Von „Weiter so!“ bis „Genug!“

Chemnitz-Zentrum. Von schnulzigen Evergreens über Mittelalterklänge und Balkanweisen bis Klassik ist alles zu hören. Straßenmusiker verschiedener Couleur geben besonders im Areal zwischen Galeria Kaufhof, Chemnitz-Plaza und Galerie Roter Turm ihre Melodien zum Besten.

Ob dabei die Kasse ein wenig klingelt und ob die ansässigen Händler das Treiben wohlwollend oder genervt zur Kenntnis nehmen, hängt von der Qualität, der Lautstärke und den Wiederholungen ab.

Eine Nachfrage bei Händlern ergab, dass der größte Teil Straßenmusik als Bereicherung einer lebendigen Innenstadt empfindet. Besonders gelobt wird zum Beispiel ein Gitarrist, der aller zwei bis drei Wochen in Chemnitz in die Saiten greift. Da würde sogar der eine oder andere Händler und Verkäufer mal vor die Tür gehen, um zuzuhören.

„Straßenmusik gehört in jede Großstadt. Sie bringt Abwechslung und Unterhaltung in die Innenstadt und damit ein angenehmes Flair“, sagt Jörg Knöfel, Werbegemeinschaftschef der Galerie Roter Turm, betont aber: „Natürlich nur dann, wenn die Musiker ihr Instrument beherrschen.“ Nicht anders sieht es Galeria Kaufhof-Geschäftsführerin Eileen Heydel: „Straßenmusikanten gibt es in jeder Großstadt, ob in Übersee oder in Europa. Auch in Chemnitz bereichern sie das Stadtbild und bringen so neben Unterhaltung und Kurzweil auch ein bisschen weltstädtisches Flair in die Innenstadt.“ Beschwerden seien ihr noch keine zu Ohren gekommen.

Trotzdem gibt es Barden, die bei einigen Händlern und Passanten gar nicht gut weg kommen. Viele fühlen sich zum Beispiel von einem Dudelsackspieler  mächtig genervt. Der Grund ist nicht etwa, dass dieser den Musikgeschmack der Händler weit verfehlen würde, sondern eher die Lautstärke und Ausdauer seiner Darbietungen. Halten Geschäfte in der warmen Jahreszeit ihre Türen als Willkommensgeste für die Kunden offen, müssten diese bei der Dudelsackbeschallung geschlossen werden – zum einen wegen der Ohren der dort Beschäftigten und zum anderen, weil man sich sonst nicht mehr mit Kunden unterhalten könne.

Händler führen auch in die Diskussion, dass Passanten die Klänge im Vorbeigehen hören, ihre Angestellten der Beschallung aber über mehrere Stunden ausgesetzt seien. Zu laute Musik und monotone Darbietungen bzw. ständige Wiederholungen seien dann manchmal unerträglich. Dabei sei es sogar schon zu Beileidsbekundungen von Kunden gekommen, berichtet ein Händler. Trotz der eigentlich hohen Akzeptanz gegenüber Straßenmusikern kommt dann schon mal die Überlegung auf, die Spielzeit per Verordnung zu begrenzen.

Dabei ließen sich derartige Ausnahmesituationen mit der bereits bestehenden Rechtslage klären. Generell ist die Benutzung von Straßen über den Gemeingebrauch hinaus Sondernutzung. Allerdings werde bei Kontrollen von Straßenmusikern auf öffentlichen Flächen keine Genehmigung verlangt, teilt die Stadtverwaltung mit. Würden sich allerdings Bürger oder Gewerbetreibende beschweren, würden die Straßenmusikanten aufgefordert, weiter zu gehen. Auf den Marktflächen sei das Musizieren eigentlich nicht erlaubt. Solange es erträglich sei, toleriere man dies aber auch dort. Nach einer halben Stunde allerdings würden die Musiker in der Regel aufgefordert, weiter zu gehen.

Etwas anderes sähen die Regelungen bei Musikgruppen aus. Weil diese größere Flächen benötigen und eventuell auch mehr Interessenten stehen bleiben könnten, sollten diese ihren „Straßen-Gig“ als Veranstaltung anmelden.

Nach Aussage der Stadtverwaltung dürfen Straßenmusiker zwar nicht aggressiv betteln, ein  Körbchen aufzustellen, wo Passanten etwas Kleingeld hineinwerfen können, sei aber nicht verboten.

