Wie unser Reporter den Jahrestag von Pegida in Dresden erlebte

Bereits einige Tage vorher habe ich mich auf diesen Abend vorbereitet. Angemeldete Veranstaltungen und deren Routen auf den Karten studiert. Wahnsinn was da los sein wird, dachte ich mir. Aber wo stelle ich mich hin? Karte drehen hin und her. Gefunden habe ich nichts. Ich habe mir in Dresden extra ein Hotel genommen. Ein Hotelzimmer in Dresden. Nicht wegen der schönen Stadt, nicht wegen den Sehenswürdigkeiten, nein wegen “Idioten”, die solch eine Stadt, welche schon in der Vergangenheit viel Gewalt und Elend ertragen musste, wieder mal unsicher machen wollen.

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Montag Nachmittag war es dann soweit. Mit gemischten Gefühlen gehts nach Dresden. Schon am Landtag sehe ich das massive Polizeiaufgebot. Reiterstaffel, Wasserwerfer, mobile Flutlichtmasten. Es sind immer wieder gemischte Gefühle, die mich beim Anblick solch eines Aufgebotes heimsuchen.

Ich habe bei Facebook vorher bei verschiedenen Gruppen und Seiten recherchiert, was von den einzelnen Gruppen so geplant sei. Einer schrieb: „Wenn es Montag zu einer Schießerei in Dresden kommt, ist die Stadt schuld, wie kann man nur so einen Sternmarsch genehmigen…“. Andere rufen offen zur Gewalt auf. In einem Punkt sind sich alle einig. „Die Presse bekommt heute auf die Fresse“. Schon am Vormittag machte bei Twitter eine Warnung an alle Pressevertreter die Runde: „Passt auf euch auf, sie werden euch eine Falle stellen“! In Gedanken versunken komme ich im Parkhaus an.

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Das Auto sicher abgestellt, gehe ich ins Hotel und studiere nochmals die Karten. In der Hotellobby ist eine eigenartige Stimmung. Es gibt nur ein Thema. „Heute laufen die wieder hier..“ , „die Linken sind aber die, vor denen wir aufpassen müssen, die werfen immer Steine ..“ .

Auf der Straße vor dem Hotel ist es bereits brechend voll. Es sind Teilnehmer der Pegidademo. „Wir sind das Volk, wir sind das Volk“ rufen sie und laufen Richtung Theaterplatz. Die Technik im Rucksack verstaut, laufe ich auch Richtung Theaterplatz.

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Immer wieder gibt es Schleusen von der Polizei. So soll ein ruhiger Zufluss gewährleistet werden. Auf dem Theaterplatz angekommen, gegen 17:00 Uhr, ist es hier noch sehr ruhig. Pfiffe und Geschrei höre ich aus Richtung Sophienstraße. Lauf da mal hin, dachte ich mir so, während ich in weiter Ferne weiße Helme rennen sehe. Die Partei ist mit ca. 80 Teilnehmern über die Augustusbrücke gezogen und zieht nun mit „Happy Birthday“-Rufen durch das Georgentor.

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Versammelt hat man sich direkt am Zugang zur Pegidademo. Mit Schildern in der Hand stehen sie am Rand und pfeifen jene aus, die auf dem Weg zu Pegida sind. Immer wieder singen sie „Happy Birthday“.

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Schnell ein paar Bilder gemacht und weiter die Sophienstraße entlang, bis mir plötzlich ein Bauzaun entgegen geflogen kommt. Kamera raus und draufhalten – denke ich mir noch, bevor ich realisiere, was hier eigentlich gerade passiert. (Video im Beitrag unten)

Zahlreiche Gegendemonstranten haben den Zugang blockiert und Bauzäune aufgestellt. Ein Spießrutenlauf für die Pegidateilnehmer. Die Polizei hat Mühe, wenigstens eine schmale Gase errichten zu können. „Schämt euch, schämt euch“ schreit es aus tausenden Kehlen. Die Polizei zieht zügig Einsatzkräfte nach. Ich erfasse so langsam die Situation und schaue mich um, wo ich eigentlich bin. Plötzlich fliegen Knaller. Darauf gleich der nächste laute Knall aus Richtung Theaterplatz. Nichts wie hin, dachte ich mir. Ich entscheide mich für eine Nebengasse. Ein Fehler, den ich so leicht nicht wieder korrigieren kann, wie ich später merkte.

