Steffen Herhold: „Der Klassenerhalt ist unser oberstes Ziel“

Nach der erneuten Corona-Zwangspause muss die Mannschaft von Rodrigo Pastore nun erstmal wieder ihren Rhythmus finden. Foto: Judith Hauße

Für die Niners Chemnitz ging es in den letzten Wochen gefühlstechnisch hoch und runter. Drei Siege innerhalb weniger Tage, darunter der Sensationssieg gegen Bayern München. Danach ging es zum zweiten Mal in dieser Saison in die Corona-Zwangspause. Und nicht zu vergessen die verletzungsbedingten Ausfälle von Spielern, wie Filip Stanic oder Joe Lawson.
Im Interview verrät uns Niners-Geschäftsführer Steffen Herhold wie es aktuell wirtschaftlich wie personell um den Verein steht und wo er die Pastoren-Mannen am Ende der Saison sieht.

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Steffen Herhold, Geschäftsführer NINERS Chemnitz im Gespräch. Foto: Archiv

WochenENDspiegel:
Vorweg eine Frage: Es wird viel darüber diskutiert, ob der Profisport stattfinden darf oder nicht. Wie stehen Sie dazu?

Steffen Herhold:
Liga und Clubs betreiben einen sehr hohen Aufwand, um überhaupt spielen zu dürfen. Die Spieler, Trainer, Betreuer und Schiedsrichter werden mehrfach wöchentlich getestet. Kaum eine andere Branche hat solch ein engmaschiges Netz. Außerdem denke ich, dass die Sportübertragungen den Menschen doch auch etwas Unterhaltung und Abwechslung geben können.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, bald wieder vor Fans spielen zu können? Daran hängen ja auch Einnahmen.

Ich hoffe, dass wir mit Fortschreiten der Impfkampagne bald Licht am Ende des Tunnels sehen und in dieser Saison vielleicht doch noch einige Spiele mit begrenzter Zuschaueranzahl stattfinden können.

Apropos Einnahmen, wie verkraftet der Verein die aktuelle Situation aus wirtschaftlicher Sicht?

Es ist natürlich eine große Herausforderung, aber gerade durch die überregionale Berichterstattung und die Liveübertragungen auf MagentaSport sowie Sport1 sind wir medial sehr präsent. Dadurch können wir unseren Sponsoren eine hohe Wahrnehmung bieten und Basketballfans deutschlandweit erreichen.
Eine weitere wichtige Unterstützung sind die staatlichen Corona-Hilfen, weshalb ich zuversichtlich bin, dass wir die weggefallenen Zuschauereinnahmen auffangen können.

Der Sensationssieg gegen Bayern als Höhepunkt einer der wohl außergewöhnlichsten Wochen. Hätten Sie jemals gedacht, dass man solche Spiele mal ohne Zuschauer erlebt?

Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hätte sich wohl keiner vorstellen können, dass es einmal eine solche Situation geben würde. Aber wir müssen mit den Umständen leben und versuchen, das Beste draus zu machen. Deshalb ist der Klassenerhalt unser größtes Ziel, damit unsere Fans nächste Saison bei all diesen außergewöhnlichen Spielen endlich live in der Arena dabei sein können.

Man hatte zu Beginn der Saison eher den Eindruck, es ist eine Berg- und Talfahrt. Erst der holprige Saisonstart, dann doch sportliche Erfolge bis hin zum Verletzungspech mit Spielern, wie Filip Stanic. Was macht das mit Ihren Nerven?

Diese Saison ist in jederlei Hinsicht sehr herausfordernd, aber auch unglaublich spannend. Ich bin beeindruckt, wie gut die Mannschaft alle widrigen Umstände wegsteckt und das motiviert mich zusätzlich für meine tägliche Arbeit.

Sie waren jetzt in der letzten Zeit auf der Suche nach spielerischer Verstärkung.
Wie läuft das Scouting in der BBL bei den Niners grundsätzlich ab?

Über die Jahre haben wir ein großes Netzwerk aufgebaut, mit engen Kontakten zu Spieleragenturen und Scouts. Darauf greifen wir bei der Suche nach Verstärkungen zurück. Die sportliche Einschätzung eines Spielers übernimmt natürlich in erster Linie der Trainerstab, während das Finanzielle in meinen Bereich als Geschäftsführer fällt.

Inzwischen haben Sie mit Johnathan Williams einen weiteren Neuzugang auf der Center-Position. Warum ein Centerspieler und kein neuer Point Guard?

Zum einen haben und hatten wir auf den großen Positionen sehr viel Verletzungspech. Filip Stanic fiel quasi die komplette bisherige Saison aus, aber auch Jonas Richter und Joe Lawson plagen sich mit hartnäckigen Blessuren. Darauf mussten wir reagieren. Zum anderen hat sich insbesondere Marcus Thornton auf der Pointguardposition kontinuierlich verbessert, sich somit unser Vertrauen erspielt und verdient.

Nach dem Sieg gegen Bayern wird in der BBL teilweise sogar davon gesprochen, Chemnitz sei ein Anwärter für die Play-Off-Plätze. Hat sich das Ziel „Drin bleiben“ für den Rest der Spielzeit geändert?

Sport kann sehr schnelllebig sein und durch unsere kürzliche Quarantänezwangspause stehen wir vor einer komplett neuen Situation.
Die Mannschaft muss nun erstmal ihren Rhythmus wiederfinden und die spielerischen Automatismen zurückerlangen. Das braucht seine Zeit und kann auch Niederlagen verursachen, weshalb der Klassenerhalt weiterhin unser oberstes Ziel ist.

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