Spagat zwischen Hobby und Beruf – Die Sorgen und Nöte der Sportvereine

Für die Vereinsmitglieder stellt sowohl die aktive Teilnahme an Trainings und Veranstaltungen als auch die organisatorische Arbeit und die Verwaltung immer einen Spagat dar. Foto: wikipedia.de

Für die Vereinsmitglieder stellt sowohl die aktive Teilnahme an Trainings und Veranstaltungen als auch die organisatorische Arbeit und die Verwaltung immer einen Spagat dar. Foto: wikipedia.de

Mittelsachsen. Vor zwei Wochen fand in Mittweida unter dem Motto „Zwischenzeit – Für die Zukunft des Sports in Sachsen.“ die Veranstaltung zum 25-jährige Jubiläum des Landessportbundes Sachsen statt. Von der Jubiläumsveranstaltung an der Hochschule Mittweida sollten vor allem wichtige Impulse für eine weiterhin erfolgreiche Sportentwicklung in Sachsen ausgehen.
Für die Vereine und deren Mitglieder stellt sich die Situation zumeist simpel und kompliziert zugleich dar. Einfach ist es, die Probleme, die die Vereine haben, beim Namen zu nennen. Schwierig hingegen ist es, für diese Probleme konstruktive Lösungsansätze zu bieten.
Zum einen leiden die Vereine in einzelnen Sektionen vor allem jedoch in bestimmeten Altersklassen an Nachwuchsproblemen. So ist beispielsweise derzeit die Zahl der 17- und 18-jährigen Sportfreunde recht gering.
„Wir bekommen derzeit einfach keine A-Jugend-Mannschaft in unserer Sektion Fußball zusammen“, klagt Lars Paul vom SV Barkas Frankenberg. „Das sind geburtenschwache Jahrgänge“, führt er weiter aus. „Eigentlich können wir hier beim Fußball nicht über die Nachwuchssorgen klagen, denn in der F-Jugend und bis hoch zu den 15- und 16-Jährigen haben wir gute Zahlen.“
Der Fußball ist jedoch des Deutschen liebstes Sport-Kind. Wie es in anderen Vereins-Sektionen des SV Barkas Frankenberg, wie zum Beispiel dem Kegeln oder dem Radsport, aussieht, konnte uns Herr Paul leider nicht sagen.
Zum anderen ist es die finanzielle Frage, die sich sowohl den Vereinen selbst als auch den Mitgliedern und deren Angehörigen immer wieder stellt. Der (kleine) Vereinssport lebt nun einmal vom Ehrenamt. Die Übungsleiter sind fast ausschließlich ehrenamtlich tätig. Die Vereinsmitglieder, die gleichzeitig noch Funktionäre sind, tun dies neben ihrer beruflichen Tätigkeit, ehrenamtlich und in ihrer Freizeit. Die Vereinssportler benötigen Sportgeräte, Vereinskleidung wie Trikots, Trainingsanzüge und ähnliches und müssen zu Wettkämpfen fahren. Die Vereinsräumlichkeiten und die Betriebskosten dafür müssen bezahlt werden. In der Summe sind das alles nicht gerade geringe Kosten. Ist nun ein Verein so klein, dass er keine sonderlich renommierten Sponsoren hat, bleibt diese finanzielle Last nahezu gänzlich auf den Schultern der Mitglieder.
Beim Landessportbund Sachsen sprach man von jährlich rund 18 Millionen Euro Förderung für die sächsischen Sportvereine. Die Verteilung dieser Summen scheint jedoch nicht ganz unproblematisch und vor allem nicht sonderlich unbürokratisch zu sein.

„Unsere Trainer arbeiten allesamt ehrenamtlich“, erklärt Lars Paul. „Und vom Landessportbund werden zudem nur lizensierte Trainer gefördert. Das Geld unserer Sponsoren geht für die Betriebskosten unserer Trainingsstätten drauf. Es wäre schön, wenn wenigstens mal mehr für eine finanzielle Unterstützung der Übungsleiter getan würde. Der Papierkrieg für eine kleine Förderung ist so schlimm, dass der Aufwand nicht wirklich lohnt und eher noch abschreckt. Eine Entbürokratisierung täte hier mehr als gut.“
Ähnlich sieht es auch beim Verein für Ausdauersport „Rochlitzer Berg“ e.V. und der Leichtathletikgemeinschaft Mittweida aus. „Wir haben im Leichtathletik-Bereich relativ konstante Mitgliederzahlen“, erzählt Uwe Sperling, Leiter der LG Mittweida. „Ich würde mir vor allem eine stärkere Förderung der Übungsleiter wünschen, dass sie eine höhere Aufwandsentschädigung erhalten können. Gute Ergebnisse erzielt man nur durch kontinuierliche und gute Arbeit. Und die kostet nun einmal Zeit und auch Geld. Eine Verringerung der Bürokratie hinsichtlich der Förderanträge täte dem Vereinsdasein auch sehr gut. Wenn ich mit mehreren Anträgen erst durch drei oder vier Instanzen muss, um eine kleine Förderung zu bekommen, ist das mehr als zermürbend.“

Aber Uwe Sperling beleuchtet auch noch andere Probleme, die die Vereine unmittelbar betreffen. „Wir als Vereine müssen Werbung machen, Werbung machen, Werbung machen. Die Öffentlichkeitsarbeit ist unabdingbar für unser Überleben. Ohne Erfolge und die öffentliche Wahrnehmung haben wir keinen interessierten Nachwuchs. Aber auch die Eltern müssen wir „bearbeiten“. Sport ist wichtig für die Kinder, dient er doch zu weit mehr als bloß der Gesunderhaltung. Der Sport und die Vereinsarbeit helfen ungemein bei der Persönlichkeitsentwicklung. Pflichtbewusstsein, Verantwortung, Disziplin und Durchhaltevermögen werden dadurch vermittelt.“

Dass die Aufgabenstellungen und Schwierigkeiten für Sportvereine – vor allem im ländlichen Raum – weitaus schwieriger sind, als man zuerst annehmen würde, erklärt sich auch durch seine weiteren Worte. „Man merkt im ländlichen Raum ganz deutlich die Veränderungen. Verschwindet eine Grundschule aus einem Ort, verschwinden damit auch die Kinder aus den Vereinen. Solche Tendenzen haben wir zum Beispiel in Geringswalde und in Wechselburg“, führt Uwe Sperling weiter aus. „Auch die sportliche Betreuung in Ganztagsschulen arbeitet inzwischen leider gegen die Vereine“, erklärt Sperling. „Wenn ein Kind 16 Uhr ausgepowert durch Schule, Hausaufgaben und Sport nach Hause kommt, hat es danach zumeist null Motivation, auch noch das notwendige Trainigspensum im Sportverein auf sich zu nehmen.“
Die Problematik ist vielschichtig. Vor allem, wenn man noch weiter bedenkt, dass die Vereinsmitglieder nicht nur sportlich motiviert, sondern auch an ihre Arbeit als zukünftige Funktionäre herangeführt und dafür motiviert werden müssen. Von daher ist wichtig, auch als Elternteile schon frühzeitig den Enthusiasmus der Kinder zu unterstützen und ihr sportliches Interesse zu fördern.

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