„Wir sitzen alle im gleichen Boot“

Dr. med. Frank Horlbeck im Interview. Foto: Privat

Bereits seit 22 Jahren kräftigt Kieser Training in Chemnitz Menschen nicht nur den Rücken, sondern im Grunde den ganzen Körper. An speziellen Geräten wird der Muskulatur ein dosierter Widerstand geboten, der letztlich zu mehr Kraft führt. Im Gegensatz zu Fitnessstudios steht hier die Gesundheit im Vordergrund, es werden keine Eitelkeiten gepflegt. Darum ist auch das Publikum anders. Viele Aktive haben Vorerkrankungen, die ein individuelles, sicheres und wirksames Vorgehen erfordern. Darum findet hier eine ärztliche Beratung statt, die seit 1998 auch von Dr. Horlbeck durchgeführt wird. Im Interview spricht er über seine Arbeit:

Wie viele Patienten haben Sie schon zum Training beraten?
Dr. Horlbeck: Ach, da habe ich schon vor Jahren aufgehört zu zählen. Da waren es etwa zehntausend.

Was ist der häufigste Grund, in Ihr Trainingszentrum zu kommen?
Ursprünglich waren es vor allem Beschwerden an der Wirbelsäule, also Rückenschmerzen oder Nackenverspannungen. Inzwischen ist das Spektrum wesentlich breiter. Wir stabilisieren ja auch viele Gelenke wie Knie, Hüften oder Schultern. Diese Probleme nehmen zu, nicht zuletzt wegen einseitiger Belastungen am Arbeitsplatz.

Also sind doch vor allem orthopädische Indikationen, die zu Ihnen führen?

Das hält sich aktuell die Waage. Seit einigen Jahren wissen wir, dass auch Diabetiker, Krebspatienten oder Menschen mit zu geringer Knochendichte starke Muskeln benötigen. Dazu kommen bei uns noch Beckenbodentraining, Vorbeugung von Stürzen oder ganz einfach gesundes Altern. Gerade wer in Rente geht, hat sich ja oft noch viel vorgenommen. Und starke Menschen bleiben einfach jung.

Und trotzdem mussten Sie wegen der Coronapandemie den Trainingsbetrieb unterbrechen?

Ja, ab 19. März war erstmal zu, wie so vieles andere leider auch. Das hielt ich sogar für vernünftig, weil die damalige Situation sehr unklar war. Nach Ostern kamen dann aber vermehrt Anfragen an uns, dass Beschwerden, speziell Rückenschmerzen, oft zunehmen. Darum kämpften wir ab diesem Zeitpunkt aktiv für eine Öffnung, selbstverständlich mit hohen Hygienestandards. Darum starteten wir ab 4. Mai stufenweise mit unserem medizinischen Bereich wieder.

Aber wäre nicht Bewegung und Sport eher gut in diesen Zeiten?

Da haben Sie völlig recht. Abwehrkraft und muskuläre Fitness bedingen einander. Unser Training ist eine Hygienemaßnahme für den ganzen Körper. Es macht biologisch jünger, stärkt Herz und Kreislauf sowie viele Stoffwechselparameter, beispielsweise den Blutzuckerspiegel. Das Immunsystem wird so geschärft und Risikofaktoren gesenkt. Selbst Atmen, und das möglichst tief, ist ja nichts als Muskelarbeit.

Seit den 15. Mai dürfen Sie nun wie andere Betreiber in Sachsen auch, die Türen wieder öffnen. Wie geht es Ihnen dabei?

Das ist schon sehr emotional. Denn genau am 15. Mai 1998 starteten wir den Trainingsbetrieb in Chemnitz. Nun gefährdeten 66 Tage das Ergebnis der letzten 22 Jahre. Wer hätte das mal gedacht.

Wie gingen Ihre Kunden mit der Schließung um?

Diese waren fast alle sehr solidarisch und zahlten Ihre Beiträge weiter, da bin ich sehr stolz und dankbar. Die meisten bekommen die trainingsfreie Zeit gutgeschrieben, einige verzichten jedoch aus Solidarität sogar darauf. Sie wären wegen Ihrer Lebensqualität auf Kieser Training angewiesen.
Wir sitzen also im gleichen Boot. So erhalten wir nicht nur 15 Arbeitsplätze, sondern auch die Gesundheit von über dreitausend Aktiven.

Vielen Dank für das Gespräch!

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