Stollberg vor dem großen Fest – Interview mit Oberbürgermeister Marcel Schmidt

Oberbürgermeister Marcel Schmidt hatte am Abend des 5. November im Schlachthof Stollberg gut lachen. Mit großer Mehrheit wurde er von der Bürgerschaft an diesem Tag für weitere sieben Jahre gewählt. Foto: Stefan Unger

Herr Schmidt, was erwartet die Bürgerschaft und Gäste zum Fest im Juni.
Der Höhepunkt für die Stadt Stollberg ist in diesem Jahr zweifelsfrei unsere Feier zum 675-jährigen Stadtrecht. Da sind wir zurzeit dabei, um noch ein paar Highlights zu organisieren. Unter dem Motto „Zu Gast bei Nachbarn und Freunden“ wollen wir vom 15. bis 24 Juni eine sehr ansprechende Festwoche ins Leben rufen.
Dabei soll die Verbindung der Vielfalt von ländlich geprägten Ortsteilen und den über ganz Stollberg verteilten Kulturstätten im Vordergrund stehen. Wir wollen insbesondere unsere Bürgerschaft bitten, Gäste in Eingangsbereiche alter Häuser, Innenhöfe oder Gärten einzulassen und so Einblicke in unsere Stadt zu gewähren, die sonst verschlossen sind.
Das Altstadtfest wird in die Festwoche integriert. Die Vereine der Stadt sind aufgerufen, sich aktiv am Fest einzubringen, damit die Feier, auch ohne einen Festumzug, noch lange in guter Erinnerung bleibt.

Was können Sie rückblickend auf das abgelaufene Jahr sagen?
Das Jahr 2017 lief in jeder Hinsicht sehr gut. Wir haben keine Schulden gemacht, im Gegenteil, wir haben weiter Schulden abgebaut. Es ist wieder ein ganzes Stück vorwärts gegangen in unserer schönen Stadt.
Im Gewerbegebiet hat sich ein großes Unternehmen angesiedelt, so dass das Gewerbegebiet so gut wie voll ist. Wir werden an der Autobahn eine weitere große Fläche erschließen, damit Platz für weitere Unternehmen wird.

Das Gewerbegebiet soll bald einen Bahnanschluss bekommen. Wann gehen die Bauarbeiten los?
Ob es in diesem Jahr noch los geht, ist eher unwahrscheinlich, weil noch das Planfestellungsverfahren läuft. Auf alle Fälle kann dann im Jahr 2019 begonnen werden. Wir als Stadt haben Gelder für Planungen vorgeschossen, damit das Projekt beginnen kann.

Die größte Baustelle der Stadt Stollberg ist und bleibt vorerst das Schloß Hoheneck. In der ehemaligen Wäscherei könnte einmal ein Schwimmbad entstehen. Foto: Stefan Unger

Was war im vergangenen Jahr die größte Baumaßnahme?
Das war die Baustelle Schloß Hoheneck. Das wird auch heuer so bleiben. Es wurde bereits viel über das ehemalige Frauengefängnis geschrieben. Aber vielleicht können Sie noch ein paar Sätze über den weiteren Werdegang dort berichten.
Dass das Theater-Pädogogische Zentrum (TPZ) dort einmal sein Domizil bekommen wird, ist jetzt in Sack und Tüten.
Aber der Termin des Umzugs wird wahrscheinlich erst im Jahr 2020 sein.
Für die Übergangsphase haben wir im „das Dürer“ eine gute und praktikable Lösung gefunden. Und auch die Gedenkstätte wird bald ins Schloß einziehen.
Das Gebäude der leerstehenden ehemaligen Wäscherei soll ebenfalls in den kommenden Jahren saniert werden. Überlegungen über deren Nutzung gibt es schon lange.
Dort könnte vielleicht einmal ein Bad entstehen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Aber kein Spaßbad, sondern ein Bad mit 25-Meter-Bahn, welches unter anderem die Schulen nutzen können. Schwerpunkt könnte für alle Anderen der Aquasport sein.
Früher hat man dort den Frauen ihre Freiheit, Kultur und Gesundheit genommen, jetzt soll da genau das Gegenteil geschehen.

Was passiert im ehemaligen Schlachthof. Sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?
Ja, sehr. Hier wurde ein schöner Ort für die Jugend geschaffen. So etwas braucht jede Stadt. Bei Tanz und Gemütlichkeit sollen sich die jungen Leute wohlfühlen und kennenlernen.
Das Konzept geht bisher auf, wir wollen allerdings mehr Angebote insbesondere für die Jugend zwischen 14 und 30 schaffen – es muss darum gehen, Freizeitangebote hier in der Stadt zu etablieren, damit die jungen Leute nicht nur nach Chemnitz schauen müssen.
Das Gebäude wurde in den letzten Jahren Schritt für Schritt saniert und ist nun in einem sehr guten Zustand. Wenn auch noch nicht zu hundert Prozent fertig.

Wie sieht es mit dem Wohnungsbau in Ihrer Stadt aus?
In diesem Jahr soll auch der Wohnungsbau in der Stadt Stollberg weiter gehen. Sowohl beim kommunalen Wohnungsbau, wie auch bei Eigenheimstandorten. Sobald Wohnungen bezugsfähig sind, werden sie schnell vermietet.
Das zeigt, dass der Bedarf von Wohnungen in allen Größen da ist.

Wie kommt man in Stollberg bezüglich des Hochwasserschutzes voran?
Da wollen wir am Heiligen Teich den Damm noch in Ordnung bringen und sind dafür beim Beschaffen von Fördermitteln dran. Beim letzten Hochwasser wurden Sickerstellen bemerkt. Wir hoffen auf Fördergeld. Federführend ist die Stadt.

Können Sie bitte etwas zum Papilio-Kinderprogramm sagen?
Hier geht es im Kern darum, dass die Kinder bereits im Kindergarten ein harmonisches Selbstbewusstsein entwickeln und einen zugewandten Umgang untereinander erlernen. Aus den Großstädten hören wir immer öfter Berichte über gewaltbereite Kinder und Jugendliche und Konzentrationsschwierigkeiten in den Schulen. Genau diese Probleme sollen frühzeitig angegangen werden in unserer Stadt.
Das Programm Papilio wird seit Jahren von der Freien Universität Berlin begleitet und zeigt in unseren Kindergärten schon jetzt interessante Entwicklungen. Wir möchten dieses Programm – für das gerade die Lebenshilfe in grossem Umfang ihre Mitarbeiter qualifiziert – als Grundlage und Fundament der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik unserer Stadt nutzen und den Standort Stollberg gerade über diesen „weichen“ Standortfaktor als einen herausragenden Wohn- und Heimatort gestalten.
Wir werden in Zukunft auch weiter in unserer Stadt bauen, aber die Inhalte, das Miteinander unserer Bürgerschaft, der Umgang mit unseren jungen Generationen, das wird die wichtigste Zukunftsaufgabe! Selbstbewusste und sympathische junge Menschen, die konzentriert lernen und arbeiten können, weil sie entspannt und zugewandt miteinander umgehen und sich ihrer selbst sicher sind – das ist die schönste Aussicht und Motivation für die Arbeit im Rathaus.

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