What the fuck…

 

Ein Anblick, der jeden Trabi-Fan entzückt: Der Zwickauer Tuning-601 wurde auf dem Fichtelberg perfekt in Szene
gesetzt. Fotos: Marco Hoffmann

Fotoshooting in der Kälte
…aber bei diesem heißen Trabi kamen viele Zuschauer ins Zweitakt-Schwitzen

Oberwiesenthal. Da steht er im eisigen Wind auf dem Fichtelberg und man meint, die Morgenröthe spiegele sich im Lack wieder. Blutorangefarben glänzt der Trabi im Schnee, der von den Rädern aus der Felgenklinik Sachsen geplättet wird.
Sieben Jahre hat Besitzer Sebastian Pollack alias „Zuden“ gebraucht, um aus einem derangierten Trabi Baujahr 1977 ein Schmuckstück zu machen.* Ein Schmuckstück, das in diesem Winter vom Berliner Fotograf Marco Hoffmann (https://www.sandmans-dark.de/) auf dem „Dach der Republik“ in Szene gesetzt wurde.
Die Geschichte des Shootings hat der Lichtbildner in einem BLOG aufgeschrieben, den wir hier veröffentlichen.

Der Anruf

Erst Ende 2021 durfte ich Zuden persönlich beim Ostblock-Meeting kennenlernen und wir machten untereinander aus, dass er und seine Frau mich mal zu sich einladen und wir vor Ort ein Shooting umsetzen. Das kam auch schneller als erwartet, denn Zuden rief mich nur wenige Tage später an und erklärte mir seine Idee, seinen Trabant auf dem naheliegenden Fichtelberg zum Sonnenaufgang mitten in den Schnee zu stellen. So ging es am 12. Februar von Berlin aus ins Erzgebirge, wo ich freundlich empfangen wurde bei bestem Wetter und weißen Landschaften. Zum Abend hin machten wir einen Lageplan für das Shooting, philosophierten über einen gemeinsamen anstehenden Trip, erfreuten uns über die guten Wetteraussichten für den nächsten Morgen und fuhren zu guter Letzt lecker essen.

 

Etwas müde ist der Sandmann

Es ist 4.15Uhr und ich bin ohne meinen Wecker wach geworden. Mit frischem Kaffee-Geruch betrat ich die Küche, wo Mell und Zuden schon fleißig warme Getränke für das Shooting vorbereiteten und schon die warmen Klamotten bereitlagen. Gegen 5. 30Uhr sollte die Fahrt auf den Fichtelberg starten und das geschah auf die Minute genau. Der Trabi war schon auf dem Trailer vorbereitet, somit nur noch in das Zugfahrzeug einsteigen und los ging die kleine Reise. Auf der Fahrt zum Fichtelberg schlossen sich noch zwei Freunde von Zuden an, welche beim Abladen geholfen haben und auch ein kleines Video drehten. Ich war zwar noch etwas träge und müde, doch das sollte sich schlagartig ändern.

Ein frisches Lüftchen weht

Unten im Dorf war eine angenehme windstille Kälte, doch oben auf dem Berg empfängt uns genau das Gegenteil. Gefühlte -16° herrschten bei sehr starkem Wind auf der Bergspitze und trotz dicker Klamotten und Fußwärmer war mir gleich etwas kalt um die Nase. Aber egal, da muss man jetzt durch und so packte ich mein Equipment aus, wobei mein Plan aufgrund des sehr starken Windes nicht umzusetzen war. Ich wollte mit Softboxen arbeiten, somit den Trabant in ein helles Licht setzen und im Hintergrund sollte der Sonnenaufgang sich mit der Zeit abzeichnen. Daher arbeitete ich mit einer kurzen Langzeitbelichtung aus der Hand, denn selbst mit einem Stativ war man dem Wind zu stark ausgesetzt. Lediglich meine GoPro, welche einen Zeitraffer aufnahm, hielt gerade so dank eines Stativs, welches etwa 40 Zentimeter in den Schnee gesteckt wurde.

Mit der Zeit wurde es voller

Als wir den Berg erreichten, konnte man schon leicht das Sonnenlicht wahrnehmen und so den Trabant perfekt positionieren. Dieser blieb auch das gesamte Shooting so stehen, was bei meiner Arbeitsweise eher unüblich ist, doch das passte alles perfekt. Und so ging das Shooting richtig los. Durchgang für Durchgang wurde das Panorama aufgenommen bei verschiedensten Lichteinstellungen und je heller es wurde, kamen auch immer mehr Menschen auf den Berg. Man spürte förmlich diese Blicke, weil sehr viele diese Kombination einfach super fanden und natürlich auch den Trabant an sich. Zwar stand ab und an auch mal jemand im Bild, doch kam man uns sehr respektvoll entgegen und machte sofort Platz.

 

Wo sind meine Finger

Je höher die Sonne kam, desto windstiller und „wärmer“ wurde es. Leider jedoch nicht warm genug und so spürte ich mit der Zeit immer weniger meine Finger. So wurden meine Pausen auch etwas größer, denn etwas aufwärmen musste sein, doch ging es auch schnell wieder weiter. Immer mehr Fotografen kamen auch an das Set und machten teilweise heimlich Bilder, welche schon wenige Minuten später im Internet zu finden waren. Das war zwar nicht in unserem Interesse, doch war es spannend zu sehen, wie gut das doch ankam.
Abreise

Nachdem die Sonne voll aufgegangen war, beendeten wir das Shooting erfolgreich. Ich packte mein Equipment zusammen, nahm meine GoPro und durfte mich gleich in der G-Klasse aufwärmen, wobei meine Finger eine Ewigkeit brauchten, um wieder Gefühl zu haben. Zuden rollte mit seinen Freunden schnell noch den Trabant auf den Trailer und fuhr auch gleich los, ohne den Trabant vor der Wetterlage zu schützen. Aber egal, an seiner Garage wurde gleich abgeladen, der Trabant mit warmen Wasser abgespült und unversehrt verstaut. Nun aber schnell zurück ins Haus zum Frühstücken, worauf wir uns alles sehr freuten und nachdem ich gesättigt war und wir noch viel über alte Zeiten sprachen, trat ich meine Heimreise an.

Sebastian Pollack gilt als Top-Tätowierer in der Region, sticht im Studio „Bad Lines“ in Bärenstein. Sieben Jahre hat es gedauert, bis der Trabant zu einem Schmuckstück wurde, das auf dem Fichtelberg fotografiert werden konnte.

Résumé

Es war ein durchweg gelungenes Wochenende. Man lernte sich besser kennen, hatte bestes Wetter für ein verrücktes Shooting und alles lief reibungslos ab. In dieser GALERIE findet ihr natürlich ein paar Auszüge aus diesem Shooting!

*Die Story des Trabant-Umbaus lesen Sie hier

und hier sehen Sie weitere Fotos

 

 

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