Über eine halbe Million Sachsen in Kurzarbeit

135.341 Sachsen sind ohne Job. 544.633 im März und April von Kurzarbeit betroffen. Foto: pixabay.com

So mischt Corona den Arbeitsmarkt auf

Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen vom Mai zeigen weiter die Auswirkungen der Corona-Krise. Seit Mitte März kam es in vielen Branchen zu einem Ausfall der Wirtschaftstätigkeit. Das hat den sächsischen Arbeitsmarkt geschwächt und zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt.

Die Zahl der Arbeitslosen ist von April auf Mai um 6.100 auf 135.300 arbeitslose Frauen und Männer gestiegen. Die Arbeitslosenquote hat sich um 0,3 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent erhöht. Im Mai haben über 2.500 weitere Unternehmen Kurzarbeit angezeigt, um Entlassungen zu vermeiden. Durch die Corona-Pandemie zeigten bereits in den vergangenen Monaten etwa vier von zehn Betrieben Kurzarbeit an.

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben den sächsischen Arbeitsmarkt auf das Jahr 2017 zurückversetzt. Damals lag die Arbeitslosenquote und die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen etwa auf dem heutigen Niveau. Es gibt aber einen kleinen Lichtblick für die Zukunft. Gegenüber dem April liegen weniger Arbeitslosmeldungen aus einer Beschäftigung heraus vor und die Betriebe haben wieder mehr freie Stellen gemeldet

Zwar hat der sächsische Arbeitsmarkt drei Jahre verloren, aber die Erfahrungen, Erkenntnisse und funktionierenden Netzwerke bleiben über die Krise hinaus bestehen. Mein Respekt gilt in dieser Zeit den Betrieben in Sachsen, die mit dem Kurzarbeitergeld ihre Beschäftigten im Unternehmen halten. Ihnen versichere ich, dass wir den Erwartungen gerecht werden – schnelle Auszahlung des Kurzarbeitergeldes, Hilfe bei der Besetzung freier Stellen und die dafür notwendige Beratung“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Die Fakten:

Anzeigen auf Kurzarbeit im Mai: 2.539
Personen in den Anzeigen auf Kurzarbeit im Mai: 31.722

Anzeigen auf Kurzarbeit im März und April: 48.565
Personen in den Anzeigen auf Kurzarbeit im März und April: 544.633

Arbeitslosenzahl im Mai: 135.341
Arbeitslosenzahl im Vormonatsvergleich (129.226): +6.115 oder +4,7 Prozent
Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich (114.513): +20.828 oder +18,2 Prozent
Arbeitslosenquote im Mai: 6,4 Prozent

Kurzarbeit
Im Mai haben in Sachsen weitere 2.539 Betriebe Kurzarbeit neu angezeigt. Hinter diesen Anzeigen stehen 31.722 Beschäftigte aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen.
Die meisten Anzeigen sind im Mai von Betrieben aus dem Ausbaugewerbe (244), dem Einzelhandel (183), der Gastronomie (147), dem Gesundheitswesen (140) und dem Großhandel (112) eingegangen.

Damit ist im Verlauf der Corona-Krise die Zahl der Anzeigen zurückgegangen. Allein in den Monaten März und April haben 58.565 Betriebe für 544.633 Personen angezeigt. Diese Anzeigen auf Kurzarbeit und die davon betroffenen Personen bilden eine Obergrenze ab.

Der tatsächliche Umfang der Kurzarbeit wird geringer ausfallen. Denn Kurzarbeit muss durch die Unternehmen zuerst angezeigt werden. Nach der Bewilligung der Anzeige können die Unternehmer das bereits vorfinanzierte und an die Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragen – dafür haben sie drei Monate Zeit. Erst mit dem monatlich nachträglich gestellten Antrag sind der konkrete Umfang des Arbeitsausfalls und die davon betroffenen Beschäftigten ersichtlich.

Arbeitslosigkeit
Ohne das Kurzarbeitergeld wären die Arbeitslosenzahlen im Mai deutlich höher ausgefallen. Im Vergleich zum Vormonat waren 6.115 mehr (plus 4,7 Prozent) und zum Vorjahresmonat 20.828 mehr Menschen arbeitslos gemeldet (plus 18,2 Prozent). Insgesamt gab es im Mai in Sachsen 135.341 arbeitslose Menschen.

Aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung haben sich im Mai 9.798 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 3.219 weniger (minus 24,7 Prozent) als im Vormonat und 1.428 mehr (plus 17,1 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die eine neue Beschäftigung aufgenommen haben, weiter gesunken. 6.042 Frauen und Männer haben sich im Mai aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung abgemeldet. Im Vergleich zum April 2020 sind das 838 (minus 12,2 Prozent) und zum Vorjahresmonat 3.305 weniger (minus 35,4 Prozent).

Im Mai wurden 38,9 Prozent aller Arbeitslosen (52.715) im Rechtskreis SGB III von einer Agentur für Arbeit und 61,1 Prozent (82.626) im Rechtskreis SGB II von einem Träger der Grundsicherung betreut. Im Vergleich zum Vormonat sind in den Arbeitsagenturen 2.486 mehr Frauen und Männer arbeitslos gemeldet (plus 4,9 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahr sind es 16.197 Arbeitslose mehr (plus 44,4 Prozent). In den Jobcentern ist die Arbeitslosenzahl zum Vormonat um 3.629 (plus 4,6 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Plus von 4.631 (plus 5,9 Prozent) gestiegen.

Die Arbeitslosenquote belief sich im Mai auf 6,4 Prozent, ein Plus von 0,3 Prozentpunkten gegenüber April. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg sie um einen Prozentpunkt.

Arbeitskräftenachfrage
Im Mai haben sächsische Betriebe insgesamt 6.133 freie Stellen neu gemeldet. Das waren 2.330 mehr als im April (plus 61,3 Prozent) und 2.161 weniger als im Mai 2019 (minus 26,1 Prozent). Damit waren in den sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcentern insgesamt 32.189 freie Stellen gemeldet, 1.808 weniger als im Vormonat und 5.739 weniger als vor einem Jahr. Im Kontext Corona gibt es vor allem in den systemrelevanten Bereichen einen anhaltenden Bedarf nach Arbeitskräften. Der gemeinsame Arbeitgeberservice berät suchende Unternehmen und vermittelt geeignete Bewerber. Auch die Regionaldirektion Sachsen hat speziell für die Vermittlung in systemrelevante Bereiche eine Hotline für Arbeitgeber eingerichtet. Weitere Informationen: www.arbeitsagentur.de/sachsen.

Grundsicherung
Im Mai waren 154.247 Familien (Bedarfsgemeinschaften) auf finanzielle Unterstützung vom Jobcenter angewiesen. Damit ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 1.404 gestiegen. 193.348 Menschen sind insgesamt auf Grundsicherungsleistungen angewiesen, 3.260 mehr als im April. Auch für Selbständige oder Kurzarbeiter wurde der Zugang zur Grundsicherung erleichtert, um deren Einkommensverluste teilweise abzufedern.

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