Was entsteht denn da?

Seit August 2020 wird hier gebaut. Im November soll das Gemeindehaus fertig sein. (Foto: EFG Thierfeld)

Evangelisch-freikirchliche Gemeinde baut neues Gemeindehaus

Von Natalie Scheffler
Thierfeld. Wer gelegentlich von der Autobahn am Abzweig Hartenstein in Richtung Aue abfährt, hat sich bestimmt schon gefragt, was da auf der rechten Seite im Ort Thierfeld entsteht. Die Lage ist ideal: Nahe der Autobahn, für jeden deutlich sichtbar und mit genügend Platz für einen angeschlossenen Parkplatz. Hier errichtet die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Thierfeld nun ihren neuen Standort, da das alte Gemeindehaus am Gartenweg nicht mehr ausreichend Platz bietet. „Aktuell zählen wir 160 Gemeinde-Mitglieder. Da darunter viele Familien sind, ist ein gewisser Zuwachs zu erkennen. Und es kommen auch immer Gäste, die unsere Gottesdienste besuchen. Die Möglichkeiten am aktuellen Standort sind da sehr begrenzt, denn es gibt auch nicht genügend Parkplätze. Daher sind wir schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken beschäftigt, ein neues Gemeindezentrum zu errichten“, erklärt Jürgen Schubert vom Bauteam.
Seit der Wende standen für die Nutzung des Grundstücks immer wieder Vorschläge im Raum: Ob für ein Autohaus, Raststätte, Tankstelle oder Hotel – immer wieder gab es Kaufinteressenten, nur zum Kaufabschluss führte dies nicht.

Da kam es wie gerufen, dass das Grundstück noch frei war, als die Gemeinde auf der Suche nach einem geeigneten Platz war. Gesagt, getan. Baubeginn war dann voriges Jahr im August, die intensive Planung läuft aber bereits seit 2016. „Wir haben relativ schnell eine freie Architektin gefunden, das ist Rebekka Möckel aus Auerbach/Vogtland. Sie hat mit uns dieses Gebäude mit den speziellen Nutzungsanforderungen entwickelt. Wir sind sehr froh über diese gute Zusammenarbeit“, so Jürgen Schubert.

Finanzierung über Spenden
Die Kosten für das Bauprojekt belaufen sich auf insgesamt 3 Millionen Euro – dabei erfolgen aber viele Arbeiten in Eigenleistung und ehrenamtlich. Der Bau wird komplett über Spenden finanziert, denn eine Förderung im ländlichen Raum gibt es nur für die Erhaltung oder Erweiterung eines Gebäudes, nicht aber für einen Neubau.
„Die Menschen müssen also wirklich überzeugt sein, dass sich so eine Investition lohnt. Uns war auch wichtig, einen zukunftsgerichteten Ort zu erschaffen, den auch die nachfolgenden Generationen beleben können. Es soll ein Ort sein für unsere Gottesdienste, aber auch ein Ort zur Begegnung mit allen Generationen, Bevölkerungsgruppen und -schichten, unabhängig davon ob jemand Gemeindemitglied ist oder nicht. So gibt es beispielsweise Angebote für Senioren, wir organisieren Ausfahrten oder gemeinsame Nachmittage und wir leisten auch Jugendarbeit z.B. im Rahmen von Teenie-Kreisen und Jungschar“, meint Jürgen Schubert.

Der große Saal bietet zukünftig Platz für ca. 300 Gäste.
(Foto: Natalie Scheffler)

Nutzbar auch für andere Events
Das Gebäude mit einer Fläche von insgesamt 1.200 Qudratmetern bietet ca. 400 Leuten Platz, der große Saal mit mobiler Trennwand und kleiner Bühne ist für ca. 300 Besucher ausgelegt. Zudem gibt es weitere kleinere Räume und ausreichend Parkplätze im Außenbereich. Die Räumlichkeiten können aber auch für andere Veranstaltungen, Seminare und Vorträge gemietet werden. Die Eröffnung ist für Anfang November geplant, bis dahin erfolgt noch der Innenausbau.

Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden
Der Gemüse-Händler an der Straße kann aber seinen Standort weiterhin nutzen, ihm steht nun eine neu gebaute Hütte zur Verfügung. Bei Veranstaltungen soll diese beispielsweise auch für den Kartenverkauf nutzbar sein. „Uns ist es wichtig, auch etwas Gutes für den Ort zu tun. Wir wollen niemanden vertreiben. Und es gibt auch kein Konkurrenzdenken unter den einzelnen Gemeinden – im Gegenteil, eine Zusammenarbeit ist besonders in einer Kleinstadt wichtig“, so Jürgen Schubert.
Ab November können hoffentlich auch wieder regulär Veranstaltungen stattfinden, denn aktuell erfolgen die Gottesdienste entsprechend der Corona-Auflagen sowie online im Live-Stream.

Generationen vereinen
Die Gemeinde setzt sich laut Jürgen Schubert zusammen aus Menschen aller Generationen: „Von Kindern bis über 90-Jährige ist alles dabei. Das bleibt natürlich immer eine Herausforderung, alle Generationen zusammen zu bringen. Aber das ist auch einer der Werte, der uns sehr wichtig ist: Der respektvoller, liebevolle Umgang miteinander, aufeinander zu zugehen, füreinander da zu sein, den Glauben, den wir haben, gemeinsam zu leben und auch andere Menschen dazu einzuladen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, damit Menschen schon mal aus Neugier in unser Haus kommen und dabei noch die Botschaft der Bibel erfahren.“
Die Gemeinde beschreibt sich selbst als ein Zusammenschluss von ganz normalen Menschen: Bauarbeiter, Händler, Angestellte, Selbstständige, Hausfrauen, Schüler, Studenten – was alle miteinander verbindet ist der Glaube an Jesus Christus.

Die Anfänge der Gemeinde
Entstanden ist die Gemeinde vor mehr als 100 Jahren. Bereits 1898 traf sich eine kleine Gruppe, die den „Elberfelder Brüdern“ zugeordnet wurde. Eine andere Gruppe von Gläubigen aus der evangelischen Kirche traf sich regelmäßig als Hauskreis, um intensiv die Bibel zu lesen. Doch als die Christen einige Unterschiede zwischen den Aussagen der Bibel und der damaligen Lehre der evangelischen Kirche entdeckten, trat die Gruppe aus der Kirche aus und versammelte sich stattdessen in Privathäusern. Das war damals ein mutiger Schritt und die Gruppe erfuhr viel Anfeindung. Später trafen sich dann beide Gruppen im gleichen Haus, aber in getrennten Räumen. Ein Neubau bot schließlich genügend Platz für die Versammlung beider Kreise. Das war der Beginn der Gemeinde EFG Thierfeld. Sie entstand als „Brüdergemeinde“, was für die geschwisterliche Gestaltung des Gemeindelebens steht, das heißt es gibt keine Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien.

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