Unter Strom: Grenzübergreifende Lastenverteilung

Dr. Dirk Biermann (r.), Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb bei 50Hertz, im Gespräch mit Pressechef Volker Kamm vor einem der beiden Phasenschiebertransformatoren. Fotos: Cindy Haase

Chemnitz/Röhrsdorf. Um Stromflüsse auch grenzübergreifend besser steuern zu können, kommen in Röhrsdorf seit einigen Monaten sogenannte Phasenschiebertransformatoren (PST) zum Einsatz. Erste Erfahrungen mit diesen Anlagen wurden heute im Regionalzentrum Süd von 50Hertz, einem Übertragungsnetzbetreiber, im Rahmen der internationalen Tagung „Lastflüsse steuern. Europäischen Stromhandel stärken“ diskutiert.

Das Problem bisher: Strom kennt keine Grenzen und fließt auf allen ihm zur Verfügung stehenden Leitungen. Das kann dazu führen, dass große Strommengen auch in Nachbarländer wie Tschechien oder Polen fließen und dort zu einer Überlastung führen. Außerdem wird der Strom dort aufgrund eigener Netze nicht wirklich benötigt. Vor allem sogenannte „ungeplante Ringflüsse“, also wenn Strom beispielsweise aus Deutschland über mehrere Nachbarländer hinweg am Ende wieder nach Deutschland fließt (im Kreis sozusagen)  machte den Betreibern Sorgen.

Die Lösung: Mit PST werden Lastflüsse im Wechselstromnetz, auch zwischen benachtbarten Ländern besser gesteuert. „Das muss man sich vom Prinzip wie ein Ventil vorstellen. Der Stromfluss durch die Leitung kann gesteuert werden“, erklärte heute Dr. Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb bei 50Hertz.  Zwei dieser PST kommen im Umspannwerk in Röhrsdorf wegen der Nähe zu Tschechien zum Einsatz, weitere stehen in Vierraden (Mecklenburg-Vorpommern) in Nähe der polnischen Grenze. Parallel dazu stehen auf der Seite der jeweiligen Länder ähnliche Anlagen.

Die ersten Erfahrungen sind laut Biermann durchweg positiv: „Wir steuern hiermit Leistungsflüsse sinnvoll“, ist er überzeugt. Man habe schon eine deutliche Entlastung der Nachbarnetze erreicht. Durch die neuen Steuermöglichkeiten stünden auch perspektivisch mehr Kapazitäten für den europäischen Stromhandel zur Verfügung. Auch im heimischen Netz werden PST zunehmend eingesetzt, um das Netz effizienter zu machen.

Impressionen aus dem Umspannwerk in Röhrsdorf. Sage und schreibe 380.000 Volt fließen durch die Leitungen.

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