Wie viel Stollberg steckt in Berlin, Herr Wanderwitz?

Jens Hoffmann vom Wirtschaftshof „Sachsenland“ Röhrsdorf mit Marco Wanderwitz. Foto: CDU

Wanderwitz: „Nicht immer nur schneller, höher, weiter“

Von Sven Günther
Stollberg/Hohenstein-Ernstthal. 17 Firmen in drei Tagen. Marco Wanderwitz (MdB, CDU), der Ostbeauftragte der Bundesregierung, nutzte die sitzungsfreie Zeit des Bundestages, um sich in seinem Wahlkreis ein Bild der Lage zu machen. Wanderwitz: „Als heimischem Wahlkreisabgeordneten des Deutschen Bundestages und Parlamentarischem Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie ist mir die weitere gedeihliche Entwicklung unserer regionalen Wirtschaft traditionell wichtiges Anliegen. Hier entsteht Wohlstand, sind Menschen in Arbeit und Unternehmerinnen und Unternehmer in Verantwortung.
Die heimischen Kammern, Kreishandwerkerschaften, Innungen, Bauern- und Berufsverbände sind mir dabei ebenso steter Ansprechpartner, wie die Unternehmerinnen und Unternehmer. Gerade in diesen Monaten der Corona-Krise sind die Kontakte noch intensiver, wenn auch zuletzt öfter per Telefon als persönlich.“

Dem WochenENDspiegel gab er ein Interview.

WOCHENENDSPIEGEL:
Wie fällt Ihr Fazit nach dem Besuch von 17 Firmen der Region aus?

MARCO WANDERWITZ:
Das Fazit ist rundweg positiv. Wenig Krisenbetroffenheit quer über alle Branchen, viel Optimismus. Erweiterungen und Investitionen allenthalben. Es gab Lob für unsere Wirtschaftspolitik. Forschung und Entwicklung ist eine ganz wichtige Thematik. Bestimmende Sorge der Unternehmen ist der Mangel an Arbeitskräften. Und natürlich müssen wir es schaffen, nicht ein zweites Mal in ein solche Situationen des Herunterfahrens der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens zu kommen, also gut durch die weitere Pandemie kommen. Mit Disziplin und Solidarität.

WOCHENENDSPIEGEL:
Gab es eine Begegnung, die Sie besonders berührt hat?

MARCO WANDERWITZ:
Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass die Kohrener Landmolkerei in Penig aus der Insolvenz stärker hervorgeht. Regionale Lebensmittel sind wichtig. Da ist jetzt ein gutes Konzept dahinter für eine kleinere Molkerei. Bio-Milch und Heumilch aus dem Erzgebirge als Premiumprodukt. Aber auch, dass Geberit Lichtenstein/St. Egidien so viel mit der örtlichen Werkstatt für behinderte Menschen arbeitet, Integration ermöglicht, freut mich bspw. sehr. Und es läuft!

WOCHENENDSPIEGEL:
Friedrich Merz sagte in Chemnitz, Deutschland sei zu langsam. (https://www.wochenendspiegel.de/friedrich-merz-tempo-tempo/)
Wie ist Ihre Einschätzung, wenn Sie speziell den Osten betrachten?

MARCO WANDERWITZ:
Friedrich Merz hat recht damit, dass wir bei Zukunftsthemen schneller werden müssen. Digitalisierung, neue Mobilität, neue Energie, die Netze für all das – da sind wir immer noch zu langsam. Vor allem, weil die Planungs- und Genehmigungsverfahren zu lange dauern. Das wollen wir ändern. Dazu gibt es bereits konkrete politische Initiativen des Wirtschafts-, Verkehrs- und Bauministeriums. Die politischen Mehrheiten dafür zu gewinnen ist nicht einfach. Aber für unseren künftigen Wohlstand müssen wir das machen. Wir stehen mit der Welt in Konkurrenz. Und speziell China ist sehr schnell.

Die neuen Länder haben die letzten 30 Jahre immer höheres Tempo gefahren als die alten. Das ist anstrengend für die Menschen. Deshalb haben wir aber so gut aufgeholt im Verhältnis zu den alten Ländern und sind weit vor unseren östlichen und südlichen Nachbarn. Wir werden uns das weiter zumuten müssen. Die Strukturwandel im Automobilbereich und der Braunkohle sind nötig, aber kein Pappenstiel. Als Politik sind wir massiv dran an der guten Gestaltung bei allen Herausforderungen.

Bei der eto Elektrotechnik Oelsnitz/E. traf Marco Wanderwitz Bürgermeister Bernd Birkigt (links) und Geschäftsführer Björn Hartlich. Foto: CDU

WOCHENENDSPIEGEL:
Wie viel Stollberg steckt in Berlin? Anders: Spüren Sie, dass Deutschland immer stärker in Stadt und Land geteilt wird?

MARCO WANDERWITZ:
Natürlich haben wir beim Thema Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ein Spannungsfeld Großstadt ländlicher Raum. Hier bei uns ist das etwas anders. Chemnitz und Zwickau sind keine Metropolen wie Leipzig oder Hamburg. Hier ist ein enger Verdichtungsraum, hier geht es allen gemeinsam gut oder eben nicht. Ich denke, wir haben gute Voraussetzungen, dass es allen künftig noch ein Stück besser geht. Wobei ich da, Stichwort Stollberg, sehr bei OB Marcel Schmidt bin, dass wir nicht nur immer schneller, höher, weiter, mehr Konsum sollten, sondern auch ab und an innehalten und darauf schauen, was das Leben eigentlich lebenswert macht. Bspw. unsere schöne Landschaft, reiche Kultur, Familie und Begegnungen.

Auch der Firma IAV in Stollberg stattete Marco Wanderwitz einen Besuch ab, traf OB Marcel Schmidt (links) und Mandy Rose. Foto: CDU

 

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