Volkskunst und Glühwein wider dem Terror, oder: gut gefüllt auf dem Weihnachtsmarkt

Foto: pixabay.com

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Terrorattentatsattacken bei Schwermetall-Musikkonzerten, Bombenbedrohungsszenarien während König Fußball herrscht – sollte man noch auf öffentliche Veranstaltungen gehen, wo doch jetzt scheinbar der Terror regiert? Sollte man dem Drang nachgeben, den traditionellen abendländischen Bräuchen nachzugehen und die hiesigen Weihnachtsmärkte aufzusuchen, wo doch auch hinter jedem weißen Vollbart ein detonationswütiger Albino-Gotteskrieger stecken könnte? Ich hab’s getestet. Und ich habe überlebt – zwar nur knapp – aber ich lebe noch.
Mehr als gut gefüllt war der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz – und nicht nur der. Durch die Satellitengürtel der Freihandelszonen, wo Massen an mandeläugigen Mekong-Migranten mit dem Verkauf zertifizierter Strickwaren wie Mützen und Schals sowie mit ledernen Handschuhen drohten, kämpfte man sich in den Speckgürtel des weihnachtsmärkt’schen Kulturzentrum. Zwischen diesem Standspalier aus Glühwein-, Punsch- und Fress-Gebäck- und -bratbuden wogte der glühwein- und grogschwangere Antiterrordemonstrationszug umher, der mit seiner sichtlichen Unordnung, die den Anschein vollkommener Verwirrung erweckte, jeden Todesboten sein Vorhaben hätte vergessen lassen.
Zwischen diesen tausenden Lebensbejahern und Terrortrotzern ging kaum ein Bratapfel zur Erde und Muttis mitgeschleppter Golden Retriever brauchte im Nachgang neben einer Faustan auch noch ein oder zwei Packungen Fleckensalz, um den Glühwein wieder aus dem Pelz zu bekommen. Der hatte sich nämlich in Fiffis Fell mit allerlei Zuckerguss, Fressaliengekrümel und Soßenresten zu einer wasserabweisenden Isolationsschicht verbunden.
Im Vergnügungszentrum und kulturellen Brennpunkt angekommen, in dem sich Vollvermummte in Wolle, Pelz und Daunen dichtgedrängt gegenseitig zu wärmen schienen, heimorgelte sich ein mehr oder minder stimmsicherer Barde mit Songs aus Omas Musiktruhe in die Lebkuchenherzen des glüh(wein)enden Publikums.
Zwischen den zahllosen Holzkunstjüngern und Langosch-Lutschern waren vereinzelt wahrliche Kuriositäten zu erblicken: Rudolf, das rotnasige Schwanktier mit der Blinkbommelmütze, das mit dem Gewürznelkenstrauß im Atem eine Feuerzangenbowlonaise anzetteln wollte, Zwerg Säufernase mit den runden Schuhen, der im Rentierpulli wohl eine finnische Polka mit der Bratapfel-Mamsell tanzen wollte, die ihm – passend zum dargebotenen Produkt selbst rotbackig glänzend und kugelrund – ein Punsch-Stollen-Gemisch schwangeres „Laff miff in Ruhe!“ entgegen sprudelte.
Kurzum:
Die Advente wurden gefeiert wie zu jedem Jahr.
Vergessen – spätestens nach dem dritten Glühwein – alle Terrorgefahr.
Es lebt die christliche Völlerei in Erwartung des Herrn.
Oh, Weihnacht, oh, Christkind, wir haben Dich gern.

 

der Frosch

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