Thomy: Ich beichte

Großstädter leiden an Beton, Asphalt und Automobilen. Deshalb entwickeln sie eine romantische Sehnsucht nach etwas, was sie für unberührte Natur halten können. Im neuen, grünen Glauben geht es nicht mehr um den Herrn im Himmel, sondern um die schmerzlich vermisste Mutter Natur. Der Ökologismus ist auf Weg zur neogermanischen Leitreligion. Die Reihe ihrer Propheten reicht von Al Gore zu Greta.

Weil ich nicht auf dem Scheiterhaufen der Hitzehysteriker enden möchte, beichte ich jetzt. Ich habe gesündigt. Ich bin mit einem Auto mit Verbrennungsmotor gefahren, habe meine Wohnung im Winter auf mehr als zwanzig Grad überhitzt und regelmäßig Fleisch verzehrt habe ich auch. Ich habe Lebensmittel ohne Biosiegel in Plastetüten aus überheizten Supermärkten geschleppt. Ich gestehe außerdem, zwei Kinder aufgezogen zu haben, was eine wesentliche Mehrbelastung für das stark gestresste globale Ökosystem bedeutete.

Mit ist nun bewusst geworden, dass ich Mutter Erde, die heilige Gaja, mit meinem Dasein schwer belastet habe. Selbst die Tatsache, dass ich rauche und Alkohol trinke und dadurch mein schädlich-schändliches Leben im Interesse des Klimaschutzes deutlich verkürze, kann die Größe meines ökologischen Fußabdruckes, den ich in den Leib von Mutter Erde getreten habe, nur unzureichend verringern.

Ich werde als Zeichen meiner Reue das überreiche Honorar, welches mir durch diesen Artikel zufällt, in CO²-Zertifikate investieren und hoffe, dass mir dadurch Ablass gewährt wird. Zumindest ein bissel.

schönes wochenende, wünscht thomy

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