Thomy: Aktivisten

Aktivisten sorgen regelmäßig für Rauschen im Blätterwald. Das ist gut für die an Auflagenschwund leidende Presse und sichert den Fernsehanstalten preiswerte Sendungen. Deshalb sind Aktivisten bei den Medien beliebt – sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Volkswirtschaft, vergleichbar mit dem der Aktivisten der sozialistischen Arbeit in der letzten DDR. Die Mutter des staatlich geförderten Aktivismus, die legendäre Frida Hockauf, brachte es auf den Punkt: „Wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben.“ Die arme Frau träumte damals von einer Wohnung mit Fernheizung, Dusche und Spülklosett.

Die heutigen AktivistInnen, denen das Prinzip der Arbeit wohlstandsbedingt suspekt ist, haben dieses Motto zeitgemäß abgewandelt: „So wie wir heute leben, werden wir morgen sterben.“  Vornehmlich durch den globalen Hitzetod demnächst, der uns schon heute den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Lohnt Anstrengung bei dieser höllischen Perspektive noch? Oder Bildung? Frida hatte ihren Webstuhl im Blick; Greta hingegen, die aktuell populärste Aktivistin, kann bestimmte Moleküle sehen. Wozu also Chemie lernen? Chemie ist Gift! Oder Physik? Radioaktivität und Bomben! Mathe? Ein Herrschaftsinstrument der Finanzimperialisten! Der Gretinismus macht das Leben leichter, was wegen der erwarteten schweren Zukunft dringend notwendig ist. Wer etwas dagegen sagt, ist kein guter Aktivist, sondern ein böser Querulant,  Ewiggestriger, Populist. Er gehört eingesperrt, aber leider sind die Gefängnisse schon voll.

Schönes wochenende wünscht thomy

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