Stadtbad Chemnitz wird international: آقایان nach rechts und خانمها nach links

 

Auch wenn der erste Buchstabe der persischen Zeile nicht ganz korrekt ist, die iranischen Gäste werden verstehen, wo sie sich umziehen können. Umkleidekabinen für Herren und Damen von oben nach unten auf Englisch, Arabisch, Persisch, Dari und Urdu. Foto: bit

Auch wenn ein Buchstabe der persischen Zeile auf der Herrenseite nicht ganz korrekt ist, die iranischen Gäste werden verstehen, wo sie sich umziehen können. Umkleidekabinen für Herren und Damen von oben nach unten auf Englisch, Arabisch, Persisch, Dari und Urdu. Foto: bit

Zentrum. رختکن آقایان  und رختکن خانمها ist Persisch und heißt Umkleidekabine Herren und Umkleidekabine Damen. Neben Persisch (in der Landessprache „Farsi“; Iran)  gibt es diese Beschilderung jetzt im Stadtbad Chemnitz auch auf Dari (Afghanistan), Urdu (Pakistan, Indien), Arabisch und Englisch. Dazu gibt es mehrsprachig Wegweiser zu den Duschen und Verhaltensgrundregeln – letztere auch auf Flyer.

Die Chemnitzer Bäder erfreuen sich nach Auskunft der Stadtverwaltung zunehmend großer Beliebtheit bei internationalem Publikum von der Technischen Universität. Außerdem würde das Stadtbad pro Woche auch von etwa 50 bis 80 Asylbewerbern besucht.

Die Übersetzungen auf Schildern und Flyer sollen zum einen Willkommenskultur repräsentieren und zum anderen dem Personal die Möglichkeit geben, mit den ausländischen Badbesuchern „ins Gespräch“ zu kommen und grundsätzliche Verhaltensregeln für einen Badbesuch zu vermitteln, begründet die Stadtverwaltung die zusätzliche Ausschilderung. „Ins Gespräch“ kommen bedeutet dabei zum Beispiel, dass ein Mitarbeiter die Besucher auf die Beschilderung aufmerksam macht. Dann werde ihnen die Funktion des Chips erklärt. In der Regel habe auch jemand ein Auge darauf, ob die Besucher wirklich schwimmen können. Nicht alle könnten schließlich die Zahlen der Tiefenangaben neben dem Becken lesen bzw. diese als solche deuten. Aus den Reihen der Asylbewerber kämen neben syrischen Familien mit Kindern vor allem Jugendliche aus mehreren Ländern. Der Reiz des Neuen, gepaart mit jugendlichem Übermut führe im Extremfall schon mal dazu, dass jemand recht unangenehm feststellen müsse, dass Schwimmen nicht so einfach ist, wie es bei anderen aussieht.

In der Regel lasse sich aber mit den jetzigen mehrsprachigen Hilfen gut mit den Gästen kommunizieren. Mit Irritationen wegen kulturell bedingt unterschiedlicher Sichtweisen auf gemischten Badebetrieb sähen sich die Mitarbeiter des Stadtbades bisher nicht konfrontiert.

Da schwane ihnen schon eher mal, dass einigen ausländischen Jugendlichen die konsequente Hin- und Her-Schwimmerei der deutschen Badbesucher wohl als eine merkwürdige Gewohnheit erscheine. Dass Schwimmen in einer Industrienation für viele nichts mit Spaß und Planschen zu tun hat, sondern wichtiger Ausgleichssport sei, mag sie wohl überraschen.

Außer im Stadtbad gibt es auch im Sozialamt Beschilderung in Deutsch, Englisch, Französisch, Albanisch, Russisch und Arabisch. bit

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