Wetterwarte: Das Licht ist aus!

Es ist ein Ende auf Raten. Am 27. August gab es erstmals seit dem 1. Januar 1916 keinen Nachtdienst in der Wetterwarte auf dem Fichtelberg. Grund: ab 2019 wird die Station vollautomatisch betrieben. Foto: DIE GRÜNEN

Wetterwarte bleibt nachts dunkel

Von Sven Günther
Kurort Oberwiesenthal. Es hat bisher alles nichts genützt. Nicht der Protest des ARD-Wettfrosches Donald Bäcker, nicht die Petition mit 6500 Unterschriften der GRÜNEN im Bundestag. Der Wetterwarte auf dem Fichtelberg wird das Licht ausgeblasen, die Daten werden ab 2019 vollautomatisch erfasst. Am 27. August gab es zum ersten Mal seit dem 1. Januar 1916 keinen Nachtdienst mehr.

Ein Fakt, denn die GRÜNEN kritisieren. Kreischefin Ulrike Kahl: „Was keine zwei Weltkriege, kein Großbrand, keine heftigen Gewitter, Stürme oder sonstigen Witterungsunbilden da oben je vermocht haben, ist nun eingetreten. Die einmaligen, für die Forschung wertvollen Klimareihen haben somit erste Lücken bekommen.“

Einmalig für eine Bergstation in Deutschland

Die Mitarbeiter Wetterwarte schreiben in einem privaten Blog: „Insgesamt 70 Mitarbeiter haben seit dem 01.01.1916, also 102 Jahre, 7 Monate und 26 Tage ohne einen einzigen Ausfall, allen Widrigkeiten zum Trotz rund um die Uhr das Wetter beobachtet. Einmalig für eine Bergstation in Deutschland! Mit dem heutigen Tag wird aber unser Meldesoll eingeschränkt, was heißt, dass die Wetterwarte nicht mehr durchgängig besetzt ist. Dadurch kommt es aufgrund von noch immer fehlenden Automaten zwangsläufig zu Datenlücken, so wird zum Beispiel die Niederschlagssumme nur noch 24-stündig gemeldet.
Für uns noch verbliebenen 3 Mitarbeiter ist dies ein weiterer schmerzlicher Schritt in Richtung Vollautomatisierung, welche wie geplant zum 01.01.2019 erfolgen wird. Dann geht eine über 100-jährige allumfassende Klimareihe zu Ende und es wird ein großes Stück intensive Naturbeobachtung und –erfahrung aufgegeben.“

Die GRÜNEN kritisieren, dass über ihre Petition nach inzwischen 15 Monaten noch nicht befunden wurde. Kahl: „Offensichtlich duckt man sich in Kreisen der Entscheidungsträger vor dieser Problematik weg, denn es dürfte schwerfallen, unsere Argumente, die auch Experten stützen, zu entkräften.“

In erster Linie begründen die GRÜNEN ihren Kampf für den Erhalt der Wetterwarte damit, dass keine funktionsfähigen Messeinrichtungen zur vollautomatischen Erfassung von Niederschlagsmenge, Schneehöhe, Wetterzustand, Sichtweite usw. installiert ist, sodass auch keine Vergleichsmessungen möglich sind.“

Eine Argumentation, der DWD-Pressesprecher Gerhard Lux nicht folgt. Er sagt: “Schon jetzt läuft das Messfeld auf dem Fichtelberg komplett automatisch, werden nur einige wenige Dinge händisch ausgeführt, wie das regelmäßige Reinigen von Sensoren. Von unseren 2000 Messstellen in Deutschland sind nur noch die wenigsten mit Personal besetzt, weil hochauflösende Satelliten und unser Wetterradarnetz viele Aufgaben übernommen haben.”

Die Forderung der GRÜNEN sei von einer gewissen Romantik erfüllt, die dem Steuerzahler aber nicht zu vermitteln sei.

Kahl fordert, dass die Mitglieder des Petitionsausschusses zu einem Vor-Ort-Termin auf den Fichtelberg kommen, damit eine über 100-jährige allumfassende Klimareihe nicht zu Ende geht. Kahl: „Gerade in Zeiten der Klimaveränderung sind zuverlässige Messergebnisse unabdingbar.““

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