„Wir brauchen positive Signale und kluge Entscheidungen!“

FCE-Präsident Helge Leonhardt spricht im WochenENDspiegel über die Niners, Corona und den Profifußball. Foto: Archiv

Zusammenhalt ist Stärke

Von Sven Günther
Chemnitz/Aue. Er ist ein Entscheider, ein Macher, ein Unternehmer und Fabrikant. Helge Leonhardt, der Präsident des FC Erzgebirge Aue, steht zusammen mit seinem Bruder Uwe an der Spitze der Leonhardt-Group (vier Autohäuser, Maschinenbau-Unternehmen BLEMA-MAJER, Gästehaus Wolfsbrunn Hartenstein) ist Chef von knapp 400 Menschen. Jetzt steigt er mit der Audi Zentrum Chemnitz AG bei den Chemnitzer Basketballern als Sponsor ein.
Dem WochenENDspiegel gab er folgendes Interview.

WOCHENENDSPIEGEL:
In einer Zeit, in der Jammern und Wehklagen allerorten vorherrscht, preschen Sie nach vorn, steigen als Sponsor im Basketball ein. Woher rührt Ihr Optimismus?

HELGE LEONHARDT:
Der Optimismus liegt in der Natur meines Charakters, speist sich aus meiner Erziehung und meiner jahrzehntelangen Erfahrung. Kämpfen und Entscheidungen mit Intelligenz und Weitsicht treffen, muss man auch in schwierigen Zeiten, also genau dann, wenn es keiner erwartet. Abducken und Jammern werden Sie bei mir nicht finden.

WOCHENENDSPIEGEL:
Warum ist es für Sie wichtig, positive Signale zu setzen?

HELGE LEONHARDT:
Gegenwärtig leben wir, ich formuliere es mal etwas vorsichtig, in einer sehr ungewissen Zeit. Die Corona-Pandemie verursacht bei vielen Menschen berechtigte große Sorgen, Angst und Ungewissheit.
Die wirtschaftlichen Folgen für die Unternehmen sind noch nicht genau definierbar und auch den Sport trifft es mit einer noch nie gekannten Wucht.
Allerdings werden die Menschen psychisch bis zum Anschlag belastet, wenn sie in den Medien täglich von neuen Todesfällen hören, als herrschte Krieg! Die Corona-Pandemie ist schlimm und ernst zu nehmen. Aber sie ist eben KEIN Krieg und auch KEIN Massensterben!
Ich finde, die mediale Berichterstattung sollte sich ändern, weil die Menschen damit immer mehr verwirrt werden und einige diese Horrorbotschaften auch nicht verkraften.

Genau deshalb braucht die Gesellschaft positive Signale und Entscheidungen, die Zuversicht vermitteln. Mit der Entscheidung, bei den Niners als Sponsor einzusteigen, wollen wir auch Hoffnung machen und dokumentieren, dass wieder bessere Zeiten kommen werden.

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WOCHENENDSPIEGEL
Warum helfen Sie den Chemnitzer Basketballern, obwohl es in Aue Zweitliga-Handball gibt?

HELGE LEONHARDT:
Es ist ein kompletter Neuanfang. Mit dem EHV ist die Leonhardt Group seit eh und je eng verbunden, schon weil der EHV und der FCE mit Wismut Aue dieselben Wurzeln haben.
Ich pflege viele Freundschaften in den Verein. Fragen Sie Rüdiger Jurke (EHV-Manager, d.Red). Ich habe es immer genossen, neben ihm beim Handball-Punktspiel zu sitzen und mitzufiebern. Leider geht das jetzt aber nicht.
Das Engagement bei den Niners ist eine logische Konsequenz aus Sympathie und unternehmerischen Wollen. Wir als exklusives Audi-Center sind das Flaggschiff der Marke in Chemnitz und der Region, die Niners sind ein sportlicher Leuchtturm in der Stadt für den Profi und Breitensport.
Viele erfolgreiche mittelständische Unternehmen halten den Niners loyal die Treue – viele sind auch unsere treuen Kunden im Audi Zentrum .
Da liegt es nahe, dass wir als Sponsor mitziehen, weil gerade jetzt der Mittelstand sowohl in Chemnitz als auch in Aue bzw. im Erzgebirge der wesentlichste Bestandteil von Finanzkraft, sozialer Kompetenz und Leben für die Sportclubs in den Regionen ist .
Da darf man nicht kleinkariert denken, sondern muss über den Tellerrand hinaus schauen. Genau das tun wir. Zusammenhalt ist die Stärke, die uns gerade jetzt verbinden muss!
Aus diesem Zusammenhalt wachsen Netzwerke von hoher Qualität, die es Unternehmern ermöglichen, Vereine zu führen, gesellschaftlichen und politischen Einfluss nehmen zu können und auch zu müssen. Dies ist gerade in der aktuellen Lage mehr als wichtig!!

WOCHENENDSPIEGEL
Fußball und Basketball…. Der FC Bayern lässt grüßen…

HELGE LEONHARDT:
(lacht)…mit einem herzlichen Glück Auf zurück.

WOCHENENDSPIEGEL
Bleiben wir ernst: Die Corona-Pandemie wird Spuren hinterlassen, in der MoPo wurde prognostiziert, dass sich die Fans millionenfach vom Fußball abwenden werden. Sehen Sie das auch so? Glauben Sie, dass es einen Trend hin zu Sportarten wie Basketball, Handball oder Eishockey geben könnte?

HELGE LEONHARDT:
Ich schließe es nicht aus, glaube, dass das über eine gewisse Zeit passieren könnte. Es hängt davon ab, ob es im Profifußball in den nächsten Monaten die notwendigen Restrukturierungen gelingen und alle mitziehen. Wenn nicht, könnt es einen enormen Sympathie- und letztlich auch Interessenverlust geben, die wirtschaftliche Dramen nach sich ziehen.

Ich denke, und das ist mein voller Ernst, wäre global gesehen ein Mega-Crash im Profifußball das Beste, was passieren könnte, um dann die Regeln von unten nach oben neu zu definierten. Gegenwärtig werden aber keine neuen Regeln aufgestellt, weil es die wenigsten wollen da alle daran verdienen und nötige Reformen aus egoistischen Gründen verhindern.

Wenn dann alles irgendwann wieder vorbei ist, keine Lehren aus der Krise gezogen werden, wird es weiter unvernünftig in der eigenen Welt des ungezogenen Finanz-Profi-Fußballs weitergehen und alle im System werden so viel oder sogar noch mehr verdienen. Und die Fans werden weiter jubeln!

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