„Wir haben richtig Bock drauf“: Interview mit NINERS-Geschäftsführer Steffen Herhold

Die Testspiele – wie hier gegen LOK Bernau – liefen für die NINERS hervorragend. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Am 22. September 18 Uhr starten die NINERS in der Messe Chemnitz in die Saison 2018/19. Am morgigen Samstag um 19 Uhr steht der letzte öffentliche Test in der Hartmannhalle auf dem Programm. Doch welche Erwartungen hegt die Vereinsführung für die neue Spielzeit und wie wird der Umbau nach der letzten, ziemlich enttäuschenden Saison beurteilt? Dazu sprach WochenENDspiegel-Redakteurin Cindy Haase mit NINERS-Geschäftsführer Steffen Herhold.

In reichlich einer Woche startet endlich die neue Saison. Wie bist Du mit der Vorbereitung zufrieden?
Steffen Herhold: Ich bin super zufrieden. Es geht alles so auf, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Mannschaft ist in toller Form. Aber die Sektkorken lassen wir noch nicht knallen. Immerhin hat die Vorbereitung ihre ganz eigene Dynamik. Aber wie die Mannschaft arbeitet und sich in Testspielen präsentiert, macht echt Freude.

So jubeln will Steffen Herhold auch in der neuen Saison. Foto: Verein/Archiv

Bist Du überrascht?
Natürlich hatten wir darauf gehofft, aber sicher sein kann man sich vorher nie. Uns ist wichtig, dass die Mannschaft auf dem Feld zeigt, was wir uns vorgenommen haben. Dazu kommt, dass alle Spieler topfit sind, das macht sehr viel aus. Auch das Spiel gegen den Liga-Konkurrenten Rostock lässt schon einiges einordnen. Am Ende fragt man sich aber trotzdem, ist man selbst so gut oder ist der Gegner noch nicht wettbewerbsfähig? Am Samstag bestreiten wir das letzte öffentliche Testspiel. Dann sind wir endlich bereit für den heißen Start am 22. September.

Ihr habt nach Ende der letzten Saison einen ziemlich radikalen Umbau durchgeführt. Warum das und nach welchen Kriterien habt Ihr die Spieler ausgewählt?
Bei einem Großteil der Spieler waren die Verträge ausgelaufen. Uns war zeitnah klar, dass wir einen Wechsel vornehmen wollen. Nach so einer mental anstrengenden Saison, wo wir das Ziel nicht erreicht haben, wollten wir einen Neustart. Bei den neuen Spielern war uns wichtig, dass sie sehr variabel sind. Das hängt mit der Spiel-idee zusammen, die wir vorhaben. Sie sollen mehrere Positionen spielen können. Sowohl Verteidigung als auch Angriff sollen besser werden. Gerade in der letzten Saison waren wir da zu anfällig. Deswegen setzen wir jetzt auf aggressivere Verteidung. Außerdem wollten wir mehr Länge und Atlethik. Wir hatten zuletzt immer große Probleme bei athletischen Teams.

Wie kam es zur Rückkehr von Virgil Matthews?
Der Kontakt war im letzten Jahr nie abgerissen und seine Rückkehr war zeitnah klar. Das stand für Rodrigo und mich schnell fest. Es war aber noch nicht klar, ob er überhaupt noch mal spielen will. Virigil hat eine ganz große Aufgabe. Er ist der verlängerte Arm des Trainers und zweiter Leader neben Malte. Er muss sich auch um die Amerikaner kümmern. Die Erfahrung, die er mitbringt, wird vor allem auch den jungen Spielern helfen. Er ist sozusagen ihr Mentor. Virgil bringt emotional viel mit und kann hier seine Karriere beenden.

Das klingt, als wäre auch nach seiner aktiven Zeit für ihn Platz bei den NINERS?
Es kann gut sein, dass Virgil bleibt. Aber das hängt von ihm ab und natürlich auch von seiner Familie, die in Amerika lebt.

In der Vorbereitung ist aufgefallen, dass Malte trotz seiner Kapitänsrolle im neuen Team nicht unbedingt in der Startformation steht. Warum?
Malte ist schon immer von der Bank gekommen. Er gibt Dir dann noch mal extrem viel Powerscoring. Das ist für jeden Gegner schwer. Von daher ist es nicht entscheidend, wer in der Starting Five steht, weil wir viel durchwechseln. Dieses Konzept ist für viele Spieler neu.