Grundsätzlich gehe das Ordnungsamt mit dem Thema Straßenmusiker wohlwollend und tolerant um. Werde die Allgemeinheit aber zu sehr belästigt, etwa dann, wenn Musikanten immer wieder das gleiche Lied spielen oder die Darbietung so schlecht sei, dass sie eigentlich unerträglich sei, könne das öffentliche Spielen aber auch unterbunden werden. Gleiches sei auch aus Sicherheitsgründen möglich, zum Beispiel, wenn durch stehen bleibende Passanten Durchgänge versperrt würden oder sich große Menschenansammlungen an Straßen bilden, wodurch der Verkehr gestört oder die Passanten gefährdet würden.

Die Ambitionen, auf der Straße zu musizieren, sind vielfältig. Marktsackpfeife-Spieler Maurice Heinig tut es wie die meisten heute aus Spaß. „Als ich eine Zeitlang auf Hartz-IV war, habe ich das erspielte  Geld aber auch zum Überleben gebraucht“, erklärt er. Mit dem gleichen Instrument an seiner Seite freut sich Mechatroniker-Azubi Edgar Naumann über ein bisschen Taschengeld und einen kleinen Zuschuss für Proben seiner Band. Die Reaktionen der Passanten auf ihre bis zu zwei Stunden langen Darbietungen mittelalterlicher Klänge beschreiben beide offen von „Weiter so!“ bis „Gut, gut. Genug!“

Bei vielen recht beliebt sind die beiden Peruaner Ariel und Gustavo, zusammen auch bekannt als „Killinchu“. Unterstützt von selbst eingespielten Arrangements spielen sie auf Flöten neben südamerikanischer Folklore auch Schlager. Beide wohnen in Leipzig. Weil sie kein Auto haben, kommen sie mit Stromaggregat, Verstärker, Lautsprecher, Mikrofonen und ihrem CD-Koffer mit dem Zug nach Chemnitz. „Wir melden uns vorher immer beim Marktmeister an“, sagt Gustavo. Dann beschallen sie das Areal – mit Pausen – bis zu drei Stunden lang. Der finanzielle Ertrag wird von beiden geschätzt. Von ihrer Musik zu leben, sei aber sehr schwer.  bit

Ariel und Gustavo schleppen ihr Equipement, bestehend aus Stromaggregat, Verstärker, Lautsprecher, Mikrofonen, natürlich ihren Instrumenten und einem CD-Koffer mit dem Zug von Leipzig nach Chemnitz. Foto: bit

Ariel und Gustavo schleppen ihr Equipement, bestehend aus Stromaggregat, Verstärker, Lautsprecher, Mikrofonen, natürlich ihren Instrumenten und einem CD-Koffer mit dem Zug von Leipzig nach Chemnitz. Foto: bit

Die Marktsackpfeifen-Spieler Maurice Heinig (l.) und Edgar Naumann (r.) ­erspielen sich Taschengeld und Zuschuss für Band-Proben. Foto: bit

Die Marktsackpfeifen-Spieler Maurice Heinig (l.) und Edgar Naumann (r.) ­erspielen sich Taschengeld und Zuschuss für Band-Proben. Foto: bit

Was halten die Chemnitzer von Straßenmusikern?

Aniela und Vanessa: Wir finden, dass es in Ordnung ist, wenn Straßenmusiker hier anzutreffen sind. Allerdings wird meistens unser persönlicher Geschmack nicht getroffen und das Programm könnte hin und wieder abwechslungsreicher sein. Deswegen wäre es auch nicht so schlimm, wenn es keine Straßenmusiker in der Innenstadt gäbe.  In Leipzig ist das anders, diese Szene ist dort viel interessanter und es ist auch mehr los. Wir würden uns zum Beispiel mehr über Bands oder junge Gitarristen freuen, da die unserer Geschmack eher treffen als Akkordeonspieler. Wenn uns dann ein Künstler gut gefällt, bleiben wir auch gerne stehen und würde auch etwas Geld spenden. Foto: bit

Aniela und Vanessa:
Wir finden, dass es in Ordnung ist, wenn Straßenmusiker hier anzutreffen sind. Allerdings wird meistens unser persönlicher Geschmack nicht getroffen und das Programm könnte hin und wieder abwechslungsreicher sein. Deswegen wäre es auch nicht so schlimm, wenn es keine Straßenmusiker in der Innenstadt gäbe.
In Leipzig ist das anders, diese Szene ist dort viel interessanter und es ist auch mehr los. Wir würden uns zum Beispiel mehr über Bands oder junge Gitarristen freuen, da die unserer Geschmack eher treffen als Akkordeonspieler. Wenn uns dann ein Künstler gut gefällt, bleiben wir auch gerne stehen und würde auch etwas Geld spenden. Foto: bit

