Tag der Wiederbelebung soll Angst vor Helfen nehmen

Priv.-Doz. Dr. med. Otto Eichelbrönner (M.), Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Chemnitz, demonstrierte am Mittwoch gemeinsam mit Dr. med. Stefanie Klette, Fachärztin für Anästhesie und Marian Preller, Arzt in Weiterbildung, die richtige Anwendung der Herzdruckmassage. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. „Sie machen nichts kaputt“, nimmt Priv.-Doz. Dr. med. Otto Eichelbrönner, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Chemnitz, die Angst vor der Herzdruckmassage. Wichtig sei, dass man sich traue überhaupt zu helfen. Denn im Falle eines Herzstillstandes komme es auf jede Sekunde an. Rund acht Minuten braucht im Schnitt der Rettungswagen bis er am Einsatzort ist. Doch bereits nach drei bis fünf Minuten wird das Gehirn nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt, wenn das Herz aufhört zu pumpen.

Immerhin gehört der Herzkreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses in den Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen. „In Deutschland werden pro Jahr außerhalb von Krankenhäusern rund 50.000 Wiederbelebungen durchgeführt“, so der Arzt. Und es könnten noch viel mehr sein. „Nur etwa 39 Prozent der Beobachter helfen“, weiß der Fachmann. Um die Angst vor falscher Herzdruckmassage und Erste Hilfe allgemein zu nehmen, sind er und einige Kollegen vom Klinikum Chemnitz heute noch bis 17 Uhr im Einkaufszentrum Sachsenallee.

Dr. Eichelbrönner kennt die Bedenken vieler Menschen: Angst, jemandem Schaden zuzufügen, die Herzdruckmassage nicht richtig auszuführen oder am Ende sogar mit juristischen Konsequenzen leben zu müssen. „Darüber braucht man sich keine Sorgen machen“, so der Arzt. Es gehe auch gar nicht darum, dass Ersthelfer alles perfekt ausführten, sondern um die Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen von Notarzt oder Rettungswagen. „An einem Rippenbruch stirbt man nicht – an einem Herzstillstand schon“, macht er deutlich.

Selbst in Krankenhäusern seien Begleiterscheinungen wie Rippenbrüche keine Seltenheit. Wichtig sei, den Kreislauf wieder in Gang zu setzen – alles andere verheile wieder. Wie es richtig geht, erklärten die Fachärzte anhand von Puppen. Auch die Anwendung von Defibrillatoren, die in vielen öffentlichen Gebäuden inzwischen Standard sind, war ein Thema. Auch hier gilt: Die Fehlermöglichkeiten sind gering. Das Gerät navigiert die Anwender.

Hintergründe

Der 16. Oktober gilt als internationale Tag der Wiederbelebung. Er findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. “Der Auftakt letztes Jahr war sehr erfolgreich. Es wurden weltweit über 675.000 Menschen in Reanimation trainiert. 12,7 Millionen Menschen wurden weltweit über die sozialen Medien erreicht”, schreibt der Deutsche Rat für Wiederbelebung auf seiner Website. Der 16. Oktober wurde gewählt, weil an dem Tag im Jahr 1846 die erste dokumentierte Narkose mit Äther durchgeführt wurde.

Durch Aufklärung und Erhöhung der Helferquote auf 50 Prozent sollen jährlich bis zu 10.000 Menschenleben gerettet werden.

Mehr Informationen zur Kampagne und wie man richtig hilft: www.grc-org.de

 

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