Was ist Heimat?

Heimat: Ist es Natur, Wohnen, Familie oder eine Mischung aus vielen Dingen? Jörg Knöfel, Centermanager der Galerie Roter Turm und Centermanagement-Assistentin Martina Hamperl-Vollbrecht zeigen ein Bild von Marion Krebs aus Chemnitz-Grüna. Das Werk ist eins von etwa 100 Exponaten, welche Chemnitzer im Wettbewerb „Mal was anderes“ über ihre Heimatstadt eingereicht haben. Foto: bit

Heimat: Ist es Natur, Wohnen, Familie oder eine Mischung aus vielen Dingen? Jörg Knöfel, Centermanager der Galerie Roter Turm und Centermanagement-Assistentin Martina Hamperl-Vollbrecht zeigen ein Bild von Marion Krebs aus Chemnitz-Grüna. Das Werk ist eins von etwa 100 Exponaten, welche Chemnitzer im Wettbewerb „Mal was anderes“ über ihre Heimatstadt eingereicht haben.

„Ohne Heimat sein heißt leiden“ behauptet der russische Schriftsteller Dostojewskij. In unserem Malwettbewerb „Mal was anderes“ zeigen über 60 Bilder Ansichten, was Chemnitzer mit ihrer Stadt verbinden und was auf diese Weise Heimat ist.

Ist es ein idyllisches Örtchen in einer der Parkoasen der Stadt oder doch lieber das pulsierende Herz des Zentrums? Im Januar war Einsendeschluss für den Malwettbewerb. In einer geplanten Ausstellung können die Chemnitzer in der Galerie Roter Turm demnächst die Bilder besichtigen.

Der gebürtige Chemnitzer Jörg Knöfel, Centermanager der Galerie Roter Turm und Mitinitiator des Malwettbewerbs schätzt an seiner Heimatstadt besonders deren Vielfalt auf kurzen Wegen:

„Urbanes Wohnen, Industriekultur historisch und modern sowie  ländlicher Charme am Stadtrand liegen hier sehr nah beieinander.“

Doch was ist Heimat überhaupt? Heißt Heimat nicht in gewisser Weise Geborgenheit, Vertrautheit in der Umgebung, ja ist Heimat nicht der Ort, wo man sich wohl und angekommen fühlt.

Warum verschlägt es denn auch so viele Menschen nach einem kurzen Intermezzo in der Ferne wieder dorthin zurück, wo sie geboren wurden? Heimat ist mehr als nur ein Wort, Heimat ist ein Gefühl, das man spürt und lebt. Heimat heißt Familie und Wurzeln.

WochenENDspiegel geht der Frage nach, was Menschen in der Region mit dem Thema Heimat assoziieren? In unserer Reihe fragen wir Chemnitzer, warum sie ausgerechnet dort leben, wo sie gerade leben? Warum haben Geschäftsleute ausgerechnet dort ihre Geschäfte geöffnet statt in Berlin, Leipzig oder München? Welche Hoffnungen, Wünsche und Vorstellungen verknüpfen Privat- und Geschäftsleute mit einem besonderen Teil der Region?

Dieser Frage sind wir in dieser Woche esemplarisch für den Chemnitzer Sonnenberg einmal nachgegangen.

Der Sonnenberg ist ein pulsierender Stadtteil, der durch seine zentrumsnähe und seine Entwicklung in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist. Für viele ist es Heimat, hier zu leben.

Der Sonnenberg ist ein pulsierender Stadtteil, der durch seine zentrumsnähe und seine Entwicklung in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist. Für viele ist es Heimat, hier zu leben. Foto: bit

Leben einfach, anders auf dem Sonnenberg

Der Sonnenberg ist wie kein anderer Stadtteil mit hartnäckigen Klischees behaftet und hat gerade unter den Nicht-Sonnenbergern einen schlechten Ruf. Einen Ruf, den der Stadtteil, der Mitte des 19.Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung entstand, zu Unrecht trägt, fragt man die Sonnenberger. Wegreden kann man diese Vorurteile gegen den Stadtteil nicht.

„Ich lade alle Chemnitzer ein dem Sonnenberg mal eine Stipvisite abzustatten und dabei die Vielseitigkeit kennenzulernen“, so Elke Koch, Quartiersmanagerin.

Natürlich gibt es auch die Nöte der Bürger. Die Akteure des Sonnenberges wissen, dass noch viel getan werden muss, damit der Stadtteil auch in der Meinung der Nicht-Sonnenberger ein positives Antlitz erhält.

Breites Engagement der Bürgerschaft

Der Sonnenberg lebt vor allem von dem breiten Engagement der Akteure im Stadtteil. Egal ob Gewerbetreibende oder Anwohner sowohl im künstlerischen als auch sozialen Bereich sieht man, dass der Stadtteil pulsiert.

„In den letzten Jahren hat sich dieser Trend spürbar verstärkt. Wenn einer anfängt, finden sich viele andere, die nachziehen“, erklärt Koch aus ihrer Erfahrung.

Kreative Subkultur

Vor allem die kreative Szene des Stadtteil ist in den letzten Jahren gewachsen. Hier ist vieles entstanden. Gerade der Bereich von der Augustusburger Straße entlang der Ziethenstraße hat sich eine kreative Subkultur entwickelt. Vergangenes Jahr eröffnete beispielsweise die freie Bühne Komplex.

Raum für Ideen

„Was alle Projekte vereint ist der Platz für Ideen, der Sonnenberg im Gegensatz zu anderen Stadtteilen bietet. Da kann beispielsweise eine Aquaponic-Testanlage errichtet werden“, so Koch.

Und Johannes Kaufmann, Pater im Don Bosco Haus fügt hinzu:

„Er bietet Raum zum Träumen und bietet den Platz diese Wirklichkeit werden zu lassen. Nicht zu letzt gibt es hier auch die Leute, die sich darauf einlassen.“

 Junges & alternatives Leben

Vor allem in den letzten Jahren ist der Sonnenberg bei den jungen Leuten attraktiver geworden. Günstige Mieten und eine einzigartige Subkultur sowie die Vielzahl sozialer Projekte und Einrichtungen haben dazu geführt, dass auch immer mehr junge Familien ihre Zelte in dem einstigen Arbeiterviertel aufschlagen.

Da passt es eben aber auch, dass Einrichtungen wie ein Repaircafé oder ein Foodsharing-Projekt in diesem Stadtteil entstehen.

„Es ist ein alternativer Stadtteil, wo immer Leben auf der Straße ist. Hier leben Porschefahrer neben Menschen, die sich eben kein Auto leisten können“, so Kaufmann.

In keinem anderen Stadtteil wäre das dauerhafte Aufstellen eines Zirkuszeltes wohl denkbar als auf dem Sonnenberg. Hier gibt es eben auch viele Spielplätze und Angebote für Familien. Der Sonnenberg ist und bleibt anders, aber auf eine liebenswerte Art und Weise.

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