Wenn der Biergarten leer bleiben muss

Die Biergartensaison geht los und Sebastian Scherk vom Brauhaus Zwickau sitzt zwangsläufig auf leeren Stühlen. Foto: Alice Jagals

Zwickau. Einige Geschäfte dürfen seit Montag wieder öffnen. Gaststätten bleiben dagegen weiterhin geschlossen. Für Wirte wie Sebastian Scherk ist das wie ein Schlag ins Gesicht. Da helfen Aktionen wie „Leere Stühle“ kürzlich in Dresden nur bedingt. „Sie machen natürlich auf unsere prekäre Lage aufmerksam, und wenn es zum Handeln der Politiker führt, ist das schon mal gut“, sagt Scherk, der seit 2017 das Brauhaus in Zwickau leitet. Und genau daran zweifelt er langsam: „Wenn das so weiter geht, sind auch unsere letzten Reserven in zwei bis drei Wochen erschöpft.“ Das Geschäft ist von heute auf morgen auf null gesetzt worden. Sich von der Essensbelieferung über Wasser zu halten, mache bei der großen Anlage keinen Sinn. „Allein um die täglichen Betriebskosten zu decken, müssten wir 1.000 Euro einnehmen“, sagt der 35-Jährige. Weiterhin seien laufende Kosten wie die neue Küche, Zukäufe oder die Lohnsteuer weiter zu bezahlen. Somit wurde für die 38 Mitarbeiter Mitte März Kurzarbeitergeld beantragt.
Die große Unsicherheit macht sich auch bei den Reservierungen bemerkbar. Nicht nur, dass Aufträge während der Zwangsschließung wegfallen, sondern es gibt bereits Stornierungen bis in den Dezember hinein.

„Ich würde mir wünschen, dass es vom Staat Soforthilfen gibt. Auf lange Sicht muss zudem die Mehrwertsteuersenkung von sieben Prozent Einzug halten“, fordert Scherk. „Denn was nützt es mir, wenn ich jetzt das Geld mit Hilfe eines Kredites bekomme, das ich allerdings wieder zurückzahlen muss. Hinzukommt, dass man ein gesundes Unternehmen sein muss und ganz ehrlich: Rund 70 Prozent der Gaststättenbetreiber leben von Tag zu Tag. Als ich das Brauhaus dann 2019 mit meiner Familie allein weitergeführt habe, waren wir jetzt endlich davor, die schwarze Null zu erreichen und nun das“, gibt Scherk zu bedenken und merkt an, dass bei den späteren Nachprüfungen durch die Kreditvergabe die vergangenen drei Jahre miteinander verglichen werden.

„Hygiene wird schon immer groß geschrieben“
Nun stehen täglich die rund 600 Stühle im Brauhaus leer, ganz zu schweigen vom Hotelbereich. „Wir hätten genügend Platz, um einen gewissen Abstand zu garantieren. Außerdem kommen überwiegend Familien zum Essen, also Menschengruppen, die sowieso in einem Haushalt leben. Zudem hatte die Gastronomie schon immer sehr strenge Hygienemaßnahmen einzuhalten. Insofern verstehe ich es einfach nicht, wieso beispielsweise Autohäuser öffnen dürfen und wir nicht.“
Einer der Mitinitiatoren der Initiative „Leere Stühle“ ist Benjamin Unger, der 17-Punkte-Küchenchef (Gault Millau) vom Hotel Blauer Engel in Aue. Er sagt: „Die Politik ist in der Pflicht, uns zu helfen. Es ist nicht in Ordnung, dass Restaurants geschlossen bleiben müssen. Aber statt uns unter die Arme zu greifen, werden wir von den Politikern mit Füßen getreten. Und ich rede hier von 2,5 Millionen Beschäftigten.“

DEHOGA stellt Forderungen
Schon seit Oktober fordert die DEHOGA in einer Petition den Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie. Ziel der Petition mit dem Titel „Es ist fünf nach zwölf! Rettet unsere Gasthäuser! Für mehr Porzellan statt Plastik!“ ist es, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Essen einzuführen, unabhängig davon, wie zubereitet, wo gekauft und wie gegessen. „Wir erwarten, dass Essen steuerlich gleich behandelt wird. Es ist für uns eine Frage der Steuergerechtigkeit, der Wertschätzung und der Zukunftssicherung unserer Familienbetriebe und Restaurants“, erklärt Sachsens DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Axel Klein.

Hinweis

Am Freitag, den 24. April findet die „Leere Stuhl“-Aktion in der Zeit von 11:00 bis 13:00 Uhr auf dem Zwickauer Hauptmarkt statt.

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