Virus V-I-N-Y-L

Schwarz! Rund! Tillophon! Jens Roscher in seinem Schallplattenladen in Annaberg-Buchholz. Foto: Uwe Meinhold

Schwarz! Rund! Tillophon!

Von Sven Günther
Annaberg-Buchholz. Er hat sich das Virus vor vierzig Jahren eingefangen. Unbemerkt. Über die Ohren, die Hände und die Augen direkt ins emotionale Zentrum. V-I-N-Y-L!
Jens Roscher (54) infizierte sich mit seiner ersten Amiga-Schallplatte. Smokie. „Living next door to Alice“, röhrte Chris Norman.
Heute lächelt Roscher über seinen Musikgeschmack von damals, freut sich aber, dass ihn das Schallplatten-Fieber nie losgelassen hat. Dieser einzigartige warme Klang, dieses Gefühl, wenn die Scheibe aus einem sehenswerten Cover schlüpft. Dazu dass fast romantische Knistern, hin und wieder ein elektrisierender Knacks…
Jetzt ist Roscher zum Dealer geworden, bietet Vinyl-Besessenen den schwarzen runden Stoff an, der sie träumen lässt. Roscher verkauft in seinem Geschäft „Tillophon“ in der Buchholzer Straße 32 Schallplattern, freut sich über die positive Resonanz. Roscher: „Es kamen schon Kunden aus Chemnitz, aus Schwarzenberg oder anderen Orten im Erzgebirge. Wir sind ja der einzige Plattenladen in der Region.“
Neben den schwarzen Scheiben bietet er Aufenthaltsqualität. Kaffee, Limonade oder Bier werden gereicht.
Dazu gibt es fachkompetente Plaudereien. Erstauflage? 180 Gramm? Japanische Pressung? Nicken, Lächeln, sich über Raritäten freuen. Dafür steht Tillophon, neben dem eine Gaststätte eröffnet werden soll.
Roscher: „Wir planen, bald 5000 Scheiben aller Musik-Genres im Geschäft zu haben. Punk, Rock, Blues oder Heavy Metal, aber auch Schlager oder Pop. Wir richten uns nach den Wünschen der Kunden, können auch Platten bestellen.“
Nicht genug. Roscher, der auch mit seiner Agentur „Grenzgänger“ Konzerte veranstaltet, jahrlang das Booking für die Alte Brauerei machte, denkt weiter und sagt: „Wir werden auch Konzert-Tickets verkaufen und vielleicht vier oder fünf eigene Veranstaltungen organisieren. Vielleicht gibt es eine AC-DC-Covernacht mit Spejbl‘s Helprs in der Festhalle.“
Um das Sortiment zu erweitern, werden im Tillophon auch Schallplatten aufgekauft. Wer seine gehörten Scheiben loswerden will, kann vorbei kommen. Die Vinyl-Freaks brauchen ständig neuen Stoff…

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