Wie geht es weiter, CFC?

Reset-Knopf drücken und neu booten – was bei Informatikern ein Neustart vom PC bedeutet, ist sprichwörtlich für den Chemnitzer FC eher ein Neuanfang auf ganzer Linie. Den ersten Schritt in die richtige Richtung wollte der Vorstand am Montag bei einer virtuellen Videokonferenz gehen.
Nach dem Ende der Insolvenz wolle man wieder Vertrauen aufbauen, beim Neubeginn auch auf die Meinungen und Ideen der Mitglieder und Fans setzen.

Nicht zuletzt da das Verhältnis zwischen Fans und Verein bereits im Vorfeld der digitalen Aussprache angespannt war.
In einem offenen Brief an den Vorstand äußerten Fans kürzlich erst Kritik und formulierten Fragen. Etwa: „Woher fließt derzeit eigentlich das ganze Geld beim CFC?“ oder „Wie will man zukünftig negative Entwicklungen vermeiden?“, sollten dann auch zur Video-Gespräch unter anderem durch den CFC-Vorstand vor Fans und Mitgliedern geklärt werden.

Zudem wurde mit der darauffolgenden Eröffnung des CFC Campus im Sportforum Chemnitz erneut eine wichtige Weiche für eine weiterhin erfolgreiche und zukunftsfähige Nachwuchsarbeit gestellt.

Zu wenig habe die Vereinsführung die Fans und Mitglieder bislang beim Neustart miteinbezogen. Das wolle der Vorstand künftig ändern und setzt wieder verstärkt auf Kommunikation mit den Mitgliedern und Fans. Aufsichtsrat-Chef Knut Müller äußerte dabei sein Verständnis für die im Vorfeld veröffentlichte Kritik am Vorstand, ein offener Brief, wie ihn der Fanszene e.V. formulierte, sei für ihn aber nicht der richtige Weg. Vielmehr wolle man die Treffen mit den Mitgliedern und Fans wieder mehr in die Breite führen, sagt er. Müller verwies auf Mitgliederversammlungen, wo es regelmäßig Rechenschaftsberichte geben soll sowie auf bereits etablierte Veranstaltungen, wie die Brauclub-Abende.

Pierre Schönfeld, langjähriger CFC-Fan und Betreiber der CFC-Fanpage, bedauert es, dass der offene Brief der Fanszene negativ in den Gremien aufgefasst wurde. „Kritik und klar formulierte Fragen aus der Fanszene sollte der CFC eher als Geschenk denn als Bedrohung ansehen“, sagt er. Den direkten Dialog zwischen Vereinsführung und Fanszene, auch um aktuelle Probleme auf den Tisch zu legen und gemeinsam zu lösen, sieht er weiter als zwingend notwendig an. Den können die Brauclub-Abende, die er für ein gutes Format für den allgemeinen Austausch halte, nicht ersetzen, so Schönfeld weiter.

Eine digitale Frage-Antwort-Runde wie sie am Montag stattfand stieß hingegen größtenteils auf positives Feedback. Darauf wolle sich der Vorstand zukünftig auch weiter stützen. Während der Pandemielage sei ein solches Format in regelmäßigen Abständen gut umsetzbar, wie die CFC-Geschäftsführerin Romy Polster erklärte.

Im Vordergrund der ersten Online-Veranstaltung dieser Art standen vor allen Dingen Fragen rund um die strukturellen und finanziellen Pläne des Vereins. Stand jetzt sei der Verein dem Vorstand zufolge „schuldenfrei“, nehme aber aufgrund fehlender Einnahmen derzeit jede Möglichkeit der staatlichen Corona-Hilfen in Anspruch. „Wir arbeiten momentan wie alle anderen Sportvereine auch am Limit“, erklärt Knut Müller. Finale Planungen für die kommende Saison seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Sie sollen dem Aufsichtsrat voraussichtlich erst Mitte Mai in einer Zusammenkunft dargelegt werden.

Gleichzeitig betonte er, dass der Vorstand den 2019 gewählten Aufsichtsrat verstärkt in regelmäßigen Sitzungen über künftige Planungen des Vorstands in Kenntnis setzen werde. Damit wolle man außerdem auch mögliche finanzielle wie strukturelle Schieflagen künftig vermeiden und das beiderseitige Vertrauen in die Gremien zurückgewinnen.

Wie der Aufsichtsrat seiner Kontrollfunktion im Detail nachkommen will, blieb am Montag – zum Unmut einiger Fans – teils unbeantwortet. „In dem Thema waren die Aussagen für mich zu vage“, sagt Pierre Schönfeld, der auch das grundsätzliche Problem der Unabhängigkeit in der aktuellen Gremien-Besetzung sieht: „Interessenskonflikte sind vorprogrammiert, wenn der Aufsichtsrats-Chef im Verein den Vorstand mit seiner Chefin, die gleichzeitig seine Mitgesellschafterin in der GmbH ist, kontrollieren soll. Klare Kontrollmechanismen sind jedoch notwendig, um zukünftig eine Fehlentwicklung wie vor einigen Jahren, die in der Insolvenz endete, zu verhindern“.

Ob der CFC aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Die Online-Konferenz mit den Fans und Mitgliedern sei aber laut Vereinschefin Romy Polster ein wichtiger Schritt in die richtige Bahn gewesen.

Sie weiß um die Fehler der Vergangenheit: „Wir haben die Lehren gezogen, dass es nur gemeinsam geht und es viel Durchhaltevermögen braucht.“ Für alle Beteiligten sei es eine „energie- und kraftintensive Zeit“ gewesen. „Weggehen ist keine Option mehr.“

Ein deutliches Zukunftsbild zeichnete auch der neue Sportchef Marc Arnold während der Online-Diskussion ab. Das Ziel, wieder in der dritten Profifußballliga spielen zu dürfen, strebe der Vorstand für die nächsten zwei bis drei Jahre an. Es brauche Geduld und die nötigen finanziellen Mittel, so Arnold. In Richtung Kaderplanung erklärt dieser: „Innerhalb der Mannschaft wird es kaum Veränderungen geben, hierfür fehlen auch schlicht die finanziellen Möglichkeiten.“ Zudem könnten auch die neue Regionalliga-Saison und der damit einhergehende Transfermarkt unter Einfluss der Pandemielage stehen. In Hinblick auf die letzten Testspiele des CFC weiß Arnold aber: „Die Mannschaft hat starke Entwicklungen gemacht.“

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