Von der grünen Wiese in eine bessere Zukunft?

Tanzen verbindet. So auch beim zweiten Begegnungsfest am Sonntag in Mülsen. Foto: Alice Jagals

Tanzen verbindet. So auch beim zweiten Begegnungsfest am Sonntag in Mülsen. Foto: Alice Jagals

Mülsen. Der eine kann es schon nicht mehr hören, der andere regt sich nur noch auf. So manch einer nimmt aber auch die Gelegenheit beim Schopfe und geht selbst einmal zu einem Asylbewerber. Einfach so. Man kann „ihn“ ja mal fragen, wieso er aus seinem Land geflüchtet ist. Wieso er allein hier her nach Deutschland gekommen ist und wohin sein Blick in Richtung Zukunft geht.

Am Sonntag lud die Stadtmission Zwickau Mülsener Bürger zu einem Begegnungsfest in das Asylbewerberheim an der Äußeren Dresdner Straße ein – das zweite seit Bestehen im Mai dieses Jahres. Derzeit leben 224 Bewohner – ausschließlich Männer – in dem Plattenbau. Etwa nochmal so viele Gäste kamen und tanzten, aßen und traten mit den Bewohnern in Kontakt.

Die Gerichte wurden von den Asylbewerbern gekocht. Die Zutaten besorgten Ehrenamtliche. Wahrlich rund ging es auf der „Tanzfläche“, auf der ausgelassen zu orientalischer Musik gefeiert wurde.

Dennoch: Viele Besucher taten sich schwer, mit den Bewohnern in Kontakt zu treten. Dabei gibt es nicht nur eine Sprachbarriere. Beide Seiten trauten sich nicht recht. Doch war die Schüchternheit erst einmal verflogen, wurden Gespräche ausgetauscht. Immerhin gibt es schon viele Ehrenamtliche, die die Menschen dort unterstützen. „Wir haben derzeit beispielsweise neun Deutschkurse, die von Ehrenamtlichen angeboten werden“, erzählt Gabriele Floßmann, Vorstandsvorsitzende der Stadtmission Zwickau. Vor Ort kümmern sich insgesamt vier Sozialbetreuer um das tägliche Miteinander. Ein Büro ist direkt im Haus angesiedelt. „In dem Block gibt es ausschließlich Wohnungen, in denen zwei bis fünf Leute wohnen“, so Floßmann. „Bei der Verteilung haben wir auch darauf geachtet, dass wir gemeinsame Kulturkreise auch zusammenlegen. Das ist schon aufgrund der Kommunikation besser.“

Bisher hätte es keine Unruhen gegeben. Dennoch: Den meisten der Männer ist langweilig. Nach eine Odysee schien die Ruhe vorerst gut zu tun. Doch eben an der Dresdner Straße gibt es nicht einmal einen Fußweg. Der Versuch, einen Shuttlebus für die Bewohner zu versorgen, um sie ab und an in die Stadt zu fahren oder zumindest zum Einkaufsmarkt, wird nicht unternommen. „Dann würden wir die Bewohner hier bevorzugen. Immerhin gibt es hier öffentliche Verkehrsmittel. Die stehen jedem zur Verfügung. Allerdings kosten die natürlich Geld.“

Stattdessen laufen viele von ihnen entlang der 70er Zone in Richtung Zentrum. Da es immer zeitiger dunkel wird, steigt auch das Risiko, auf der Straße nicht gleich erkannt zu werden. „Daher haben wir heute sogar eine Spende von 100 Warnwesten erhalten“, freut sich Gabriele Floßmann.

Acht verschiedene Nationalitäten wohnen in dem Block. Einige von ihnen können Englisch. Einen W-LAN-Zugang gibt es nicht. Man teilt sich in ein Handy quasi rein. Man will schließlich Kontakt mit der Familie zuhause haben.

WochenEndSpiegel im Gespräch: Ein Asylbewerber erzählt
Auf die Frage, wieso ein Bewohner seine Familie – eine Frau und drei Kinder – verlassen habe, meinte dieser, dass seine Familie in Pakistan lebt. Und das derzeit sicher. Er selbst wäre es nicht. Er hatte in Afghanistan gearbeitet, doch durch die Unruhen, wäre er nicht mehr sicher gewesen. Der 42-Jährige wollte auch explizit nach Deutschland. Für einen Schlepper zahlte er 800 Euro. Einen Monat hat er bis nach Deutschland gebraucht. Seit wenigen Wochen ist er nun in Mülsen und voller Tatendrang. „I am an allrounder“, erzählt er. Also ein „Alleskönner“, wenn es um die Arbeit geht. In einem Jahr möchte er seine Familie her holen mit dem Ziel, in zwei Jahren wieder in die Heimat zurückzukehren, „when it´s save“ – wenn es dort denn sicher ist, erklärt er. Was er brauche? Er würde gern Zeitung lesen und Deutsch lernen. Am besten mit einem Deutsch-Englischen Übersetzungsbuch. Die Zeit hätte er, denn es ist nicht viel los, hier in Mülsen an der Dresdner Straße.

Service
Wer sich ehrenamtlich einbringen möchte, kann sich bei der Stadtmission Zwickau melden: 0375-275040.

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