Wie im Kino: Leih-Großeltern dringend gesucht

Jens Möckel mit seiner Frau sowie den Enkeln Louis (8) und Zoey (5) bei der Märchenstunde. Foto: privat

Die geborgten Großeltern

Region. “Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…” Jens Möckel klappt das Märchenbuch zu und blickt in große Kinderaugen. Louis (8) und Zoey (5) schauen ihn an, fragen dann: “Opa, liest du uns das nächste Mal wieder etwas vor?” Der Mann mit der getönten Brille nickt, verspricht: “Natürlich, bei Opa ist doch immer Märchenzeit.” Bei Opa. Seit 2015 ist Jens Möckel für die beiden Knirpse der Großvater. Allerdings nur auf Leihbasis…

Das Thema, das mit der Premiere des Kinofilms “Enkel für Anfänger” (u.a. mit Heiner Lauterbach) bundesweit Aufmerksamkeit bekommen hat, ist in Südwestsachsen schon seit zehn Jahren aktuell. Jana Kaube vom Jugend-, Kultur- und Sozialzentrum Aue: “Wir vermitteln schon seit 2010 Leihomas und -opas. Leider gibt es mehr Anfragen als ehrenamtliche Senioren, die sich zur Verfügung stellen.

Die Idee hinter dem Projekt: Viele Mütter und Väter arbeiten in Schichten oder sind alleinerziehend, haben keine Eltern im Hintergrund, die sich um die Enkel kümmern könnten. Dazu kommt, dass Kitas früh morgens und am späten Nachmittag geschlossen sind. Wohin also mit den Kindern?

Diese Frage beantworten die Leih-Großeltern: Zu uns! Sie holen die Jungen und Mädchen von den Kitas ab oder bringen sie hin, kümmern sich um die Knirpse, wenn die Eltern arbeiten müssen.
Jana Kaube: “Oft entstehen dabei tiefe Beziehungen und die Kinder sagen tatsächlich Oma und Opa. In unserem Bereich sind fünf Senioren im Einsatz und ich wünschte mir, wir hätten doppelt so viele.”

Trotz des immer weiter steigenden Bedarfs, müssen Leih-Großeltern einige Bedingungen erfüllen. So wird ein erweitertes Führungszeugnis verlangt, man muss mobil sein, Verantwortung übernehmen. Jana Kaube: “Schließlich muss auch die Chemie zwischen den Personen stimmen.” Dann klappt es auch mit der Märchenstunde beim Leihopa.

Gewinnspiele
Facebook