktion wird immer teurer aber die Einnahmen sinken.”

Viele Landwirtschaftsbetriebe sind bei ihren Liquidationsmittel an den Grenzen angekommen. “Bei uns geht es noch”, meinte Andreas Grellmann in diesem Zusammenhang und Tony Rabe sagte, ein Familienbetrieb könne in solch einer Lage länger durchhalten als ein Betrieb, der Mitarbeiter beschäftigt.
Ein Lichtstreif am Horizont ist derzeit nicht in Sicht. uw

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