Tierschützer: Kein Krieg gegen unser Wild!

Foto: Jan Gläser

Symbolfoto: Jan Gläser

Drück- oder Hetzjagd?

Crottendorf/ Erzgebirge. Unter normalen Umständen würde man die jüngste Mitteilung des Sachsenforstes mit knurrendem Magen und tropfendem Zahn lesen. Unter der Überschrift „Jagdsaison bringt Wild in sächsische Küchen“, werden die Vorzüge von heimischen Waldtieren dem Leser schmackhaft gemacht. Wenn man allerdings erfährt, wie das Wild teilweise erlegt wird, bekommt das Ganze doch einen faden Beigeschmack.

Schon morgen (4. November) bläst der Landesforstbetrieb Sachsen (SBS) zur sogenannten Drückjagd im Erzgebirge und hat wieder deutschlandweit eingeladen. Darüber informierten jedenfalls  an den Landeswald angrenzende Revierinhaber www.wochenendspiegel.de: „Wir haben Hinweise, dass zum Teil über hundert Schützen aus der gesamten Republik und weit mehr als 50 Hunde dabei eingesetzt werden.“

Teilweise würden die Jäger in doppelten Schützenreihen aufgestellt, was kriegsähnlichen Zuständen nahe kommen würde. „Und Krieg gegen unsere heimischen Wildtiere dürfen wir nicht führen!“, appellieren Angehörige der Jägerschaft des Erzgebirges an die Protagonisten.

Man wolle nicht, dass solch eine Jagd, „bei der Treiber und laut jagende Hunde die Wälder durchstreifen und Schützen versuchen, das vor ihnen flüchtende Wild zu erlegen“, in eine Hetzjagd ausartet. Schließlich seien die Maßgaben vom Gesetzgeber streng geregelt.

Polizei und LRA informiert

Deshalb informierten die Jäger, Naturfreunde und Tierschützer im Umfeld des Landesforstes jetzt Landratsamt und Polizei, baten um Hilfe und darum, bei der Drückjagd am 4. November präventiv tätig zu werden. „Wir befürchten, dass so große Massen-Drückjagden nicht mehr im gesetzlichen Rahmen liegen. Sie könnten gegen eine Reihe von Gesetzen verstoßen, Jagdgesetz, Tierschutzgesetz, Fleischhygiene- und sogar das Waffengesetz“, warnen besorgte Jäger.

 

Sachsenforst erklärt sich

Sachsenforst hingegen begründet die Drückjagden von Ende Oktober bis Januar unter anderem mit dem Schutz von landwirtschaftlichen Nutzflächen und gepflanzten Baumarten, deren Knospen ganz oben auf dem Speiseplan der Tiere stehen.

So heißt es in einer Mitteilung: „Ein Ziel ist, dass gepflanzte und natürlich verjüngte standortgerechte Baumarten, je nach Region insbesondere Eichen, Rotbuchen oder Weißtannen, ohne künstliche Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise Zäune, wachsen können.“

Landesforstpräsident Prof. Dr. Hubert Braun: „Im sächsischen Staatswald sind Drückjagden ein entscheidendes Werkzeug zur effizienten Regulierung der Wildbestände und damit für den Erfolg unseres Waldumbaus, in den der Freistaat jährlich gut 15 Millionen Euro investiert.“

Das Wild werde nicht gehetzt, sondern frühzeitig alarmiert und damit langsam in Bewegung gebracht. „So können die auf Hochsitzen an günstigen Stellen postierten Jäger das langsam anwechselnde Wild tierschutzgerecht erlegen. Der Vorteil dieser Jagd-Art ist, dass ein und dieselbe Fläche in der Regel nur ein- bis maximal zweimal jährlich beunruhigt wird, während der mehrmals in der Woche auf seinem Hochsitz ausharrende einzelne Jäger eine Dauerbeunruhigung beim wachsamen Wild auslösen kann.“

Sicherheit hat Priorität

Braun versichert: „Sicherheit hat bei der Jagdausübung von Sachsenforst höchste Priorität. Die Vorbereitungen der Jagdgebiete, der gut organisierte Ablauf und die umfangreichen Sicherheitsbelehrung vor der Jagd sorgen dafür, dass das Unfallrisiko so gering wie möglich gehalten wird.“ Die betreffenden Gebiete würden vor und während der Drückjagd durch Hinweisschilder gekennzeichnet werden.

Abschließend weißt Sachsenforst darauf hin: „Waldbesucher werden gebeten, die Waldgebiete in dieser begrenzten Zeit zu meiden. Für die Straßen, die durch die betroffenen Jagdgebiete führen, werden soweit erforderlich, während der Jagden Geschwindigkeitsbegrenzungen verkehrsrechtlich angeordnet. Alle Verkehrsteilnehmer werden dringend gebeten, sich an diese Sicherheitsvorschriften zu halten, damit Unfälle mit flüchtigem Wild oder Jagdhunden vermieden werden.“

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