Wenn die Eisenbahn auf Straßenbahnschienen fährt

Anlässlich des Jubiläums luden der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) in
Zusammenarbeit mit der City-Bahn Chemnitz GmbH, der Länderbahn GmbH und der Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH zu einen kostenfreien Sonderverkehr mit einem Citylink-Fahrzeug in dieser Woche ein. Foto: Alice Jagals

Zwickau. Rein in den Regiosprinter und ab geht es ins Vogtland oder nach Tschechien. Das sogenannte „Zwickauer Modell“ ist bis heute eine Innovation. Und vor 20 Jahre war es das erst recht. Man wollte Menschen, die mit dem Zug reisen, direkt in die Innenstadt bringen und nicht nur am Bahnhof absetzen. Es gab allerdings ein Platzproblem: Um einen Zug bin in die Innenstadt fahren zu lassen, brauchte man ein anderes Schienensystem, eine breitere Spurweite. Wie jeder weiß: Die Zwickauer Straßenbahnen sind sehr schmal. „Und wer kein Geld hat, braucht Ideen“, hob Ex-Oberbürgermeister Rainer Eichhorn in seiner Rede zur Festveranstaltung am vergangenen Mittwoch im Rathaus immer wieder hervor.

Er war schließlich direkt in das Projekt involviert. Bis 1975 gab es bereits ein Straßenbahnschienennetz durch die Innenstadt bis nach Wilkau-Haßlau. „Warum sollte man also diese Trasse nicht nutzen?“, so Eichhorn. Also wurde aus einem Zwei-Schienen-System einfach ein Drei-Schienen-System gebaut – prima zusehen im Bereich Haltestelle Zentrum/ Äußere Schneeberger Straße. Denn von dort aus ging es später auch mit der Straßenbahn Richtung Hauptmarkt und umgedreht vorbei am Glück-Auf-Center nach Planitz.

Doch so einfach war es nicht: Dem Vogtland mussten die Bedenken genommen werden, Zwickau ziehe deren Kaufkraft ab. Selbst der kleine Imbiss an der Haltestelle hätte von seiner Existenz bedroht werden können. Die Anwohner der Äußeren Schneeberger Straßen hatten eine riesige Baustelle vor der Tür. Der damalige Baubürgermeister Dietmar Vettermann ging damals täglich durch diese Straße. „Er sagte mal, er hätte das Gefühl, dort mittlerweile jeden einzelnen Bewohner zu kennen“, erinnert sich Eichhorn.

Am 28. Mai jährte sich die Einweihung der Bahnstrecke zum 20. Mal. Ein Geschenk an die Zwickauer war eine freie Fahrt zwischen Zentrum und Hauptbahnhof.  aj

Hintergrund

Das sogenannte „Zwickauer Modell“ ist die erste direkte Stadt-Land-Verknüpfung mit der Bahn, die es in Ostdeutschland gab. Sie verbindet das Zwickauer Stadtzentrum unter anderem direkt mit dem Vogtland und den tschechischen Städten Kraslice sowie Cheb und ist Teil des 1997 für die Weltausstellung EXPO2000 realisierten Nahverkehrssystems „EgroNet“. Das Verkehrsliniennetz umfasst die vier Grenzregionen von Bayern, Böhmen, Sachsen und Thüringen. Es bietet dem Fahrgast neben der länderübergreifenden Erschließung und der direkten Stadt-Land-Verbindung von Zwickau auch ein eigens dafür entwickeltes EgroNet-Ticket, das für alle Fahrten im gesamten Netz genutzt werden kann.

Jobs in Deiner Region

Facebook