Martin Günther: Ich finde Straßenmusiker prinzipiell gut und wenn sie dann noch tolle Musik machen, bin ich gern bereit Geld zu geben. Sie tragen einfach zum Flair der Innenstadt bei und beleben diese auch.  Leider ist in Chemnitz diesbezüglich nicht allzu viel los. Mir persönlich gefällt zum Beispiel wie das alles so in der Londoner U-Bahn abläuft, klar das ist auch eine Nummer größer, aber dort gibt es eben deswegen mehr Abwechslung und die Stimmung ist gut. Ich würde mich freuen, wenn mehr Geiger oder generell Streichinstrumente in der Chemnitzer Innenstadt zu finden wären, da mich das sehr anspricht. Foto: bit

Martin Günther:
Ich finde Straßenmusiker prinzipiell gut und wenn sie dann noch tolle Musik machen, bin ich gern bereit Geld zu geben. Sie tragen einfach zum Flair der Innenstadt bei und beleben diese auch.
Leider ist in Chemnitz diesbezüglich nicht allzu viel los. Mir persönlich gefällt zum Beispiel wie das alles so in der Londoner U-Bahn abläuft, klar das ist auch eine Nummer größer, aber dort gibt es eben deswegen mehr Abwechslung und die Stimmung ist gut. Ich würde mich freuen, wenn mehr Geiger oder generell Streichinstrumente in der Chemnitzer Innenstadt zu finden wären, da mich das sehr anspricht. Foto: bit

Andreas Conzendorf: Mir bereiten Straßenmusiker immer eine große Freude, unabhängig davon, ob mein persönlicher Geschmack direkt getroffen wird oder nicht, außerdem ist es in Chemnitz nicht so selbstverständlich wie in Leipzig oder Dresden. Ich bleibe auch fast immer stehen, selbst wenn die Musiker einmal nicht ganz so gut sind, denn ich finde es gehört sehr viel Mut dazu, sich einfach in die Fußgängerzone zu stellen und musikalisch loszulegen.  Auch Geld gebe ich deswegen sehr gern. Wenn es sich dann vielleicht auch noch um eine Familie mit Kindern handelt, die versuchen etwas Geld zu sammeln, dann kann man denen schon einmal was zukommen lassen. Foto: bit

Andreas Conzendorf:
Mir bereiten Straßenmusiker immer eine große Freude, unabhängig davon, ob mein persönlicher Geschmack direkt getroffen wird oder nicht, außerdem ist es in Chemnitz nicht so selbstverständlich wie in Leipzig oder Dresden. Ich bleibe auch fast immer stehen, selbst wenn die Musiker einmal nicht ganz so gut sind, denn ich finde es gehört sehr viel Mut dazu, sich einfach in die Fußgängerzone zu stellen und musikalisch loszulegen.
Auch Geld gebe ich deswegen sehr gern. Wenn es sich dann vielleicht auch noch um eine Familie mit Kindern handelt, die versuchen etwas Geld zu sammeln, dann kann man denen schon einmal was zukommen lassen. Foto: bit

Janine Bayer: Ich bin der Meinung, dass es auch immer auf die persönliche Stimmung ankommt und ob man vielleicht im Stress ist oder nicht. Generell finde ich aber, dass Straßenmusiker einfach eine schöne Stimmung in der Stadt erzeugen und zu einem gewissen Flair beitragen. Einen bestimmten Geschmack habe ich dabei nicht, aber mir gefallen zum Beispiel sehr diese Dudelsackspieler, die manchmal anzutreffen sind. Auch Gitarristen oder Panflötenspieler erzeugen immer eine sehr schöne Stimmung. Stehen bleibe ich allerdings selten, ich habe aber bisher auch noch nicht so sehr auf die Straßenmusiker geachtet. In Zukunft werde ich da jetzt eher mal ein Auge werfen und wenn's mir gefällt, auch etwas spenden. Foto: bit

Janine Bayer:
Ich bin der Meinung, dass es auch immer auf die persönliche Stimmung ankommt und ob man vielleicht im Stress ist oder nicht. Generell finde ich aber, dass Straßenmusiker einfach eine schöne Stimmung in der Stadt erzeugen und zu einem gewissen Flair beitragen. Einen bestimmten Geschmack habe ich dabei nicht, aber mir gefallen zum Beispiel sehr diese Dudelsackspieler, die manchmal anzutreffen sind. Auch Gitarristen oder Panflötenspieler erzeugen immer eine sehr schöne Stimmung. Stehen bleibe ich allerdings selten, ich habe aber bisher auch noch nicht so sehr auf die Straßenmusiker geachtet. In Zukunft werde ich da jetzt eher mal ein Auge werfen und wenn’s mir gefällt, auch etwas spenden. Foto: bit

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