Weltcup Klingenthal: Was machen eigentlich…

Klaus Ostwald und Henry Glaß in der Vogtland-Arena. Foto: Igor Patierovic

Ostwald, Glaß & Wosipiwo

Von Sven Günther
Klingenthal. Was wäre das für ein Spektakel geworden: Weltcup. Skispringen. Vogtland. Drei Substantive, die für grandiose Stimmung, beste Bedingungen und Spitzensport stehen. Tausende wären in die Vogtland-Arena gepilgert, hätten die 68 Springerinnen und 66 Springer aus 20 Ländern angefeuert.

Ziiieeeeeehhhhhh!

Jetzt ist es still in der Arena. Leise rieselt der Schnee. Man hört das Ratterrauschen, das die Ski in der Anlaufspur verursachen, überlaut. Sachlich bleibt die Stimme des Schanzensprechers, wenn er Weiten durchgibt.
Die Weltcupspringen in Klingenthal müssen ohne Zuschauer auskommen, Experte Sven Hannawald wird sich auf Anlaufgeschwindigkeit, Absprungwinkel, Haltungsnoten und Telemark konzentrieren müssen. Kein Wort über Stimmung und Emotionalität der Fans in seiner Heimat. Skispringen im Vogtland, ein Sport mit Tradition. Im WochenENDspiegel lesen Sie, was die Helden von einst heute machen.

Klaus Ostwald
Vom Überflieger zum Rodelbahn-Chef

Er hat es schon damals gewusst… 1979 holte sich Klaus Ostwald den Skiflug-Weltrekord mit 176 Metern, den 1973 sein Vereinskollege Heinz Wosipiwo innehatte. 176 Meter und Ostwald erinnert sich noch heute, „dass ich damals schon sagte, dass es kein Problem sein würde, über 200 Meter zu springen, wenn es die Schanzen hergeben.“
Das tun sie – und der Weltrekord liegt bei 253,5 Metern, gehalten vom Österreicher Stefan Kraft auf dem Vikersundbakken in Norwegen. Ostwald: „Allerdings war es bei uns wahrscheinlich sogar gefährlicher. Wir flogen ja wie Arthur der Engel in acht bis zehn Metern Höhe durch die Luft, waren beim Anlauf 115 Sachen.“ Heute liegt der Abstand zwischen Hang und Springer bei rund drei Metern.

Klaus Ostwald. Fotos: Archiv/VSC

Ostwalds größter Erfolg war der Gewinn des Weltmeistertitels im Skifliegen bei der Skiflug-Weltmeisterschaft 1983 in Harrachov. Dabei erreichte er mit seinen sechs Wertungssprüngen — der jeweils schlechteste Sprung der drei Durchgänge wurde gestrichen — eine Gesamtpunktzahl von 1051, womit er Weltrekordler Pavel Ploc (1045,5) und Matti Nykänen (1043,5) auf die Plätze verwies.
Mit der DDR-Mannschaft wurde er bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 1984 in Engelberg im Mannschaftsspringen Zweiter, bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 1985 in Seefeld Dritter. 1987 beendete Ostwald seine Karriere, blieb dem Skiklub treu. Er war zunächst für die Langlauf-Loipen zuständig, ist seit 1994 für die Sommerrodelbahn verantwortlich, arbeitet im Winter an der Schanze.

Herny Glaß & Heinz Wosipiwo
Renter mit und ohne Zeit

Der Weltklasse-Springer, der im Schatten von Gold flog! Henry Glaß. Ein Ausnahme-Athlet, dem immer einer oder zwei Springer beim Kampf um Titel in die Quere kamen. Bronze bei Olympia 1976 (galt auch als Weltmeisterschaft) in Insbruck (Karl Schnabl, Toni Innauer), Silber bei der WM 1978 in Lahti (Matthias Buße), Bronze bei der Skiflug WM 1977 Vikersund (Walter Steiner, Toni Innauer).
Nach seiner Karriere arbeitete er als Trainer, war Assistent der Bundestrainer Reinhard Heß und Peter Rohwein im Bereich Videoauswertung/technische Betreuung. Aufgrund von Stasi-Vorwürfen wurde er aus dem Kader der Olympiamannschaft gestrichen.
Henry Glaß ist seit Mai 2008 Glaß am Landesleistungszentrum in Klingenthal tätig, trainiert Nachwuchsspringer und Springerinnen aus Sachsen. Heute ist er 68 Jahre alt und hätte als Rentner Zeit. Glaß: „Aber ich bin immer noch als Trainer im Verein tätig, fast jeden Tag in der Anlagen. Das macht mir einfach Freude und hält mich jung.“

Henry Glaß

Heinz Wosipiwo (70) nimmt sich Zeit, lebt zurückgezogen als Rentner in Steinbachtal ganz in Schanzennähe. Seine größten Erfolge konnte er jedoch bei Skiflug-Weltmeisterschaften feiern. 1972 belegte er in Planica den 2. Platz hinter Walter Steiner und vor Jirí Raška. 1975 in Mittendorf/Tauplitz errang in der gleichen Disziplin nochmals den 6. Platz. Am 9. März 1973 stellte er bei der Skiflug-WM in Oberstdorf auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze mit 169 Metern einen neuen Weltrekord auf. 1976 erreichte er bei der Skiflugwoche in Oberstdorf hinter Toni Innauer den 2. Platz in der Gesamtwertung mit einer Bestweite von 166 Metern vor dem Österreicher Hans Wallner. Auf „normalen“ Schanzen ragen seine 2. Plätze 1973 in Oberstdorf und 1974 in Falun bei den Weltmeisterschaften (beide Male hinter Hans-Georg Aschenbach) heraus.

Heinz Wosipiwo

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