Verheugens Warnungen!

Günter Verheugen während seiner Rede beim Fachsymposium in Aue Foto: Sven Günther

Günter Verheugen während seiner Rede beim Fachsymposium in Aue
Foto: Sven Günther

 

Von Sven Günther
Aue. Er stemmt beide Arme auf das runde Pult, blickt ernst ins Auditorium und packt seine Zuhörer verbal an den Schultern, rüttelt, mahnt, beschwört die Politik. Wir sehen Günter Verheugen, einen der prägnantesten deutschen Politiker während seiner beeindruckenden Rede zur Hausmesse der AWEBA-Group in Aue.
Verheugen. Erst FDP-, dann SPD-Spitzenpolitiker. Bundestagsmitglied von 1983 bis 1999, EU-Kommissar für Industrie- und Unternehmenspolitik.
Knapp eine Stunde sprach er zu den 170 geladenen Gästen, Unternehmern und Kunden, zog sie in seinen Bann, brachte sie zum Nachdenken und Applaudieren, kritisierte die aktuelle Politik.
Verheugen zum Prozess der EU-Integration: „Er wirkt auf mich heute so wie ein Auto, bei dem der Motor schon abgestellt ist, das aber noch rollt. Der Moment des Stillstands ist absehbar.
Verheugen zum Thema Asyl: „Die Wahrheit ist, dass wir schon seit 20 Jahren wissen, das Europa das Immigrationsland für Afrika sein wird. Ich habe schon 2003 gesagt, dass wir ein Problem mit der Sicherheit unserer Außengrenzen bekommen werden, wollte es zu einer europäischen Gemeinschaftsaufgabe machen.
Der Hauptwiderstand kam aus Deutschland, weil es keine Außengrenze hat. Jetzt, zehn Jahre später, schlagen Deutschland und Frankreich vor, einen Fond von 10 Milliarden Euro aufzulegen, um den Schutz der EU-Außengrenzen möglich zu machen. Da greift man sich an den Kopf.“

Von lokal zu global
Fachsymposium zur Internationalisierung der automobilen Zulieferkette bei AWEBA

Wenn eine Firma seit über 130 Jahren erfolgreich existiert, müssen die Verantwortlichen viel richtig gemacht haben. Die AWEBA gibt es seit 1882, beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter und konnte ihren Umsatz in den vergangenen vier Jahren verdoppeln.
Im März gab es den nächsten Schritt in eine erfolgreiche Zukunft. Das Motto: Von lokal zu global!
Der Werkzeugbauer eröffnete in Dublin/Georgia seinen ersten US-Standort. Dazu sind in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von sechs Millionen US-Dollar geplant. Die Produktion startet in einer 3.000 Quadratmeter großen Werkhalle, in der im ersten Schritt über 50 Arbeitsplätze für den Werkzeug- und Formenbau entstehen.
Von lokal zu global! Unter dieser  Überschrift stand auch das Fachsymposium zur Hausmesse im Auer AWEBA-Stammsitz, das vor wenigen Tagen von Geschäftsführer Udo Binder eröffnet wurde. Neben Günter Verheugen referierten renommierte Gastredner über die Besonderheiten internationaler Märkte und Regionen.
Der Nachmittag stand im Zeichen innovativer Werkzeugtechnologien. Spannende Vorträge von externen Experten und AWEBA-Mitarbeitern beleuchteten die ganze Welt des Werkzeugbaus. Aber in den Pausen debattierten die Experten immer wieder über die Verheugen-Rede, die beeindruckte. Verheugen kritisierte zum Beispiel, dass es keine klare politische Aussage gibt, welche Art von Zuwanderung man in Europa benötigt. Der Politiker: „Dass wir Zuwanderung brauchen, ist unbestritten. Aber keine wilde Zuwanderung wie in den letzten Jahren.“ Zum Thema Zukunft meinte er: „Sehen sie sich die Handys an und gehen sie davon aus, dass sich die technische Entwicklung noch beschleunigt. Wer dann erzählt, wie das Leben in 30 Jahren aussehen wird, ist ein Scharlatan! Man kann nur etwas über Trends sagen.“
In seinen Augen wird sich der Trend zur ökonomische Globalisierung fortsetzen, Innovationen und Qualität seien dabei die Schlüssel zum Erfolg für Europa. „Das beste Produkt mit der höchsten Qualität wird sich durchsetzen,“ sagt Verheugen. Und: „Die Zahl der friedensbedrohenden Konflikte wird zunehmen. Schon heute ist die Lage gefährlicher als im Kalten Krieg, weil es keine Rationalität gibt.“
Entscheidend für eine positive Zukunft ist für den Wirtschaftsexperten ein Freihandelsabkommen mit den USA sowie Forschung und Entwicklung!
Verheugen: „Es kann einem schwarz werden vor Augen, wenn man sieht, das wir schon im Jahr 2000 beschlossen haben, bis 2010 drei Prozent des Bruttosozialproduktes auszugeben. Geschafft haben wir gerade mal 1,8 Prozent! Jetzt wollen wir das Ziel 2020 erreichen. Wir haben im EU-Haushalt einen Agraranteil von 40 Prozent und die Mittel für Forschung und  Entwicklung liegen unter denen eines einzelnen Automobilkonzernes. Da weiß man, was falsch läuft.“

170 Gäste besuchten das Fachsymposium und die Hausmesse bei AWEBA in Aue. Foto: Sven Günther

170 Gäste besuchten das Fachsymposium und die Hausmesse bei AWEBA in Aue. Foto: Sven Günther

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