Wer die Wahl hat…

Was will ich werden? Soll ich eine Ausbildung, Fachabitur oder Studium nach der Schule anschließen? Für die Jugendliche sind die Angebote oft so vielfältig, dass sie kaum durchsehen im Dschungel der Möglichkeiten.  Foto: Robert Kneschke/fotolia.de/Montage

Was will ich werden? Soll ich eine Ausbildung, Fachabitur oder Studium nach der Schule anschließen? Für die Jugendliche sind die Angebote oft so vielfältig, dass sie kaum durchsehen im Dschungel der Möglichkeiten.
Foto: Robert Kneschke/fotolia.de/Montage

Chemnitz. … hat bekanntlich die Qual. Früher oder später stellt sich für jeden die alles entscheidende Frage: „Was will ich später mal werden?“ Prinzessin, Model oder Superstar klingen am Anfang noch ach so toll, doch irgendwann kommt für (fast) alle die Realität, ein richtiger, fundierter Beruf muss gefunden werden.

Bekanntlich wird in den Schulen der Grundstein für den berufliche Zukunft gelegt. Doch irgendwie scheint es auch ein etwas vorgefertigtes Bild zu geben: Hauptschüler und Oberschüler sind klassische Azubis und Absolventen der Gymnasien wird häufig der Weg zum Studium geebnet.

Doch kann sich das die regionale Wirtschaft überhaupt leisten? In Zeiten von Fachkräftemangel scheint es, eher sinnvoll überall nach geeignetem Nachwuchs zu suchen und nicht Abiturienten auszusparen.

„Bei uns ist bisher noch kein Unternehmen gewesen und hat unseren Schülern ein Praktikum oder Ähnliches angeboten. Vielleicht ist es doch aber empfehlenswert, dass Firmen auch in Gymnasien aktiv Werbung machen“, erklärt Dr. Ronald Langhoff, Schulleiter des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums.

Es ist nicht so, als gäbe es keine Berufsorientierung an Gymnasien, hier gibt es Termine von Berufsberatern der Agentur für Arbeit. Deshalb organisieren viele Bildungseinrichtungen selbst berufsorientierende Maßnahmen.

So bietet das Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium beispielsweise einen Infoabend zur Studien- und Berufsberatung auch mit gezielten Angeboten zu Ausbildungsmöglichkeiten an. Auch das Gymnasium Einsiedel ist sehr aktiv, was Berufsorientierung angeht.

Zusammen mit einem Chemnitzer Rotary-Club veranstaltet die Schule Gespräche zwischen Schülern und Menschen im Berufsleben.

„Der Fokus liegt bei uns klar auf dem Studium, wobei wir natürlich auch die Möglichkeiten aufzeigen, die eine Ausbildung bietet“, erklärt Kerstin Klein, Schulleiterin des Einsiedler Gymnasiums.

Auch im Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium ist die Kernausrichtung auf ein anschließendes Studium gelegt. Und doch bietet das Gymnasium vielseitige Angebote zu Berufsorientierung. Angefangen bei Berufsberatern, über das Angebot der Beratungslehrer, spezielle Informationselternabende im Schuljahr usw.

„Wir können als Schule bei der Orientierung helfen, aber die Hauptverantwortung liegt eindeutig beim Schüler“, fügt Steffen Morgner, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, hinzu.

Doch warum hört die aktive Berufsorientierung  von außen häufig an den Türen der Gymnasien auf?

„Wir gehen davon aus, dass der klassische Handwerker eher aus dem Bereich Ober- und Hauptschule kommt und weniger aus dem Gymnasium“, erklärt Oliver Kulbe, Leiter des Personalmanagement von Sachsen Guss.

Die Ausbildungsverantwortlichen gängen eher an Oberschulen und doch hat das Unternehmen Bewerber, gerade für Ausbildungsberufe im Verwaltungsbereich, aus Gymnasien. Ist das nicht doch aber eher ein falsches Signal, an Schüler, die vielleicht doch eher einen klassischen Ausbilungsberuf absolvieren möchten?

Doch braucht die Wirtschaft händeringend Nachwuchs. Auch die Kammern wissen, welches Potential hier schlummert:

„Eine analoge Förderung der Berufsorientierung an Gymnasien wäre wünschenswert. Wir erachten es als äußerst sinnvoll, auch hier ab der Klassenstufe 8 eine flächendeckende Berufsorientierung durchzuführen. Denn die Herausforderungen im Übergang Schule – Beruf ist die gleiche für wie Schülerinnen und Schüler anderer Schulformen.

Gerade auch die leistungsstarken Nachwuchskräfte sind für das Handwerk von großer Bedeutung. Und Karriere geht im Handwerk sehr gut. Mit verschiedenen Aufstiegsfortbildungen erreicht man das Niveau eines Hochschulabschlusses“, so Romy Weisbach von der Handwerkskammer Chemnitz.

In diesem Jahr wurde in Chemnitz die  neue „Initiative Berufsorientierung (IBO) in Chemnitz“ ins Leben gerufen. Stadt, Kammern, Agentur für Arbeit, Bildungsagentur, Wirtschaftsförderung und freie Träger agieren nun zusammen auf diesem Feld.

Zielgruppe ist aber erneut Schüler der Klassen sieben bis zehn der Oberschulen.

„Es zielt auf eine systematische und aufeinander aufbauende Berufsorientierung in der Stadt Chemnitz ab. Verschiedene Akteure arbeiten zusammen und ergänzen ihre Angebote zu einem abgestimmten Arbeitsplan.

Im Fokus des Konzeptes steht dabei die Zusammenarbeit mit zahlreichen Unternehmen der Region. Dadurch ist es möglich, realistische Einblicke in die Ausbildungs- und Arbeitswelt zu gewährleisten“, erklärt Anna Rammelt, Bildungskoordinatorin der Stadt.

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