Trotz Gegenwind: Windrädern in Euba wird Weg geebnet

Sieht es so bald aus in Euba? Riesige Windräder mit Schattenwurf und Lärm statt idyllischem Landleben? Foto: fs/Montage

Sieht es so bald aus in Euba? Riesige Windräder mit Schattenwurf und Lärm statt idyllischem Landleben? Foto: fs/Montage

Chemnitz-Euba. Windkraft soll in Chemnitz eine noch größere Rolle spielen. Die Chemnitzer Stadtratsfraktionen DIE LINKE, SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN hatten einen Beschlussantrag eingereicht, in dem steht: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, das Potential an Vorrangflächen für Windkraft im Stadtgebiet maximal zu nutzen und in die Abwägung des Regionalen Planungsverbandes einzubringen.“

Jetzt sollen also auch in Chemnitz-Euba die mehr als 200 Meter hohen Windräder erbaut werden. Insgesamt neun Stück sollen auf dem Feld zwischen Plauer Straße und Waldgebiet Struth für die Energiegewinnung sorgen. Das schlägt der Planungsverband Region Chemnitz im Entwurf des Regionalplans vor. Das darin enthaltene Windenergiekonzept weist zwei Vorrang- und Eignungsgebiete (VREG) für Windkraftanlagen im Gebiet der Stadt Chemnitz aus. Eins davon liegt in der Gemarkung Chemnitz-Euba, ein weiteres am Autobahnkreuz Chemnitz.

Der Chemnitzer Stadtrat hat am gestrigen Mittwochabend den Beschlussantrag mit 20 Neinstimmen, 27 Jastimmen und 2 Enthaltungen in einer ergänzten Fassung angenommen. Für Intiatiativen wie „Gegenwind Euba“ haben sich damit einige Hoffnungen zerstreut. Die Eubaer befürchten, dass die Forderung der Fraktionen noch weit über die Vorschläge im Regionalplanentwurf hinausgehen und weitere Flächen in den Planentwurf Eingang finden sollen. Für viele Anwohner in Eubaer ist das allerdings ein Albtraum, denn sie fürchten von dem Windpark einhergehenden Lärm, Schattenwurf, Gesundheitsgefährdungen, bangen um ihre Aussicht und dem Wertverlust ihrer Immobilien.

Das ca. 200m hohe Windrad im Vergleich neben der 35m hohen Kirche. Fotomontage: Gegenwind Euba

Das ca. 200m hohe Windrad im Vergleich neben der 35m hohen Kirche. Fotomontage: Gegenwind Euba

Auch in Galgenberg zwischen Röhrsdorf und Rabenstein sollen laut Windenergiekonzept acht zusätzliche Windräder aufgebaut werden. An diesem Ort stehen bereits sieben Windkraftanlagen. Allerdings reizt nach Aussage der antragstellenden Fraktionen, das Gebiet die zulässigen Werte für Lärmemissionen bereits aus. Insgesamt könnten laut Regionalplan an zwei Standorten 24 Windkraftanlagen verteilt gebaut werden.

Ortsvorsteher Thomas Groß: „Es ist wichtig, dass sich viele Eubaer für ihre Ortschaft einsetzen.“ In den letzten Wochen hat sich die Interessengemeinschaft „Gegenwind Euba“ zusammen gefunden, welche die Interessen der Eubaer Einwohner vertritt, die sich gegen den Bau von Windrädern, u.a. an der Plauer Straße, aussprechen möchten.

Die Bürger in Euba schrieben Einwände gegen den Regionalplan und wollten die Annahme des Beschlussantrages im Stadtrat verhindern. Gründe seien zum einen, dass die Windkraftanlagen zu dicht am besiedeltem Stadtgebiet erbaut werden. „Speziell in Euba ist der Mindestabstand zu den Wohngebieten grenzwertig oder sogar zu gering“, so heißt es in dem Schreiben vom 11. April an die Stadträte und Fraktionen des Stadtrates Chemnitz. Es werden weitere Gründe genannt wie: „Außerdem ist nachgewiesenermaßen auch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie Schlafstörungen, Unwohlsein, Stress, Schwindel, Tinnitus, Blutdruckanstieg u.a. zu rechnen.“

Des Weiteren steht geschrieben: „Der Bau von Windkraftanlagen würde die Naturlandschaft erheblich zerstören. Sie würde ihren hohen Stellenwert als Gebiet zur Naherholung verlieren.“ Auch etliche Tiere würden unter dem Bau leiden. So heißt es: „Der Lebensraum etlicher Tiere, die sich hier angesiedelt haben, wäre bedroht. Unter anderem würden artengeschütze Vögel, wie einige Fledermausarten oder Raubvögel ihre Brutstätten, Gesundheit und Leben durch die Rotoren, die Unruhe und den Infraschall verlieren.“ In dem Einspruchsschreiben sind noch weitere Gründe der Bürger gegen die Windkraftanlagen aufgeführt.

Mit vielen Hoffnungen war auch Frank Stühmer von „Gegenwind Euba“ in die Sitzung gegangen: „Ich erhoffte mir von der Stadtratssitzung Aufklärung über den Beschlussantrag der rot-rot-grünen Fraktionen. Natürlich auch dass die Stadträte gegen die Erweiterung der bereits jetzt im Regionalplan vorgeschlagenen Flächen stimmen.“ Er fügt noch hinzu: „Die Politik hat es bisher versäumt, die betroffenen Bürger überhaupt mit ins Boot zu nehmen.  Die meisten haben erst jetzt nach der öffentlichen Auslegung des Regionalplanes davon erfahren.“ Jeder Bürger kann bis zum 30. April seine Einwände zum Regionalplan einreichen.

Der Änderungsantrag der CDU/FDP umfasste auch folgenden Punkt: „Die Vorschläge der Stadtverwaltung werden mit allen betroffenen Ortschaftsräten besprochen. Erst im Anschluss und nach der Stellungnahme der Ortschaftsräte erfolgen die Beratung im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss und die Abstimmung im Stadtrat. Danach wird die Stellungnahme an den Regionalen Planungsverband eingereicht.“ Dieser Punkt wurde abgelehnt. ch/nn

Mehr Informationen
Informationen dazu gibt es auf den Internetseiten des Planungsverband Region Chemnitz (Planungsverband) und bei der Eubaer Initiative (Gegenwind Euba).

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