„Wir sind nicht so mobil!“

Von den Stadträten dürften die wenigsten den ÖPNV nutzen. Anders ist das beim Jugendbeirat. Sie machten zur Stadtratssitzung eine klare Ansage: „Wir sind nicht so mobil!“ Fotos/ Collage: Alice Jagals

Zwickau. Seit Mitte Dezember ist Schluss mit der Fahrt zum Bahnhof per Straßenbahn. Dazu muss nun in den Bus umgestiegen werden. Oder man läuft von der Zentralhaltestelle bis zum gewünschten Ziel. Alles machbar. Da sind sich die meisten Stadträte einig.

Aber: Geht man in die Tiefe der seit Jahren andauernden Debatte über den Fortbestand der Straßenbahn, die Sanierung des Bahnhofsvorplatzes und einer neuen Trassenführung zwischen Bahnhof und Marienthal, kommen die Feinheiten zum Vorschein.

Und so scheiterte der Antrag von der Fraktion SPD/ Grüne und Tierschutzpartei und ein Zusatzantrag von den Bürgern für Zwickau, die Gleise zumindest notdürftig instand zu setzen. Nach Meinung von Tristan Drechsel (BfZ) handelten die Städtischen Verkehrsbetriebe vertragswidrig, da sie ihrer Aufgabe, nämlich der Beförderung, nicht nachgekommen sind. Immerhin müssen die Nutzer jetzt einmal umsteigen und zehn Minuten statt fünf warten. Das könne wiederum deren Anschlüsse betreffen und mache den ÖPNV einen ganzen Schritt unattraktiver. Die AfD-Fraktion, die sowieso am liebsten auf die Straßenbahn verzichten würde, sieht das weniger schlimm. Mit dem Einsatz von Bussen gehe die SVZ schließlich ihrem Auftrag nach. Und Vorsitzender Sven Itzek fügte hinzu, dass es sich wahrscheinlich eh nicht lohnen würde, die wenigen Fahrgäste so viel Geld – wer wisse schon wie viel – auszugeben.

Bernd Rudolph (Linke) schloss sich dem teilweise an. „Ich bin zu 100 Prozent für den Erhalt der Straßenbahn. Allerdings bin ich der Meinung, dass man diese Zwischenlösung wirtschaftlich nicht verantworten kann.“

Carsten Schick (FDP) sieht die Schuld beim Stadtrat selbst:  „Der Bahnhofsplatz soll so umgestaltet werden, dass die Gleise neu verlegt werden und zusätzlich eine Verbindung zur Werdauer Straße besteht. Es macht doch dann aus Betreibersicht gar keinen Sinn, unnötig Geld für eine Zwischenlösung auszugeben.“ Dass das Ganze ein abgekartetes Spiel sein soll, um die Straßenbahn ganz aus Zwickau zu verbannen, sieht er anders. „Denn wieso sollte dann die SVZ ihre Niederflurbahnen derzeit sanieren lassen?“

Wurde bisher immer wieder von den Befürwortern der Gleiserneuerung von zahlreichen Beschwerden von Fahrgästen berichtet, wunderte sich die AfD-Fraktion, wer das bei den über 90.000 Einwohner überhaupt alles sein solle. Prompt standen Vertreter des Jugendbeirates am Rednerpult. „Klar ist es nicht dramatisch, zehn Minuten auf den Bus zu warten, aber es sollte jedem bewusst sein, dass die Bahn durchaus genutzt wird, unter anderem von Schülern und Studenten. Wir sind nicht so mobil“, erklärten Olivia Tschiersch und  Sven Richter. aj

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