Welchen Input bringt Steven Hutchinson als Co-Trainer mit?
Steven hat eine gewisse Glaubwürdigkeit aufgrund seiner langen Profikarriere. Er ist ein guter Typ. Er weiß ja auch, wovon er redet, denn er war einer der besten Rebounder und Defensive-Spieler. Steven liebt es in der Halle zu stehen. Dazu kommt noch Michael Wende, der als zweiter Assistent Coach die ProA mit unterstützt.
Rodrigo ist und bleibt aber der Master Mind. Er ist einer der besten Trainer Deutschlands. Mit dem gesamten Trainerstab haben wir einen sehr guten Schritt nach vorn getan. Im Moment bin ich sehr zufrieden. Aber wir haben natürlich noch kein Punktspiel bestritten.

Wie ist die Stimmung im Team?
Es ist eine ganz tolle Team-Dynamik. Das kann man nicht am Reißbrett entwerfen. Das haben wir gehofft, aber vorher weiß man das nicht. Die Jungs sind sehr ehrgeizig, haben Ziele. Sie haben vor allem richtig Bock drauf, zusammen mit starken Mitspielern Basketball zu spielen.

Malte Ziegenhagen hat beim Sponsorentreffen keinen Zweifel daran gelassen, dass er diese Saison in die Playoffs und zeitnah auch den Aufstieg schaffen will. Deckt sich das auch mit Deinen Zielen? Welche Vorgaben habt Ihr gemacht?
Ein konkretes Ziel gibt es nicht. Die Playoffs sind das Minimalziel. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Vom Aufstieg zu sprechen ist sehr konkret, doch das brauchen wir so nicht sagen. Denn die Playoffs sind ein anspruchsvolles Ziel. Man muss sehen, ob die Truppe bereit für was Großes ist. Wir haben immer noch Raum für Verbesserungen. Das sind tolle Voraussetzungen. Verletzungsfrei zu bleiben ist erst mal das Wichtigste. Die positive Entwicklung, die wir jetzt sehen, muss sich verfestigen. Die Jungs müssen jetzt zeigen, wie wettbewerbsfähig sie sind.

NINERS-Kapitän Malte Ziegenhagen (hier mit Vizepräsident Sven Böttger) träumt vom Aufstieg. Foto: Cindy Haase

Trotz der durchwachsenen Saison 2017/18 konntet Ihr in der Hartmannhalle einen neuen Durchschnittszuschauerrekord verbuchen und auch der Ticketverkauf für 2018/19 läuft gut. Wie erklärst Du Dir das?
Das ist ein Trend. Man muss dahingehend arbeiten, dass man nicht immer nur von der aktuellen sportlichen Situation abhängig ist. Klar ist es so, dass bei Erfolg mehr Leute kommen. Aber ich denke, die NINERS haben es geschafft, dass von einander abzukoppeln. Man ist eben NINERS-Fan. Viele sind schon seit vielen Jahren an unserer Seite. Sie sehen auch, dass das, was wir nach außen transportieren, ehrlich ist und das hält die Leute bei uns.

Ein weiteres Phänomen ist das Verhalten Eurer Sponsoren. Auch hier konntet Ihr Euch verbessern. Wie viele Sponsoren habt Ihr mittlerweile und mit welchem Budget konntet Ihr planen?
Die Anzahl der Sponsoren ändert sich ständig. Wir haben diese Saison so 10 bis 15 neue Partner. Wir sind jetzt inzwischen an der 100 Partner-Schwelle. (lacht) Allmählich geht uns der Platz aus. Wir planen diese Saison mit 1,35 Millionen Euro Etat für die Profi-Mannschaft. Das ist ein bisschen mehr als letzte Saison. Damit liegen wir im der Liga vermutlich unter den ersten acht. Wir sind damit auf jeden Fall wettbewerbsfähig.

Was ist Deine Prognose für den Saisonstart?
Ich hab vor allem richtig Bock drauf. Die Saison wird auch nicht frei von Rückschlägen sein. Aber vom jetzigen Stand gesehen, bin ich sehr zufrieden. Das ist auch nicht aus dem Zufall geboren. Wir sehen jetzt das Team, dass wir Anfang April auf dem Zettel hatten. Das war auch nicht unbedingt einfach.

Dein Tipp und Wunsch fürs Eröffnungsspiel am 22. September in der Messe?
Die Kapazität wird 4.700 Plätze sein. Es wäre schön, wenn wir die 4.000 schaffen. Wir haben dieses Mal auch eine andere Konfiguration gewählt, so dass die Plätze enger am Spielfeld sind. Gegen Heidelberg wird ein schweres Spiel, da brauchen wir volle Unterstützung.

Vielen Dank für das Gespräch!

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