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Alle Zugänge sind blockiert. Überall Polizei und Straßensperren mit Polizeiauto an Polizeiauto. Ich schaffe es bis zu den Treppen der Hofkirche. Hier verschaffe ich mir einen Überblick. Wahnsinn! Eben tausende Gegendemonstranten in der Sophienstraße. Jetzt sehe ich, dass von der Sperrung an der Sophienstraße/Theaterplatz bis auf das Terrassenufer und die Brühlsche Gasse, die ganze Treppe zum Terrassenufer auch mit Gegendemonstranten vollsteht.

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Die Polizei umkesselt alles mit Polizeiautos und Hundertschaften an Polizeikräften. Hier stehe ich drin und komme nicht raus. Es sind paar Meter in jede Richtung auf denen man sich hier in der „Sicherheits- und Trennungszone“ bewegen kann. Jetzt sehe ich hinter mir, durch das Tor aus Richtung Taschenberg kommend, die nächsten Gegendemonstranten, die aber von denen vor mir abgeschirmt werden.

Nach und nach werden sie mit einer Kette aus Polizisten zurückgedrängt. „Wir sind friedlich, was seid ihr“ und „wo ward ihr in Heidenau“ rufen sie pausenlos. Verletzte gibt es keine. Zur Pegidademo werde ich nicht durchgelassen. Es ist alles verrammelt und verriegelt. „Gehen sie hinter der Hofkirche lang, da gibt es noch einen Zugang“ sagt ein Polizist. „Passen sie aber auf, die mit Jogginghosen sind meist die Hooligans, die rennen hier überall mit rum“ Ich laufe ein paar Meter und tatsächlich eine kleine Gruppe jener legt sich gerade mit den Polizisten an. Wie dämlich, muss man sein, denke ich mir. Es sind ca 10 solcher Hobbykämpfer die sich hier, komplett von Polizei umstellt, mit 2 Polizisten in Vollschutz anlegen müssen. Die Polizei rennt auf sie zu, da waren sie in der dunklen Ecke hinter der Hofkirche verschwunden. Da laufe ich nicht lang, dachte ich mir. Wieder ab zur Treppe vor die Hofkirche. Es zieht leichter Nebel auf. Eine mega Stimmung auch fürs Auge. Ich treffe viele Fotografen. Wir unterhalten uns wie wir hier wegkommen und wo wir hinkönnen und wo nicht. Es gibt keine Optionen.

Ich schaue bei den sozialen Netzwerken durch. Einige tweets später liest man von den Ausschreitungen am Postplatz, Ostra-Allee, Landtag Wasserwerfer im Einsatz. Brennende Autos soll es auch geben. Ich entscheide mich zurück zum Hotel zu laufen, dass nur wenige Meter entfernt ist. An der Rezeption lasse ich mir erklären, wie ich trotz der vielen Sperrungen und Blockaden, dahin kommen kann. Ein paar Kreise und Striche später auf der Karte ab ins Auto und los. Polizei vor und hinter mir. Mit Blaulicht rast die Polizei mit mehreren Fahrzeugen die Ostra-Allee entlang. Immer wieder fahre ich schnell rechts ran, aus dem Auto raus, Kamera in die Hand, da wars schon wieder vorbei. die Polizei räumt die Straßensperrungen weg die von den maskierten Randlierern aufgebaut wurden. Rein ins Auto und weiter gehts mit dem Polizeikonvoi.

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Immer wieder kleine Zwischenfälle. An der Altmarktgalerie die nächsten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Alles geht sehr schnell. Das „Katz und Maus-Spiel“ mit der Polizei. Stein werfen und wegrennen. Solche Idioten denke ich mir. Ich entscheide mich noch eine Runde zu drehen. Die schöne Altstadt, dass schöne Dresden, was ist nur los hier, denke ich mir. Überall liegen Steine, zerbrochene Glasflaschen. Ich fahre wieder ins Hotel. Die Glocken läuten. Friedlicher Protest auf beiden Seiten sollte es werden. Warum laden sich dann beide Seiten Gewaltbereite ein? Im Radio höre ich, dass es in Leipzig am Bahnhof zu den nächsten Ausschreitungen gekommen ist. Hier wurden die Teilnehmer der Demos mit Baseballschlägern in Empfang genommen. Verrückte Welt. Die Glocken hören auf zu läuten. Es ist wieder Ruhe in Dresden.

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